Um neue Produktideen waren die Emittenten am Zertifikatemarkt bekanntlich noch nie verlegen. Oftmals handelte es sich dabei aber um komplexe, für den Anleger nur schwer verständliche Strukturen. Im Zuge der Finanzmarktkrise geht der Trend nun wieder zu einfachen Zertifikate-Klassikern. Dazu zählen auch die sogenannten Sprint-Zertifikate, die zuletzt sträflich vernachlässigt wurden. Doch das könnte sich wieder ändern. Denn BNP Paribas bringt mit einer neuen, spannenderen Variante jetzt neue Bewegung in den Markt.

Die grundlegende Funktionsweise der seit einigen Wochen angebotenen „Vierfach-Sprinter“ weicht von der ursprünglichen Idee normaler Sprint-Zertifikate nur in einem Punkt ab: Die überproportionale Partizipation innerhalb einer bestimmten Kursspanne beschert Anlegern hier nicht nur eine Verdoppelung, sondern eine Vervierfachung. Als Gegenleistung muss – wie gehabt – nach oben mit einer Gewinnbeschränkung in Form eines maximalen Auszahlungsbetrags vorlieb genommen werden. Damit ähneln die Sprinter (egal, ob normale oder vierfache) dem Prinzip der Discounter. Nur dass es eben statt eines Kursabschlags beim Einkauf eine Hebelfunktion gibt, wodurch sich auch die etwas risikofreudigeren Investoren angesprochen fühlen dürfen.

Über die Markteinschätzung potenzieller Anleger sagt das Produktprofil aber erst einmal nichts aus, obwohl Sprinter im Allgemeinen in die Schublade von Outperformance-Zertifikaten gesteckt werden. Das ist aber nur bedingt sinnvoll, denn mittlerweile gibt es auch durchaus defensive Sprint-Zertifikate, die mit einem ordentlichen Risikopuffer ausgestattet sind und dementsprechend auch bei moderat fallenden Kursen die maximale Rendite generieren können.

Ein solcher Defensivkünstler ist beispielsweise der von der BNP Paribas im Dezember emittierte Vierfach-Sprinter auf den Dax, der bei Fälligkeit Ende 2009 einen Gewinn von 17 Prozent ermöglicht, wenn der deutsche Leitindex am Bewertungstag Mitte Dezember mindestens bei 3600 Punkten steht. Damit ist gegenüber dem aktuellen Indexstand noch einmal ein Rückgang von rund 15 Prozent möglich, ohne dass die Maximalrendite dadurch gefährdet würde. Zur korrekten Berechnung des Auszahlungsbetrags am Laufzeitende ist die Sprint-Strecke zwischen 3000 und 3600 Punkten (dem Cap) von entscheidender Bedeutung. Bis zum Basispreis von 3000 Punkten entspricht der Kurs des Sprinters genau 1/100 des Indexstands. Bei einem Indexstand von 2700 Punkten werden damit also 27 Euro zurückgezahlt, bei 3000 Punkten gibt es 30 Euro.

Jeder Punkt, den der Dax am Ende oberhalb von 3000 Punkten notiert, führt bei dem Zertifikat durch die Vierfach-Partizipation zu einem Plus von vier Cent. Bei einem Stand von 3100 Punkten (100 Punkte über dem Basispreis) werden demnach 34 Euro (30 plus vier) fällig, bei 3200 Punkten sind es 38 Euro (30 plus acht) und bei 3600 Punkten oder mehr kommt es zur Auszahlung des Höchstbetrags von 54 Euro (30 plus 24). Mehr ist aufgrund der Gewinnkappung allerdings nicht drin, selbst wenn der Dax sich bis Jahresende verdoppeln sollte (WKN: BN2P9E). Im Vergleich zu Discount-Zertifikaten mit gleichem Cap bringt der Vierfach-Sprinter bei ähnlicher Laufzeit eine um rund vier Prozent höhere Renditechance. Dafür drohen bei einem Dax-Crash aber auch Verluste, die deutlich größer als beim Discounter und auch etwas größer als beim Index selbst sind. Schließt der Dax am Bewertungstag zum Beispiel bei 2500 Punkten, führt dieses Indexminus von gut 40 Prozent bei dem Sprinter zu einem Verlust von gut 45 Prozent, während beim Discounter nur ein Minus von rund 21 Prozent anfällt. Die größere Gewinnchance muss also mit einem höheren Verlustrisiko bezahlt werden.

Anleger, die das in Kauf nehmen, können bei entsprechender Markteinschätzung auch etwas offensiver agieren. Ein klassischer Dax-Sprinter der Citigroup mit Verdoppelungs-Mechanismus zwischen 3500 und 4000 Punkten bietet bis Dezember dieses Jahres bei einem moderaten Risikopuffer eine Gewinnchance von gut 20 Prozent. Verluste drohen erst bei einem Dax-Stand von unter rund 3690 Punkten. Im Gegensatz zu dem Vierfach-Sprinter fallen die Minuszeichen hier immer geringer aus als beim Index. Fällt dieser zum Beispiel um 20 Prozent auf 3270 Punkte, erleiden Investoren mit dem Sprinter nur einen Verlust von gut zwölf Prozent (WKN: CG1VUU).

Fazit: Sprint-Zertifikate dürften sich in den kommenden Monaten als renditestarke Alternative zu Discountern etablieren. Die einfache und leicht verständliche Struktur passt ins aktuelle Marktumfeld. Galten Sprinter lange Zeit als reine „Bullen-Produkte“, gibt es mittlerweile auch defensive Zertifikate mit Risikopuffer und dennoch reizvollen Renditechancen. So können Anleger auch in tristen Börsenphasen Geld verdienen.