Nun ging es doch schnell: Der Aufsichtsrat hat kaum drei Tage nach dem Rücktritt von Klaus Zumwinkel dessen Ziehsohn Frank Appel zum Vorstandschef berufen. „Der Aufsichtsrat dankt Herrn Dr. Zumwinkel für die erfolgreiche unternehmerische Führung des Konzerns in den vergangenen 18 Jahren und für die hervorragende Leistung beim Aufbau des weltweit größten Logistikkonzerns“, heiß es. Appel erhält einen Vertrag bis zum 31. Oktober 2012.
Der 46-Jährige übernimmt kein leichtes Amt: Mehrere Herausforderungen muss er anpacken. Appel zeigte sich am Montagabend in Bonn sogleich kämpferisch. Er werde „rasch und konsequent Hand lungsschwerpunkte setzen“ – „aus dem größten Anbieter im globalen Markt machen wir den besten“.
Die Steueraffäre von Zumwinkel hat den Generationswechsel bei der Post beschleunigt. Zumwinkel hatte den Manager in den vergangenen Jahren systematisch als künftigen Postchef aufgebaut. Im Aufsichtsrat hatte die Arbeitnehmerseite auf eine schnelle Nachfolgelösung gedrängt. „Wir sind für Appel. Er kennt das Unternehmen, er ist weltoffen, aber hat auch einen nationalen Blickwinkel“, sagte ein wichtiger Arbeitnehmervertreter vor der Sitzung des Kontrollgremiums. Ein ehemaliger Aufsichtsrat nennt den wohl entscheidenden Punkt: „Appel besitzt die notwendige soziale Kompetenz im Umgang mit den Mitarbeitern“, sagte Rolf Büttner, früherer Ver.di-Vorstand und jetzt Präsident der Transportgewerkschaft UNI. Anders ausgedrückt: Mit einem externen Post-Chef hätte die Belegschaft womöglich weitaus härtete Konflikte auszutragen als mit Appel.
Die Unterschiede zwischen Appel und seinem Förderer Zumwinkel sind groß. Zumwinkel geht einmal im Jahr mit Managern wandern, die Gruppe nennt sich nach dem Bergmassiv die „Similauner“. In der Wirtschaft wie auch in der Politik gilt er als perfekt vernetzt. Appel dagegen ist kein Bergsteiger, ebenso wenig Netzwerker wie Zumwinkel. Wenn der 46-jährige Manager den Kopf frei kriegen will, setzt sich er sich auf sein Mountainbike und fährt durch das Siebengebirge. Der gebürtige Hamburger gilt als brillanter analytischer Kopf und hat mit Statussymbolen wenig im Sinn. Aus seiner Anfangszeit bei der Post wird diese Episode erzählt: Ein Pförtner weigerte sich, Appel auf den Vorstandsparkplatz vorfahren zu lassen. Er hielt den Volvo-Kombi für wenig standesgemäß neben Modellen der S-Klasse von Mercedes oder der 7-er-Reihe von BMW der anderen Vorstände.
Promotion in Neurobiologie
Nach dem Chemiestudium in Hamburg und der Promotion in Neurobiologie in Zürich begann Appel seine Managerkarriere bei der Unternehmensberatung McKinsey. Wenig später rückte er 1999 in die Unternehmensführung von McKinsey in Deutschland auf, wurde dann aber von Zumwinkel abgeworben. Bei der Post startete Appel als Zentralbereichsleiter für die Konzernentwicklung. Zwei Jahre später wurde er Post-Vorstand. Seither bekleidete er verschiedene Vorstandsressorts, darunter Querschnittsbereiche wie Einkauf und Informationstechnologie. Zuletzt führte er die Logistiksparte, den mit 25 Mrd. Euro Umsatz größten Geschäftsbereich der Post. Appel gilt nach Zumwinkel als bester Kenner des globalen Konzerns – und dessen größter Probleme.
Nun muss er beweisen, dass die Post mit ihren für 15 Mrd. Euro zugekauften Firmen die richtige Struktur hat – oder ob eine Zerschlagung nicht besser für den Konzern wäre. Bei der Postbank ist schon eine Entscheidung gefallen. Die Post sucht derzeit Käufer oder Partner für ihre Bank. Der Anteil von 50,1 Prozent an den Postbank-Aktien steht zum Verkauf.
Im Unterschied zu Zumwinkel hat Post-Vorstand Appel die Probleme des Unternehmens offen benannt. Vor den 250 wichtigsten Führungskräften machte er Ende Januar in Berlin eine Aussage, die durchaus als Drohung gemeint war: „Unser Unternehmen wird zerschlagen, wenn wir nicht zusammenarbeiten.“ Jeder einzelne Manager solle den Egoismus überwinden und bei Aufträgen an den Gesamtkonzern statt nur an die eigene Geschäftseinheit denken.
Das trifft den Kern der Kritik vieler Bankanalysten. Sie monieren, dass die Post nicht genug Geld verdient. Die Renditen der wichtigsten Konkurrenten wie UPS oder Fedex sind doppelt so hoch und höher. Das liegt auch daran, dass diese Unternehmen sich nicht solche Flops leisten wie die Post: Zum Beispiel sind die Bonner vor fünf Jahren in den USA angetreten, um UPS und Fedex das Fürchten zu lehren. Außer Milliardenverlusten ist daraus bislang nichts geworden. Die USA sind denn auch die größte Baustelle, um die sich der Zumwinkel-Nachfolger kümmern muss.




