Bereits im Frühjahr hatte Josef Ackermann für viel Wirbel gesorgt, als er einräumte, er glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte der Märkte. Nun forderte er schärfere staatliche Regeln für die Finanzbranche. Die Aufsichtsbehörden sollten künftig das Recht und die Pflicht haben, das gesamte Geschäftsmodell eines Kreditinstituts kritisch zu hinterfragen, sagte Ackermann. Auch Fusionen und Übernahmen sollten aus seiner Sicht in Zukunft vom Segen der Aufseher abhängen. "Ich bin hier vom Saulus zum Paulus geworden“, sagte Ackermann auf der Branchenmesse Euro Finance Week in Frankfurt.

Die Messe ist ein wichtiger Treffpunkt für die Hochfinanz. Und wenn viele Betroffene zusammenkommen, pflegen sie sich normalerweise gegenseitig Mut zuzusprechen. Es sei denn, der Schock sitzt so tief, dass sich selbst das keiner traut – wie im Falle der Finanzkrise. Ein Ende ist noch längst nicht in Sicht, lautete der Tenor bei der Branchenmesse Euro Finance Week in Frankfurt. „Wir sind mitten im Getümmel, die Krise wird uns noch eine Weile begleiten“, sagte Ackermann.

Auch Bankenpräsident Klaus-Peter Müller konstatierte, es werde noch eine ganze Zeit dauern, ehe Entwarnung gegeben werden könne. Vertrauen könne man rasch zerstören, aber es dauere lange, es wieder aufzubauen. Etwas optimistischer klang am Eröffnungstag der Konferenz zumindest Bundesbankpräsident Axel Weber. Das Schlimmste sei überstanden: Die staatlichen Hilfen hätten die unkontrollierbare Abwärtsspirale an den Märkten gestoppt. "Damit haben wir dem Finanzsektor einen Boden eingezogen“, sagte Weber.

Ob das allerdings auch für die Aktienmärkte und die zuletzt besonders gebeutelten Banken-Titel gilt, ist fraglich. Denn die Geschäftsaussichten der Branche bleiben mau, wie bei dem unter grauen Novemberwolken abgehaltenen Treffen deutlich wurde. So sieht Ackermann "weitere Belastungen wegen des schwierigen Umfelds“. Die Situation bliebe auf Jahre hinaus für jede Bank eine Herausforderung. Alle Institute müssten ihre Geschäftsmodelle überprüfen. Außerdem müssen sich aus seiner Sicht die Vergütungsanreize für die Banker ändern. Ackermann schlug Bonus-Malus-Systeme vor, die sich an der langfristigen Gewinnentwicklung orientieren. So würden nicht nur Erfolge belohnt: Bei schlechten Geschäftszahlen müssten die Banker auch Einbußen hinnehmen.

Da dürfte auf die gut bezahlten Branchenvertreter einiges zukommen. Denn nach Ansicht von Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen, der rechten Hand des Finanzministers, werden die Geldhäuser schon alleine deswegen weniger profitabel sein, weil Bankgeschäfte künftig transparenter werden müssten. "Der Mao-Satz gilt immer noch: Nur in einem trüben Teich fängt man Fische.“ Gerade mit schwer durchschaubaren Zertifikaten ließ sich bislang auch im Geschäft mit Privatkunden viel Geld verdienen. Das wird künftig schwierig, räumten selbst die Bankenvertreter ein.

Dass an mehr Transparenz und schärferen staatlichen Vorgaben kein Weg vorbei führt, ist seit dem Finanzgipfel in Washington am Wochenende allen klar. Die anwesenden Bank-Chefs unterstützten die Pläne des Gipfels, die unter anderem eine stärkere Kontrolle von bisher unregulierten Akteuren, wie Hedgefonds, vorsehen. Allerdings warnten Redner davor, nun übers Ziel hinauszuschießen. "Das Ziel ist nicht mehr Regulierung, sondern eine bessere Regulierung“, sagte Bankenpräsident Müller.

Selbst die Befürworter schärferer Gesetze warnten vor zu hohen Erwartungen. „Wir sollten nicht dem Irrglauben anheim fallen, dass die nächste Krise zu 100 Prozent zu verhindern ist“, sagte Weber. Man baue nun einen Damm in der Richtung, aus der die Flut diesmal gekommen sei. „Aber die Erfahrung zeigt, dass die Ursachen beim nächsten Mal woanders liegen.“