Der weltgrößte Anleihefonds steht kurz davor, zum größten Investmentfonds der gesamten Branchengeschichte zu werden.

Der Total Return Fund der Allianz-Tochter Pacific Investment Management Co. (Pimco) wird nach Ansicht der Fondsanalysegesellschaft Morningstar in diesem Monat voraussichtlich das Rekord-Anlagevolumen von 202,3 Milliarden Dollar (137 Milliarden Euro) übertreffen, das der Aktienfonds Growth Fund of America 2007 angesammelt hatte.

Viele Investoren verpassten die Börsenrallye 2009 und bevorzugen in der Rezession die Sicherheit von Festverzinslichen. Von Januar bis Oktober haben Anleger per Saldo 297 Milliarden Dollar in Anleihefonds gesteckt. Die Netto-Mittelzuflüsse in Aktienfonds erreichten nach Angaben von Morningstar nur zwölf Milliarden Dollar.

Der Total Return Fund, den Fondsmanager Bill Gross seit Auflegung 1987 betreut, hatte Ende November ein Anlagevolumen von 199 Milliarden Dollar, der Growth Fund of America kam nur noch auf 153 Milliarden.

Für Anleger ist der weltgrößte Anleihefonds besonders attraktiv, denn seit seinem Start brachte er im Mittel einen Jahresertrag von 8,5 Prozent ein, bei reinvestierten Zinserträgen. Demgegenüber zeigte der Branchenindex Barcap U.S. Aggregate Total Return nur ein Plus von 7,4 Prozent.

"Vergangenes Jahr sind viele Fonds unter die Räder gekommen, doch der größte von ihnen hat sich gut entwickelt", sagt Russel Kinnel, Direktor Investmentfonds-Analyse bei Morningstar.

Während das US-Börsenbarometer Standard & Poor's 2008 um 37 Prozent nachgab, ermöglichte Fondsmanager Gross den Anlegern mit seinem Fonds einen Ertrag von 4,8 Prozent. In diesem Jahr liegt das Plus bislang sogar bei 14 Prozent.

Im Anleihesegment entwickelten sich in den vergangenen zehn Jahren nur vier Fonds besser als der Total Return Funds, der für diesen Zeitraum auf eine mittlere Rendite von 7,7 Prozent kommt. Alle sind deutlich kleiner.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte der Pimco Total Return Fund ein Anlagevolumen von erst 28 Mrd. Dollar. Während Gross anfangs auf einzelne Bonds setzte, ging er mit zunehmender Größe auf die Auswahl einzelner Kategorien, wie Hypotheken, Unternehmensanleihen und Staatspapiere über, erinnert sich Morningstar-Analyst Eric Jacobson: "Es ist selten, dass jemand auf einem solchen Niveau besteht."

Der Fonds hat fünf Sterne von Morningstar – die höchstmögliche Anzahl. Gross setzt überwiegend auf Qualitätsanleihen und meidet risikoreiche Hochzinspapiere weitgehend. Im Portfolio des Fonds liegt das mittlere Bonitätsrating bei "AA", der dritthöchsten Note auf der Skala der Ratingagentur S&P. Ramschanleihen haben nur einen Anteil von vier Prozent.

Ob die enorme Größe des Fonds ein Hindernis für die Performance darstellt, darüber streiten die Experten. Viele Positionen des Fonds dürften zu klein sein, um einen deutlichen Einfluss auf die Performance zu haben, sagt Stratege T. J. Marta vom Analysehaus Marta On The Markets. Jeff Tjornehoj vom Fondsbeobachter Lipper bestreitet dies.

Der globale Anleihemarkt sei groß und liquide genug, um einen 200 Milliarden Dollar schweren Fonds zu beherbergen. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Größe die Auswahl an Investmentmöglichkeiten oder die Erträge mindere.

Dieser Ansicht ist auch Bill Gross. Wenn der Fonds sich mehrere Jahre unterdurchschnittlich entwickelt hätte, wäre es ein ernstes Thema, erklärte der 65-Jährige.

"In 20 Jahren war das aber nie der Fall." Im Gegenteil: Die Größe biete auch Vorteile, so habe der Fonds besseren Zugang zu den Anleiheemittenten und könne an einer größeren Zahl attraktiver Neuemissionen teilnehmen.

(Bloomberg)