Das Jahr 2010 wird nach Ansicht von DGB-Chef Michael Sommer zur Nagelprobe für den Sozialstaat. In diesem Jahr habe die Politik „vernünftig reagiert“, sagte Sommer der „Mittelbayerischen Zeitung“. Die Politik habe „erkannt, dass wir eine sozial kontrollierte und regulierte Marktwirtschaft brauchen“. Allerdings sei man über die Erkenntnis nicht hinausgekommen.
Der DGB-Chef forderte von der Politik Nachbesserungen, weil seiner Meinung nach die Krise 2010 auf den Arbeitsmarkt durchschlagen werde. „Wir müssen Brücken über einen Krisenstrom bauen, dessen Breite wir nicht kennen“, sagte Sommer. Dringend erforderlich sei, die Konjunkturprogramme durch weitere Zukunftsinvestitionen zu verstetigen.
Die drohende Arbeitslosigkeit schätzt Sommer somit anders ein als beispielsweise Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, der in der „Bild“-Zeitung sogar von einem „kleinen Wunder“ am Arbeitsmarkt sprach. Laut dem Ifo-Institut dürfte die Zahl der Arbeitslosen nach 3,2 Millionen 2009 (Arbeitsagentur) im Jahr 2010 lediglich auf 3,6 Millionen Menschen steigen. In früheren Prognosen waren Ökonomen noch von 4,5 bis fünf Millionen Arbeitslosen ausgegangen.
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, erwartet im neuen Jahr trotz der Wirtschaftskrise ebenfalls nur einen moderaten Anstieg der Arbeitslosenzahl in Deutschland. Sie werde im Jahresdurchschnitt voraussichtlich bei 4,1 bis 4,2 Millionen liegen, sagte Weise.
Weise sagte mit Blick auf pessimistischere Prognosen vieler Experten vor einem halben Jahr: „Die Katastrophe bleibt also aus.“ Allerdings bleibe die Lage angespannt. Denn eine Trendwende sei im Jahr 2010 trotz der ersten positiven Einschätzungen zur Wirtschaftsentwicklung „nicht abzusehen“.
Weise betonte: „Manche Unternehmen werden nach vielen Monaten der Kurzarbeit entlassen müssen, insbesondere in den Hochrisikobranchen, die sehr stark auf den Export angewiesen sind.“ Die Bundesagentur erwarte für 2010 „nur noch etwa 600.000 Kurzarbeiter im Schnitt, also halb so viel wie 2009“.
Nach Ansicht von Weise ist bei der Arbeitsmarktentwicklung mit großen Unterschieden zwischen Ost und West zu rechnen. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit werde vermutlich stärker die alten Bundesländer treffen. Dort seien jene Branchen vertreten, die von der Krise am härtesten getroffen wurden wie der Automobilsektor und der Maschinenbau.
Allerdings sei die Lage am Arbeitsmarkt in Ostdeutschland schon vor der Krise angespannt gewesen - und könne „sich jetzt eben auch nicht wirklich verbessern“.
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist in seiner Prognose für den Arbeitsmarkt 2010 noch etwas zuversichtlicher als Weise. Der neue ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke ging in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt vier Millionen nicht erreichen wird.
Das Handwerk stehe Ende 2009 wesentlich besser da als andere Wirtschaftsbereiche. Die meisten Handwerksbranchen hätten ihr Niveau halten können. „Dabei wird es meines Erachtens auch 2010 bleiben“, betonte Schwannecke. Allerdings hätten die Betriebe in diesem Jahr bis zu 60.000 Beschäftigte verloren, räumte Schwannecke ein.
„Während in den meisten anderen Ländern Katastrophenstimmung herrscht, trotzt unser Arbeitsmarkt der Krise“, sagte Ifo-Chef Sinn der „Bild“-Zeitung weiter. Er sieht die Ausweitung der Kurzarbeit als maßgeblich für die positive Entwicklung an.
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