Einen Ort mit Musikgeschichte hatte sich der finnische Weltmarktführer Nokia für die Präsentation seines ersten Handys mit berührungsempfindlichen Bildschirm und der Musikflatrate „Comes with Music“ ausgesucht. Auf der Bühne des Theaters Koko in London-Camden standen schon Weltstars wie Madonna, Prince und The Clash auf der Bühne.

Nun traten dort stattdessen aber Nokia-Musikhandychefin Jo Harlow und Nokia-Entertainmentchef Tero Ojanperä auf, die beide versuchten, Apple-Chef Steve Jobs und seine legendären Produktpräsentationen zu kopieren. Das misslang gründlich, vor allem, weil schlechte Witze nicht gerade lustiger werden, wenn man sie von einem Zettel abliest.


Auch wenn der Unterhaltungswert nicht mit dem Konkurrenten Jobs mithalten kann, startet Nokia jetzt zumindest inhaltlich zum Frontalangriff auf Apple und dessen beliebtes iPhone. Erstmals und damit ziemlich spät bringt der Handyhersteller Nokia ein eigenes Handy ohne Tastatur und mit einem Tochscreenbildschirm.


Das 5800 Xpressmusic ist ein Unterhaltungshandy und richtet sich vor allem an die jüngere Zielgruppe. Die soll damit im Internet surfen, Musik herunterladen und hören, Videos drehen und sich mit dem eingebauten Navigationsgerät durch Städte führen lassen. Die Bedienung zumindest ist einfach. Als unverbindliche Preisempfehlung rät Nokia für das Acht-Gigabyte-Gerät zu 279 Euro plus Mehrwertsteuer. Das wären damit in Deutschland 332 Euro. Zum Vergleich: Das iPhone kostet ohne Vertragsbindung 569,95 Euro.


Auf den Markt soll das 5800 in Deutschland erst im ersten Quartal 2009 kommen. Damit verpasst Nokia das lukrative Weihnachtsgeschäft. Viele Menschen werden sich vermutlich noch wünschen, dass es nie in die Läden gekommen wäre. Das 5800 hat nämlich – wie Musikchefin Harlow stolz erklärte – die lautesten Lautsprecher auf dem Handyweltmarkt. Künftig können die Kids Busse und Bahnen also noch dröhnender mit ihren Lieblingsliedern beschallen.

Auch das Streit-Potential des Geräts ist groß: Als eine der Grundeinstellungen muss man sich für vier Freunde entscheiden, die mit Bild auf dem Startbildschirm auftauchen. Deren gesammelte Sms und sonstige Daten kann man dann mit einem Klick aufrufen. Schöne Idee, könnte aber Knatsch geben mit denen, die nicht zu den vier wichtigsten Freunden gehören.

Weniger konfliktreich ist da die neue Flatrate „Comes with Music“, zu der Nokia heute erstmals konkrete Details verriet. Wer ein Comes-with-Music-Handy kauft, soll ein Jahr lang so viele Lieder herunterladen können, wie er will. Über fünf Millionen Lieder der vier größten Musikkonzerne EMI, Warner Music, Sony BMG und Universal Music sowie einiger Independent Labels stehen zur Verfügung.

Nach einem Jahr können die Kunden alle Lieder auf ihrem Handy und ihrem PC behalten. „Comes with music“ wird in Deutschland ebenfalls erst nach Weihnachten zu erhalten sein. Die Flatrate soll es für das neue 5800 sowie für das 5310 und das N95 geben.

In Großbritannien kommt die Flatrate am 16. Oktober mit dem 5310 für 129,95 Pfund auf den Markt. Zunächst soll es das Angebot allerdings nur bei dem Mobilfunkanbieter Carphone Warehouse geben. Mit anderen großen Betreibern wie T-Mobile, Vodafone, Orange oder O2 steht Nokia noch in Verhandlungen. Die sind dem Vernehmen nach nicht so begeistert, da sie lieber mit ihren eigenen Musikdiensten Geld verdienen wollen.

Neue Angebote müssen her

Nokia hat die neuen Angebote dringend nötig. Zwar ist der finnische Konzern mit über 50 Milliarden Euro Jahresumsatz und fast 40 Prozent Marktanteil mit Abstand größter Handyhersteller der Welt. Aber Marktanteil und Margen schwinden.

Vor allem bei günstigen Einstiegshandys ist kaum noch Geld zu verdienen. Apple hat den Finnen dagegen vorgemacht, wie man mit einem exorbitant teuren Gerät die Massen begeistern kann.

Allein in diesem Jahr will Apple zehn Millionen iPhones verkaufen. Ob Nokia dank des günstigen Preises an diese Massen herankommen wird, muss sich noch zeigen. Wie bei vielen anderen Innovationen zuvor ist Nokia jedenfalls recht spät dran. Neben Apple haben in den vergangenen Monaten auch Samsung, LG, Sony Ericsson und kürzlich auch T-Mobile und Google Touchscreen-Handys vorgestellt.

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