Im Ringen um einen Rettungsplan prüft Opel einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf seines Werkes in Eisenach. Als möglicher Käufer sei Daimler im Gespräch, berichtete die „Financial Times Deutschland“. Erste Kontakte zwischen den Unternehmen habe es schon gegeben. Daimler hatte dagegen bereits erklärt, auch an einer Übernahme von Opel-Teilen kein Interesse zu haben.

Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum ist dem Bericht zufolge ungewiss. „Bochum ist das größte Problem“, zitiert das Blatt aus Kreisen der Bundesregierung. Demnach könnten die Werke Rüsselsheim und Kaiserslautern dagegen als Teil eines neuen europäischen Opel-Konzerns erhalten bleiben, die deutsche Fahrzeugproduktion würde damit in Rüsselsheim konzentriert. Dieses Konzept habe sich in den vergangenen Tagen in Gesprächen mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM), Opel selbst und anderen deutschen Herstellern herauskristallisiert. Opel wollte den Bericht nicht kommentieren.

Das Management will an diesem Freitag den Arbeitnehmervertretern in einer Aufsichtsratssitzung ein Zukunftskonzept für das Traditionsunternehmen vorstellen. Von diesem Plan macht die Bundesregierung eine etwaige Unterstützung abhängig. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) will darüber bereits am Samstag Gespräche mit den Regierungschefs der Bundesländer führen, in denen Opel Standorte betreibt.

Nach Informationen aus Konzernkreisen benötigt der Autobauer zum Überleben mehr als drei Milliarden Euro, einen großen Teil davon aus Bürgschaften von Bund und Ländern. Der Betriebsrat fordert eine teilweise Herauslösung von Opel aus dem schwer angeschlagenen Mutterkonzern GM. Beschäftigte und Opel-Händler sind bereit, sich an einer Rettung des Unternehmens zu beteiligen.

Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge steht Opel vor einer Hürde, die eine Herauslösung aus dem Mutterkonzern nach bisherigem Stand unmöglich mache. So halte Opel nicht mehr die Patente oder Rechte an den Fahrzeugentwicklungen des Forschungszentrums in Rüsselsheim. Diese seien vor vier Jahren an eine GM-Gesellschaft abgetreten worden.

Diese Vereinbarung führe dazu, dass Opel sein Entwicklungsbudget nicht mehr selbst aufstellen und verdienen könne. Ohne Rückkauf oder Rückübertragung der Rechte sei eine eigenständige Produktion von Opel nicht möglich, berichtet die Zeitung.

Politik streitet um staatliche Hilfen

Zwar liegt offiziell noch kein Konzept zur Opel-Rettung vor, doch Politiker und Verbände streiten bereits über mögliche Staatshilfen. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller will einen Einstieg des Staates bei Opel nur unter strengen Bedingungen. „Eine Beteiligung des Staates in Fällen wie bei Opel ist nur als ultima ratio und bei guter Zukunftsprognose denkbar“, sagte der CDU-Politiker dem „Handelsblatt“. „Sie sollte zeitlich befristet sein. Zudem muss die Rückführung des zur Verfügung gestellten Kapitals mit marktüblichen Zinsen sichergestellt sein.“

Der Präsident des CDU-Wirtschaftsrates Kurt Lauk lehnt eine staatliche Beteiligung dagegen ab: Beteiligungen dürfe es nicht geben, denkbar seien allenfalls Bürgschaften, Kredite oder Subventionen „gestaffelt, zeitlich befristet und möglichst rückzahlbar, wenn es realistische Zukunftschancen gibt“.

Der Kandidat der Linkspartei für das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten, Bodo Ramelow, sprach sich in der „Berliner Zeitung“ für eine befristete Übernahme Opels durch mehrere EU-Staaten aus. Belgien, Spanien und Deutschland sowie die vier Bundesländer mit Opel-Standorten sollten „Anteilseigner einer neuen Opel-AG werden“. Am Ende müsse sich der Staat aber wieder aus dem Unternehmen zurückziehen.

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält Staatshilfen nur unter bestimmten Bedingungen für möglich. „Es kann nicht darum gehen, aus Opel VW zu machen“, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser der „Passauer Neuen Presse“. Zur Abfederung müsse die Politik tätig werden. „Sie kann das Problem nicht sich selbst überlassen, sondern muss die Chance für eine weiche Landung schaffen helfen – durch Bürgschaften und neben einem überzeugenden Unternehmenskonzept durch Mithaftung der Eigentümer.“

In normalen Zeiten könne es der Markt bewältigen, wenn Unternehmen in Schwierigkeiten gerieten. Aber in einer Lage wie der momentanen werde es schwierig, die sozialen Auswirkungen abzufedern. „Und deshalb kann es nicht nach der reinen Lehre gehen, ohne damit politischer Beliebigkeit das Wort zu reden“, sagte Kannegiesser. Grundsätzlich jedoch gehe die Welt nicht unter, wenn ein Autohersteller verschwinde.

Reuters/AP/dma