Eine Verstaatlichung wird den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) nicht so sehr stabilisieren, wie von der Bundesregierung erhofft. "Auch nach einer Übernahme durch den Staat wäre die HRE voraussichtlich auf zusätzliche Bundesbürgschaften angewiesen", sagte Stefan Best von der führenden Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Morgenpost Online.
In Regierungskreisen wird darauf spekuliert, dass die HRE als ähnlich zahlungskräftig eingestuft wird wie der Bund selbst, wenn der Staat oder der Rettungsfonds Soffin erst mehr als 90 Prozent an der Bank hält. Ausdruck dafür wäre eine Bonitätsnote nahe dem Bestwert von AAA. Ratingagenturen sehen dies jedoch als Illusion an: "Auch wenn der Staat die Hypo Real Estate übernimmt, wird die Bank nicht auf Ratingnoten von AAA oder AA kommen", sagt Best. Michael Dawson-Kropf vom drittgrößten Bonitätsprüfer Fitch sagte Morgenpost Online: "Eine zukünftige Eigentümerrolle des Soffin oder der Bundesrepublik Deutschland ist in der Note 'A-' von Fitch schon berücksichtigt."
Je besser die Bonitätsnoten einer Bank ausfallen, desto leichter bekommt sie Geld von Investoren und desto weniger Zinsen muss sie zahlen. Derzeit bekommt die HRE am Kapitalmarkt praktisch keinerlei Kredit mehr, weshalb der Bund seine Bürgschaften für die Bank bereits mehrfach auf inzwischen 87 Mrd. Euro erhöhen musste. In Berlin hofft man darauf, diesen Teufelskreis mit einer Übernahme der Bank durchbrechen zu können.
So einfach wird dies jedoch offensichtlich nicht werden. S&P verweist darauf, dass auch die verstaatlichte Northern Rock nur eine Note von A erreiche, eine Landesbank wie die WestLB sogar nur A minus. Höher wird die HRE, die derzeit zwei Noten darunter bei BBB liegt, auch nicht kommen. Ein Vergleich mit der Förderbank KfW, die tatsächlich direkt vom Bundesrating von AAA profitiert, sei nicht angebracht, sagt Best: "Bei der Förderbank besteht durch den öffentlichen Auftrag eine dauerhafte Verbindung zum Bund - bei der HRE bestünde sie ja ausdrücklich nur auf Zeit." Außerdem gebe es eine explizite Bundesgarantie für alle Verbindlichkeiten der KfW. Auch Fitch-Analyst Dawson-Kropf verweist darauf, dass sich der Staat erklärtermaßen aus der HRE später wieder zurückziehen wolle.
Mit diesen Noten müsste die Bank auch nach einer Verstaatlichung noch vergleichsweise hohe Zinsen zahlen. Deshalb halten die Ratingexperten weitere Bundesgarantien für notwendig. "Denn wenn diese Bank sich nicht ähnlich günstig refinanzieren kann wie der Staat, wird sie wohl dauerhaft Geld verlieren", sagt Best.
Die Bundesregierung verhandelt derzeit mit dem HRE-Großinvestor Christopher Flowers über einen Kauf von dessen 24-Prozent-Anteil. Flowers fordert einen Preis von knapp drei Euro pro Aktie. In Regierungskreisen wurde diese Summe als "völlig realitätsfern und nicht vermittelbar" zurückgewiesen. An der Börse waren die Anteile zuletzt nur noch etwa 1,30 Euro wert. "Es ist kein Angebot vorstellbar, das substanziell über dem aktuellen Börsenwert liegt", hieß es dazu aus der Regierung. Der Bund droht Flowers mit Enteignung.
Am Freitag brach der Kurs erneut um mehr als 20 Prozent ein, weil Gerüchte über einen noch weitaus höheren Finanzbedarf bei der HRE die Runde machten. Grund sind Absicherungsgeschäfte der Bank in einem Volumen von einer Billion Euro. Die HRE wies jedoch daraufhin, dass dies keinesfalls einen Finanzierungsbedarf in dieser Höhe bedeute.
Mit der Materie vertraute Personen bestätigten, dass die mit diesen Absicherungen verbundenen Risiken allenfalls einen Bruchteil der offiziellen Bilanzsumme von rund 400 Mrd. Euro ausmachen könnten. Solch Sicherungsgeschäfte sind bei allen Großbanken üblich und tauchen nie mit vollem Nominalwert in der Bilanz auf.



