Nach wochenlangen gewaltsamen Protesten hat der indische Autobauer Tata den Plan aufgegeben, im Bundesstaat Westbengalen eine Fabrik zum Bau des Billigautos Nano in Betrieb zu nehmen.

„Du kannst keine Fabrik unter Polizeischutz betreiben, Du kannst keine Fabrik betreiben, wenn Bomben geworfen werden, Du kannst keine Fabrik betreiben, wenn die Arbeiter eingeschüchtert werden“, sagte der Chef der Unternehmensgruppe, Ratan Tata.

Bauern hatten am 24. August mit der Blockade des Werks begonnen. Sie kritisierten, das Land sei von der kommunistischen Regierung des Bundesstaats gewaltsam für Tata akquiriert worden. Danach setzte der Konzern die Arbeit an dem Werk bereits aus: Die Arbeiter hatten sich bedroht gefühlt.

Im Dorf Singur, wo rund 200 Arbeiter leben, hofften Bewohner bis zuletzt auf das Werk: Viele wollten dort Arbeit finden.

Der Unternehmer Tata hatte für den Bau der Fabrik im marxistisch regierten Bundesstaat Westbengalen bereits umgerechnet 240 Millionen Euro ausgegeben. Die Anlage in Singur war fast fertiggestellt, sie gilt als Symbol für die widerstreitenden Interessen von Industrie und Bauern.

Anfang September hatte die Opposition mit der Regierung von Westbengalen verhandelt und erreicht, dass wegen der Fabrik vertriebene Bauern entschädigt werden oder ihr Land zurückerhalten.

Zehntausende hatten in den vergangenen Wochen gegen das Autowerk protestiert. Tata stellte die Arbeiten an der Fabrik deshalb ein und drohte mit einer Verlegung des Standorts. Der Nano sollte eigentlich im Oktober vom Band laufen. Tata will das Auto für 100.000 Rupien (knapp 1600 Euro) verkaufen und damit den Massenmarkt erobern.

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AFP/oht