Bei der Infineon-Tochter Qimonda herrscht Existenzangst. Wenn nicht bald ein Investor gefunden werde, drohe dem Speicherchiphersteller das Ende, heißt es bei Belegschaftsvertretern. „Die Lage ist dramatisch“, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrats von Infineon Morgenpost Online. Der Halbleiterkonzern hält 77,5 Prozent an Qimonda, möchte sich von der kriselnden Tochter jedoch schnellstmöglich trennen.

Qimonda leidet unter den stark gefallenen Preisen für Speicherchips. Die Verkaufspreise liegen teilweise deutlich unter den Herstellungskosten. Das Unternehmen, das weltweit noch 12.000 Menschen beschäftigt, machte zuletzt mehr Verlust als Umsatz. Allein in den ersten neun Monaten dieses Geschäftsjahres verzeichnete der Konzern ein Minus von 1,5 Mrd. Euro. Nun droht Qimonda das Geld auszugehen. „Es ist keine Frage von Tagen, aber von Wochen oder Monaten“, heißt es im Konzernumfeld. Bis spätestens Anfang des Jahres brauche Qimonda einen Investor, der neues Geld bereitstelle, ansonsten drohe die Insolvenz.

Arbeitnehmervertreter schlagen nun auch öffentlich Alarm. Man habe einen Brief an die sächsische Landesregierung geschrieben und um Hilfe gebeten, sagte ein Betriebsratsmitglied am Dresdner Standort. „Wir werden das uns zur Verfügung stehende Instrumentarium nutzen“, hieß es aus dem sächsischen Wirtschaftsministerium. Einzelheiten wollte ein Sprecher nicht nennen.

„Die Situation ist ernst“, sagte auch ein Qimonda-Sprecher. Konkrete Aussagen, wie viel Zeit dem Konzern noch bleibt, wollte er allerdings nicht machen. Er verwies darauf, dass Qimonda durch den Verkauf einer Tochter rund 300 Mio. Euro vom US-Konkurrenten Micron erhalten habe. Zudem habe das Unternehmen seine Kapazitäten verringert und verhandele momentan über einen Stellenabbau. Vor einem Monat hatte Qimonda angekündigt, weltweit nochmals 3000 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Die Hälfte davon entfällt auf Deutschland. Alleine in Dresden sollen mehr als 900 Stellen wegfallen, weitere 600 in der Zentrale in München. Insgesamt beschäftigt Qimonda in Deutschland knapp 5000 Menschen.

Der Chef des Mutterkonzerns Infineon, Peter Bauer, gibt sich indes weiter optimistisch. „Wir glauben, es gibt eine Lösung für Qimonda“, sagte er. Die Chancen, die Verhandlungen für Qimonda abzuschließen, stünden gut. Zur Anzahl der Interessenten wollte sich Bauer nicht äußern. Zuletzt hatte er von zwei bis vier möglichen Käufern berichtet. Am aussichtsreichsten seien die Gespräche mit dem Konkurrenten Micron, hieß es aus dem Aufsichtsrat von Infineon. Allerdings leidet der US-Konzern ebenfalls unter der Branchenkrise und muss deshalb sparen. Die Verhandlungen ziehen sich bereits über Monate hin.

Infineon-Chef Bauer schloss finanzielle Hilfen für die Speicherchiptochter aus. „Aus unserem Cash heraus werden wir Qimonda nicht finanzieren“, betonte er. Auch eine Bürgschaft werde es nicht geben. Der Münchener Halbleiterkonzern steckt selbst tief in den roten Zahlen. Bei Infineon wird betont, dass Qimonda seit der Ausgliederung im Frühjahr 2006 ein eigenständiges Unternehmen sei. Man helfe, indem man nach einem Käufer suche, der das Geschäft von Qimonda weiterführe.

dpa/oht