Die Immobilienkrise in Spanien zieht weite Kreise. Das Beben am Häusermarkt erschüttert inzwischen auch die Fußballvereine der Primera Division. Deportivo La Coruña, der Meister von 2000, findet nach dem Kollaps des Immobilienentwicklers Martinsa-Fadesa SA keinen neuen Trikotsponsor. Der Besitzer von Real Mallorca, Vicenc Grande, sucht einen Käufer für den Klub, nachdem sein Immobilienunternehmen Gläubigerschutz beantragen musste. Und bei Atlético Madrid bringt der Verkauf des Stadions nicht genug ein, um den Schuldenberg abzubauen.
„Die Krise hat die Immobilienentwickler kalt erwischt“, sagt Sandalio Gomez, Professor für Sportwirtschaft an der IESE Business School in Madrid. „Sie haben keine andere Wahl, als aus dem Fußball auszusteigen.“ Spanische Immobilienmagnaten traten gern als Sportmäzene auf – wegen des Prestiges und zur Vermarktung des Unternehmens. Die Zuwendungen trugen dazu bei, dass Stars wie Zinedine Zidane, David Beckham und Ronaldo in der spanischen Liga spielten. Mit der Krise gerät das System ins Wanken. In Spanien sei in den beiden vergangenen Jahren die Zahl der Hausverkäufe um 90 Prozent gesunken, berichtet Analystin Sonia Baldeira von der Bank Espírito Santo in Lissabon. Die Immobilienpreise hätten mehr als zehn Prozent nachgegeben. „Der Abschwung ist stärker als erwartet.“
Seit Juli haben vier Immobilienentwickler ihre Unterstützung für die Clubs in der Primera Division eingestellt. Zu den betroffenen Vereinen gehört UD Almería, das im vorigen Jahr nach 26 Jahren der Zweitklassigkeit wieder in die erste spanische Liga aufgestiegen ist und nun den Trikotsponsor Obrascampo SL verloren hat.
Knapp eine Million unverkaufte Neubauten
Nicht zuletzt wegen der erschwerten Kreditbedingungen haben mehr als 400 spanische Bauunternehmen in diesem Jahr Gläubigerschutz beantragt, meldet der Kreditversicherer Crédito y Caucion. Nach Einschätzung der Bewertungsfirma Tinsa SA wird die Zahl der unverkauften Neubauten in Spanien bis Jahresende auf 930.000 steigen, was einem Anstieg von 63 Prozent seit Ende März entspräche.
„Unter den Baulöwen gab es viele Neureiche, die sich einen Fußballverein sozusagen als Hobby leisten“, sagt Eduardo Peña, der von 1995 bis 1999 Sportdirektor bei Real Madrid war. In der VIP-Lounge des Madrider Stadions Santiago Bernabéu seien häufig Immobiliengeschäfte ausgehandelt worden.
Gil hinterließ bei Atletico Madrid hohe Schulden
An der Spitze des Lokalrivalen Atletico Madrid stand lange Zeit der im Jahr 2004 verstorbene Jesús Gil. Der als Immobilienentwickler zu Geld gekommene Gil verschliss während seiner 16 Jahre an der Spitze des Clubs 25 Trainer. Seine exponierte Stellung im Fußball erleichterte auch Gils politische Karriere – er brachte es zum Bürgermeister von Marbella. Dem Verein Atlético hinterließ Gil hohe Schulden. Ein anderer Immobilienentwickler, Juan Bautista Soler, erwarb vor vier Jahren, als der Häusermarkt noch brummte, den FC Valencia. Soler verkaufte das Stadiongelände an die Stadt und plante einen Neubau. Im September zog er sich aus dem Verein zurück. Jetzt steht Valencia vor einem Schuldenberg.
Zu den Immobiliengrößen, die sich aus dem Fußball zurückziehen wollen, gehört auch Vicenc Grande, dessen Unternehmen Grupo Drac unter der Krise leidet. Grande hatte vor, seinen Verein Real Mallorca an den britischen Unternehmer Paul Davidson zu verkaufen. Doch Davidson ließ im November eine Zahlungsfrist verstreichen, weil die Kreditklemme die geplante Finanzierung verhinderte. Bloomberg


