Azubis ohne Chance

Immer mehr westdeutsche Jugendliche arbeitslos

Flora Wisdorff

Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen steigt insbesondere im Westen Deutschlands stark an. Der Deutsche Gewerkschaftsbund schlägt Alarm: Bund und Länder müssten Transfergesellschaften für Azubis unterstützen, die nach der Lehre nicht übernommen werden. Sie sollen an Betriebe ausgeliehen werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schlägt Alarm, weil die Jugendarbeitslosigkeit stark ansteigt. Von August 2008 bis 2009 sei sie mit einem Anstieg von 16,8 Prozent doppelt so stark angewachsen wie die Arbeitslosigkeit insgesamt, sagte DGB-Arbeitsmarktexperte Wilhelm Adamy zu Morgenpost Online.

Dieser Anstieg konzentriere sich ausschließlich auf die alten Bundesländer, wo die Jugendarbeitslosigkeit bereits um 28,2 Prozent geklettert sei. Besonders problematisch sei die Situation bei den 20 bis 24-Jährigen. Im Westen habe sich die Arbeitslosigkeit hier bereits um 34 Prozent erhöht.

Vor allem in Baden-Württemberg zeige „sich exemplarisch, in wie starkem Maße Jugendliche zu Opfern der Krise werden“, sagte Adamy. Dort sei die Arbeitslosigkeit bei den 20 bis 24-Jährigen bereits um 65 Prozent gestiegen. „Vorrangig ist das auf die die Übergangsprobleme nach dem Abschluss der beruflichen Ausbildung zurückzuführen“, sagte Adamy.

Um dem Problem entgegenzuwirken, fordert der DGB-Experte Bund und Länder auf, die Gründung von Transfergesellschaften für Azubis zu unterstützen. In ihnen sollen Azubis, die nicht übernommen werden können, mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit angestellt und an die Betriebe entliehen werden können – auf gemeinnütziger Basis und nach Branchentarif bezahlt.

Die regionalen Sozialpartner sollen beide direkt an der inhaltlichen und organisatorischen Gestaltung beteiligt werden, Bund und Länder sollen Geld aus dem Europäischen Sozialfonds für die Verwaltung der Gesellschaften bereitstellen. Diese Träger könnten dann „gezielt als Beschäftigungsbrücke für ausgebildete Jugendliche genutzt werden“, sagte Adamy.