Die Gewerkschaft Ver.di hat für den 25. Januar zu Protesten gegen die Schließung einer Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker im Berliner Bezirk Lichtenberg aufgerufen. „Wir vermuten, dass die Schließung im Zusammenhang mit dem umstrittenen Umbau des Unternehmens steht“, sagte Ver.di-Gewerkschaftssekretärin Susanne Feldkötter.
Nach Angaben der Gewerkschaft will Schlecker 4000 kleine Geschäfte schließen und dafür rund 1000 größere XL-Märkte aufmachen.
Den Mitarbeitern werde erst gekündigt und dann ein neuer Vertrag mit „Niedrigstlöhnen und Befristung“ über die hauseigene Zeitarbeitsfirma Meniar angeboten, sagte Feldkötter. Auch Betriebsräte seien bei der neuen Firma nicht zugelassen. „Wir fordern von Schlecker, dass Tariflohn gezahlt wird, Arbeitsverhältnisse nicht befristet bleiben und die Interessen der Beschäftigten durch gewählte Betriebsräte vertreten werden“, sagte die Gewerkschaftsvertreterin.
Der umstrittene Drogerie-Unternehmer Anton Schlecker hatte sich in einem Interview gegen die Vorwürfe des Lohn-Dumpings. Die mit seiner Drogeriekette verbandelte Zeitarbeitsfirma Meniar zahle „seit 2010 die zwischen den DGB-Gewerkschaften und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen ausgehandelten Tarife“, sagte Schlecker dem „manager magazin“.
Von den insgesamt 52.000 Schlecker-Beschäftigten habe nur „ein sehr geringer Anteil“ einen Vertrag mit Meniar. Mit Blick auf den Vorwurf der Gewerkschafter, Beschäftigten teils nur 6,50 Euro gezahlt zu haben, sagte er: „Wir haben diesen Betrag mal angedacht, aber davon ist jetzt keine Rede mehr“. Er kündigte an, den Vertrag mit Meniar zu lösen. Anton Schlecker hat die Zeitarbeitsfirma 2009 selbst gegründet.
Zugleich kündigte Schlecker eine Neuausrichtung an. „Wir haben nur kleinkarierte Sachen ausprobiert. Heute wissen wir, dass wir unser gesamtes Geschäftsmodell umwälzen müssen“, sagte er. Dazu soll es künftig mehr große Märkte geben und das Filialnetz ausgedünnt werden, damit sich die Geschäfte im bereits dicht besetzten deutschen Markt nicht kannibalisieren. Insgesamt würden „dieses Jahr etwa 500“ kleine Läden schließen.
Darüber hinaus räumte Schlecker den Angaben zufolge geschäftliche Probleme ein. „Seit 2004 verlieren wir in Deutschland an Umsatz“, sagte er. Viele Schwierigkeiten seien hausgemacht.
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