Die Demokraten im US-Kongress haben Finanzminister Henry Paulson scharf kritisiert. Entgegen ihrer Absichten nutze er das Geld aus dem im Oktober verabschiedeten 700-Mrd. Dollar-Rettungspaket für die Finanzbranche nicht um die Zahl der Zwangsversteigerungen von Häusern zu senken. Die Weigerung, das Geld für diesen Zweck zu nutzen, sei ein Verstoß gegen die „Absicht“ des Gesetzes, so Barney Frank, demokratischer Vorsitzender des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus.

Bei einer Anhörung zum Erfolg des Rettungspakets kritisierte Frank zudem, dass das Ministerium die profitierenden Banken nicht ausreichend dränge, das staatliche Geld zur Vergabe von Krediten zu nutzen. Daher werde der Kongress die zweite Hälfte der Rettungsmilliarden wohl nicht freigeben.

Hingegen verteidigte Neil Kashkari, der Verwalter des Stützungsprogramms, die Vorgehensweise des Ministeriums. Eine ausgeweitete Kreditvergabe werde zwar „nicht so schnell geschehen wie gewünscht“. Doch durch den eingeschlagenen Weg werde der Darlehensfluss in jedem Fall schneller wieder normalisiert, als dies ohne das Rettungspaket der Fall gewesen wäre.

Paulson hat die ersten 350 Mrd. Dollar bereits beinahe vollständig ausgegeben oder versprochen. Vom ursprünglichen Plan, das Geld für den Aufkauf von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren zu nutzen, war er im November abgewichen. Stattdessen haben mehrere Dutzend Banken Kapitalspritzen erhalten. Allein die Citigroup erhielt 45 Mrd. Dollar. Einen ähnlichen Betrag stellte Paulson zur Verfügung, um den Versicherungsriesen AIG vor dem Untergang zu bewahren. Noch hat Paulson den Antrag auf die zweite Hälfte des Rettungspakets nicht gestellt. Der Kongress hat nach der offiziellen Anfrage 15 Tage Zeit, Einspruch gegen die Ausschüttung zu erheben.

In einem ersten Bericht hatte das für die Überwachung des Milliardenpakets geschaffene Aufsichtsgremium im Kongress festgestellt, dass das Ministerium keine grundlegende Strategie für die Verwendung des Geldes vorgelegt habe. Zudem könne die Behörde nicht aufzeigen, welche Effekte das Geld entfaltet habe. Kashkari sagte, dass die Wirkung des Stützungsprogramms unter anderem dadurch belegt sei, dass das Finanzsystem nicht zusammengebrochen sei. Zudem seien an den Märkten die Preise für Versicherungspapiere gegen die Pleite von Großbanken stark gesunken.

Seit Beginn des Haushaltsjahres am 1. Oktober hat die Regierung bereits 401,6 Mrd. Dollar zusätzliche Schulden gemacht. Das sind nur etwa 50 Mrd. Dollar weniger als im gesamten Vorjahr angefallen waren.