Ralph Wiechers gilt als Optimist. Nach den verheerenden Auftragszahlen der vergangenen Monate ist allerdings sogar dem Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) die Zuversicht abhanden gekommen. „Wir haben uns eine Denkpause verordnet“, sagt Wiechers. Im November waren die Maschinenbestellungen erneut kräftig eingebrochen – um satte 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Am 10. Februar wird der Verband eine neue Prognose für das laufende Jahr abgeben, und die wird wohl alles andere als optimistisch aussehen. Es gehe nur noch darum, abzuschätzen wie groß das Minus sein wird, sagt Wiechers.

Mit am härtesten in der Maschinenbaubranche hat es die Druckmaschinenhersteller getroffen: Seit dem Frühjahr 2008 ist das Auftragsvolumen bei ihnen auf die Hälfte zusammengesackt. „Es werden derzeit fast keine Druckmaschinen mehr bestellt“, bestätigt Markus Heering, der Geschäftsführer vom Fachverband Druck- und Papiertechnik im VDMA. Schon 2008 hatte der Umsatz in seinem Fachzweig um schätzungsweise sechs Prozent auf gut acht Mrd. Euro nachgegeben. Für das laufende Jahr nun rechnet Heerring erneut mit einem Umsatzrückgang – und diesmal im zweistelligen Bereich.


Die Ursache der Misere liegt vor allem bei den Kunden: Denn zum einen leiden die Druckereien derzeit unter dem stark einbrechenden Print-Werbemarkt; zum anderen kommen sie aufgrund der Finanzkrise nur noch schwer an die notwendigen Investitionskredite, um sich mit neuen Maschinen auszurüsten.


Bei den Maschinenbauern laufen zahlreiche Auftragsstornos ein. Die Folge in den Unternehmen: massive Kostensenkungen und Drosselung der Produktion. Der Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinen etwa baut in den kommenden zwei Jahren weltweit 2500 Stellen ab, davon 2200 in Deutschland. Damit setzt der Konzern seine Sparziele ein Jahr schneller um als geplant. Ein dringend notwendiger Schritt: Im abgelaufenen dritten Quartal (31. Dezember) ist Heidelberger Druck noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Schon zum Halbjahr war ein Verlust in Höhe von rund 95 Mio. Euro aufgelaufen. Jetzt sagt Analyst Dirk Nettling von der Commerzbank für das dritte Quartal 2008/2009 einen weiteren Vorsteuer-Verlust von 50 Mio. Euro vorher.

Aktienkurs auf Allzeittief

Der Aktienkurs der Heidelberger Druckmaschinen AG rutschte in den vergangenen 18 Monaten von 40 Euro auf ein Allzeittief von aktuell weniger als vier Euro ab. Derzeit hält die Allianz einen Anteil von zwölf Prozent am Unternehmen. Mittlerweile sucht die HeidelDruck Finanzkreisen zufolge aber nach einem neuen Großinvestor, der frisches Geld zuschießt.

Der Konkurrenz geht es nicht besser: Der Kurs von Koenig+Bauer (KBA), der drittgrößte Druckmaschinenhersteller der Welt, zum Beispiel reduzierte sich seit dem Sommer 2007 um zwei Drittel auf weniger als zehn Euro. Allein in der Bogenoffset-Sparte des Unternehmens sackte das Auftragsvolumen in den vergangenen Monaten um 40 Prozent ab, einige Tausend Mitarbeiter sind mittlerweile in Kurzarbeit. Für 2008 gab es bereits eine Gewinnwarnung. Nach einem Plus von 49 Mio. Euro im Vorjahr erwartet das Management ein negatives Ergebnis. Mittelfristig sollen 600 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Bei Manroland wird in ähnlicher Größenordnung gekürzt: 625 Stellen sollen gestrichen werden. Zudem will der Konzern, der zu 65 Prozent der Allianz-Tochter Allianz Capital Partners und zu 35 Prozent MAN gehört, sein Werk in Mainhausen schließen und die Produktion von Bogenoffsetmaschinen komplett ins nahe gelegene Offenbach verlegen. Man spüre in der Investitionszurückhaltung der Kunden die Auswirkungen von Finanzkrise und Rezession, erklärte das Augsburger Unternehmen, das schon seit Oktober Kurzarbeit fährt. Nun solle die Kostenbasis der schwierigen Lage angepasst werden. Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan laufen bereits. Weltweit beschäftigt Manroland mehr als 8600 Mitarbeiter, den größten Teil davon in Deutschland.