Mit 189.400 Autos wurden im Januar 2009 14 Prozent weniger Neuwagen verkauft als Anfang 2008, wie der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Dienstag mitteilten. Die Auftragseingänge aus dem Inland lagen um 13 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Damit habe sich Deutschland wohl noch besser geschlagen als andere Märkte in Europa, schätzt der VDA. Der US-Autobauer Chrysler meldete für den Januar ein Absatzminus von 35 Prozent auf seinem Heimatmarkt.

IIm Vergleich zum Dezember 2008 sank die Zahl der Neuzulassungen deutlich um 16,2 Prozent, berichtete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg. In einem insgesamt schrumpfenden Markt verbuchte das Segment Kleinstwagen (Smart, Fiat 500 etc.) einen Zuwachs von fast 34 Prozent. Das Segment Kleinwagen (VW Polo, Opel Corsa etc.) legte um ein Prozent zu. Die Oberklasse (Mercedes E-Klasse, BMW 5er u.ä.) verlor dagegen um 48 Prozent. Dieser Trend zum kleineren Auto nutzt den deutschen Herstellern nur teilweise: BMW, Audi, Porsche und Mercedes sind in den höheren Autoklassen stärker vertreten als bei Kleinwagen. Den Nutzen hat die Umwelt: Jede zehnte Neuzulassung lag bei den Abgaswerten unter 120 Gramm CO2 pro Kilometer.

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroen hat seine Absatzprognose für dieses Jahr um 12.000 auf 108.000 Fahrzeuge nach oben geschraubt. Das wäre ein Plus von 14 Prozent. „Es ist schon jetzt offensichtlich: Die Umweltprämie zeigt Wirkung. Die Stimmung bei den Peugeot-Händlern ist derzeit so gut wie schon lange nicht mehr“, sagte Deutschland-Chef Olivier Dardart in Frankfurt. Im Januar hätten sie beim größten Kleinwagen-Importeur Deutschlands 80 Prozent mehr Autos bestellt als ein Jahr zuvor.

Die Verbände sehen jedoch Licht am Ende des Tunnels: Nach Einführung der Abwrackprämie am 27. Januar und der Einigung zur Kfz-Steuerreform seien die Neuzulassungszahlen deutlich gestiegen. Die Aufträge legten nach Angaben des VDA Ende Januar in einer Größenordnung von 16 Prozent im Jahresvergleich zu. Das sei der erste Anstieg seit September 2008, dies gebe Grund zur Hoffnung für den Inlandsmarkt. Auch die Auftragsbestände entwickelten sich laut VDA nach den dramatischen Rückgängen im vierten Quartal 2008 mit einem Zuwachs um 19 Prozent im Vergleich zum Dezember wieder positiver. Sie erreichten in etwa das Vorjahresniveau.

VDA-Präsident Matthias Wissmann sagte am Dienstag: „Vor allem dank der nun langfristigen Planungssicherheit beim Autokauf wächst die Bereitschaft, sich ein neues Fahrzeug zuzulegen. Dies sind erste ermutigende Signale; sie lassen auf eine Stabilisierung des immer noch schwierigen Inlandsmarktes hoffen.“ Zudem hofft Wissmann, dass die zusätzlichen Marketingmaßnahmen der Hersteller einen weiteren Schub auslösen werden.

Bundesweit könnten mindestens 100.000 Neuwagen mehr verkauft werden als im Vorjahr und damit die Marke von drei Millionen Neuzulassungen geknackt werden. Optimisten rechnen sogar mit 300.000 zusätzlich verkauften Autos.

Volkswagen registriert nach eigenen Angaben seit zwei Wochen 15 bis 20 Prozent mehr Kundschaft bei den Händlern. Die Kunden schauten sich vor allem nach Klein- und Kompaktwagen um. Sogar beim Oberklasse-Hersteller Daimler, dessen Absatz im Januar um 30 Prozent einbrach, ist wieder mehr los. „Wir haben unsere Marketingmaßnahmen darauf ausgerichtet“, hieß es beim Deutschland-Vertrieb von Mercedes-Benz. Bis Ende März legt der Konzern für bereits auf dem Hof stehende Neuwagen 2500 Euro auf den Restwert des Altautos drauf, bei Smart kommen zur staatlichen Prämie 1100 Euro „Umweltbonus“. Der VDA-Chef sagte, viele Hersteller unterstützten den Aufwärtstrend mit Rabatten.

Trotz der positiven Zeichen zum Monatsende prägen die globale Rezession und die damit verbundene Verunsicherung potenzieller Käufer weiterhin das weltweite Absatzgeschehen. So unterschritten die Bestellungen aus dem Ausland das Ordervolumen vom Januar 2008 um 37 Prozent. „Die Exporte von Personenkraftwagen entwickelten sich dementsprechend auf den meisten Auslandmärkten, wie bereits in den letzten Monaten, unbefriedigend“, sagte der VDA.

Mit 222.700 Autos setzten die deutschen Hersteller 39 Prozent weniger Fahrzeuge im Ausland ab als vor einem Jahr. „2009 wird ein schwieriges Exportjahr, auch wenn wir weltweit Marktanteile gewinnen“, sagte Wissmann.

Die deutschen Autobauer hatten bereits im November und Dezember 2008 auf die internationale Absatzschwäche reagiert und begonnen, ihre Produktion zu senken. Im Januar liefen mit 314.000 Autos 34 Prozent weniger in deutschen Werken vom Band als vor einem Jahr.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen sagte, die Autoindustrie in Europa habe eine Überkapazität von 20 Prozent, die in der Krise abgebaut würde. Vor allem Westeuropa müsse mit dem Abbau von Arbeitsplätzen und Standortschließungen rechnen.

dpa/Reuters/mid/mv