Wer von Indiens Wirtschaft redet, kann von Mukhesh Ambani (50) nicht schweigen. Der schüchterne Mann ist einer der offensivsten und erfolgreichsten Unternehmer des Landes. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sein Unternehmen Reliance Industries mit einem neuen Megadeal Schlagzeilen macht: Reliance plant ein 20 Mrd. Dollar (14,7 Mrd. Euro) schweres Joint-Venture mit dem US-Giganten Dow Chemical, Reliance will 13 Prozent am französischen Einzelhandelskonzern Carrefour kaufen, Reliance verhandelt mit der britischen Sainsbury Gruppe sowie mit Marks & Spencers über Kooperationen.

Mit 19,9 Mrd. Dollar Umsatz und zwei Mrd. Dollar Gewinn erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr 30 Prozent aller Profite im indischen Privatsektor und trug 3,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Doch das ist Ambani nicht genug. Er will das Unternehmen zu einem Global Player ausbauen. Ganz so wie es sein Vater, der Reliance-Gründer Dhirubhai Ambani (1932 – 2002) es schon vor Jahren formulierte. „Unsere Träume müssen größer sein, unsere Ambitionen höher, unsere Hingabe tiefer, unsere Bemühungen stärker. Das ist mein Traum für Reliance und für Indien.“

Noch ist der Deal nicht unter Dach und Fach, aber selbst wenn die Übernahme des Hamburger Windturbinenherstellers Repower durch Suzlon in letzte Minute platzen sollte: Mit Tulsi Tanti und seinem Unternehmen wird man auf der Weltbühne auch weiterhin rechnen müssen. „Tulsi ist ein Tiger mit einem brennenden Verlangen, international mitzuspielen. Er will, dass Suzlon zu einem der drei größten Windenergie-Unternehmen der Welt wird“, sagt Ashish Dhawan, Geschäftsführer bei ChrysCapital, einer Beteiligungsfirma in Bombay. Das sieht man dem 48-jährigen Schnurrbartträger nicht an. Vor wenigen Jahren war er in der Energiebranche noch ein völlig Unbekannter. Bis in die 90er-Jahre war seine Firma im Textilgeschäft tätig, als er eines Tages, entnervt von den vielen Stromausfällen, für das Familienunternehmen zwei Windkraftanlagen kaufte.

Dabei entdeckte er das enorme Geschäftspotenzial, das in der Windenergie steckt und mutierte zum Öko-Unternehmer. „Unser Land braucht Energie für das wirtschaftliche Wachstum und saubere, grüne Energie ist die beste Lösung“, sagt er. Bei langfristig steigenden Ölpreisen, so prophezeit Tanti, „ist dies nur der Anfang.“

Mit dem Kauf des kanadischen Aluminiumherstellers Novelis hat sich der zur Birla-Gruppe gehörende Dosenhersteller Hindalco viel Zeit gespart. Wie Birla-Chef Kumar Mangalam Birla kürzlich zugab, etwa fünf Jahre. So lange hätte Hindalco gebraucht, um selbst eine ähnlich feine Technologie zu entwickeln. Es ist typisch für Unternehmen aus Schwellenländern, sich Know-how zu kaufen. Aber die Ungeduld ist auch typisch für K.M. Birla, den mit 39 Jahren jüngsten indischen Top-Manager.

Mit nur 28 Jahren, kurz nachdem er in London seinen MBA gemacht hatte, übernahm er von seinem Vater die Aditya Birla Gruppe (Mumbai). Eine schwere Aufgabe in einem Land, das nach wie vor stark an das Senioritätsprinzip glaubt. Doch K.M. Birla strafte alle Unkenrufe Lügen. Er erschloss dem Hersteller von Viskosefasern, Kupfer und Zement neue Geschäftsfelder wie IT, Versicherungen und Unterhaltung und machte das Unternehmen zu einem der größten Aluminiumproduzenten Asiens. Das World Economic Forum in Davos wählte Birla 2004 zum „Young Global Leader“.

Mit dem Kauf des niederländisch-britischen Stahlkonzerns Corus für 12,1 Mrd. Dollar wurde Tata Steel zum fünftgrößten Stahlhersteller weltweit. In einer wochenlangen Übernahmeschlacht überbot das Unternehmen aus Bombay seinen brasilianischen Konkurrenten Companhia Siderurgica Nacional. Zu einem solchen Deal sind nur wenige Unternehmer des Subkontinents in der Lage. Einer von ihnen ist Ratan Tata (67). Der Hobby-Pilot stammt aus einer Parsi-Familie, die ursprünglich aus dem Iran nach Indien einwanderte. Die Parsen sind Anhänger des persischen Religionsgründers Zarathustra und gelten in Indien als besonders ehrlich.

Unter der britischen Kolonialherrschaft kamen viele Parsen zu Vermögen, darunter auch der Gründer der Tata Gruppe, Jamshedji Nusserwanji Tata (1839 - 1904). Lange war das 137 Jahre alte Unternehmen mit seinen 93 verschiedenen Geschäftsfeldern – darunter Stahl, Motor, Tee, Hotels – ein ebenso konservativer wie erfolgreicher Gigant. Doch Ratan Tata erlag nicht der Versuchung, den Wirtschaftsreformen in Indien Widerstand zu leisten, sondern machte das Unternehmen durch Übernahmen im Ausland zum Global Player.

Er ist ein Selfmade-Mann wie er im Buche steht. Mit nur 20.000 Rupien (knapp 400 Euro), die er sich von seinem früheren Arbeitgeber geliehen hatte, startete Subash Menon 1992 sein Unternehmen Subex Systems, dessen Software heute unter Telekom-Unternehmen weltweit einen guten Namen hat. Es dauerte sieben Jahre, bis der Mann, der im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmern kein Familienvermögen im Rücken hatte, den Durchbruch als Geschäftsmann schaffte.

Dabei ist er überzeugt, dass ausschließlich Hartnäckigkeit ihn zum Erfolg führte. Eine Charaktereigenschaft, die er bei der Übernahme des kanadischen Konkurrenten Syndesis unter Beweis stellte. Befragt nach seinen Ambitionen antwortete Subash Menon einmal: „Ein großes Unternehmen schaffen und leiten.“ Dabei ist es ihm ziemlich gleichgültig, auf welche Weise er dieses Ziel erreicht.

„Ernsthafte Unternehmer entscheiden erst, dass sie ein Geschäft machen wollen und denken dann über das Produkt nach“, sagt der Ingenieur, der den ersten US-Präsidenten George Washington als sein Vorbild in Führungsfragen bezeichnet.