In nicht einmal mehr zehn Monaten wird das olympische Feuer im zentralen Olympiastadion in Peking feierlich entzündet. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Alles soll perfekt sein, wenn die Welt ab dem 8. August nach Peking blickt. Vor allem die chinesischen Unternehmen fiebern dem Großereignis entgegen. Denn mit dem Sportspektakel geraten auch chinesische Firmen und Marken in den Fokus der Öffentlichkeit. „Die großen chinesischen Marken sollen somit international bekannt werden“, sagt Jochen Schäfer, Rechtsanwalt bei Hogan&Hartson Raue und Syndikusanwalt des Weltverbandes der Sportartikelindustrie.
Das hoffen nicht nur die Firmen, sondern erwartet auch die chinesische Regierung. Sie rechnet damit, dass die chinesische Industrie in den kommenden Jahren mindestens 50 global agierende Unternehmen hervorbringt. Deren Marken sollen dann in einer Liga mit Coca Cola und Samsung spielen. Von den Ambitionen Chinas können Anleger profitieren. Wie eine aktuelle Studie der Fondsgesellschaft zeigt, liefern Top-Marken eine bessere Börsenentwicklung als der Markt.
Doch bis zur internationalen Bekanntheit ist es ein weiter Weg. Denn die großen chinesischen Marken wie der Haushaltsgeräte-Hersteller Haier, der Telekom-Ausrüster Huawei, die größte Brauerei der Volksrepublik, Tsingtao, oder aber der größte PC-Hersteller Chinas, Lenovo, sind international kaum bekannt – und das, obwohl sie Millionen umsetzen und die Top-Marken Chinas sind. „Chinesische Marken sind bisher zu wenig global, um unter die 100 weltweit wertvollsten Marken zu kommen“, bemerkt Ruth Lieberherr, Pressesprecherin bei Interbrand Zintzmeyer&Lux, die jährlich den Wert internationaler Marken ermitteln. Den chinesischen Marken fehle der internationale Bekanntheitsgrad.
Das soll sich mit den olympischen Spielen 2008 ändern. Vor allem Sponsoren wie Lenovo, Tsingtao, Li Ning oder Haier erhoffen sich durch die weltweite Öffentlichkeit den Sprung auf das internationale Parkett. Die Vergangenheit zeigt: „Sponsoren profitieren nachweislich durch eine Umsatzsteigerung von jährlich durchschnittlich 7,5 Prozent“, sagt Schäfer. Der Computerhersteller Lenovo ist Chinas einziger Top-Sponsor und spielt damit in der Liga von Coca Cola, Samsung und Visa mit. „Schon vor der Übernahme der IBM-PC-Sparte haben wir den Sponsorenvertrag unterschrieben“, sagt Stefan Pieper, Sprecher der Lenovo Deutschland GmbH. „Die Marketing-Initiative im Rahmen der olympischen Spiele soll dazu beitragen, die Marke Lenovo weltweit bekannt zu machen“, sagt Pieper. Der inzwischen weltweit drittgrößte Computerhersteller stellt für das Großereignis 15000 IT-Geräte zur Verfügung.
Auch der weltgrößte Haushaltsgeräte-Hersteller, Haier, setzt auf Olympia. „Wir erhoffen uns damit einen internationalen Durchbruch“, sagt Claudia Rehm von der Haier Deutschland GmbH. Derzeit werden die Haier Kühlschränke und Waschmaschinen wie auch die Lenovo PCs lediglich in Fachgeschäften vertrieben. Doch schließen die Unternehmen nicht aus, in einigen Jahren auch den weltweiten Massenmarkt zu bedienen.


