Die US-Regierung erwägt Kreisen zufolge die Beteiligung oder den Kauf lukrativer Sparten des angeschlagenen Versicherers American International Group (AIG). Die Regierung könnte das Tafelsilber des Konzerns kaufen, wenn der Verkauf an andere Interessenten platze, sagte eine mit der Situation vertraute Person.

Zuvor hatte es in Verhandlungskreisen geheißen, AIG erwäge dem Staat Anteile an Sparten wie Alico und AIA in Asien anzubieten. Damit könnten die lukrativen Konzernteile abgespalten oder später verkauft werden. Ein AIG-Sprecher erklärte, sein Unternehmen spreche weiter mit der US-Regierung über verschiedene Möglichkeiten.

In Erwartung des höchsten Quartalsverlusts in der Wirtschaftsgeschichte versucht AIG derzeit Sparten zu verscherbeln und so an dringend benötigtes Geld zu kommen. Die Frist für Angebote für die attraktiven asiatischen Teile läuft am heutigen Freitag ab. AIG hoffte ursprünglich, mehr als 20 Milliarden Dollar durch die Verkäufe zu erlösen. Die Zahlen sollen nächste Woche veröffentlicht werden. Ein ungeordneter Zusammenbruch des Traditionskonzerns würde laut Experten an den Finanzmärkten weltweit für neue Turbulenzen sorgen.

Finanzkreisen zufolge hat der Versicherer allein im vergangenen Quartal 60 Milliarden Dollar Verlust gemacht und steht nun das dritte Mal binnen weniger Monate vor der Pleite. Der Jahresverlust soll früheren Berichten zufolge bei rund 100 Milliarden Dollar liegen. Bislang sind Staat und Banken mit Hilfen im Umfang von rund 150 Milliarden Dollar eingesprungen.

Bei AIG hält der Staat nach einer vorläufigen Rettung im Herbst bereits rund 80 Prozent. Dieser Anteil könnte dem Bericht zufolge in Beteiligung an künftig drei separaten AIG-Einheiten umgewandelt werden: eine Asiensparte, ein internationaler Lebensversicherer und ein verkleinertes US-Geschäft.

Der zur Sanierung geplante Verkauf umfangreicher AIG-Bereiche geriet auch wegen der Wirtschaftskrise ins Stocken. So müsse AIG womöglich die Auktion seines US-Autoversicherers abblasen, nachdem der Schweizer Wettbewerber Zürich Financial Services sein Angebot zurückzog, so die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Eine Aufspaltung von AIG könne auch ein Modell für weitere schwer angeschlagene Finanzriesen wie die Citigroup sein, zitierte die "Financial Times" an den Plänen beteiligte Personen. Die Großbank steht nach früheren Berichten kurz vor einer Teilverstaatlichung mit einem Anteil der öffentlichen Hand von bis zu 40 Prozent.

Reuters/dpa/dma