Bier, Brot und Margarine werden wohl bald noch teurer. Herstellerverbände sagten am Mittwoch weitere Preissteigerungen voraus. Die "Konkurrenz zwischen Teller und Tank“ sei verantwortlich für die Verteuerung ihrer Rohstoffe. Von Bundesregierung und EU forderten sie, die Förderung von Biokraftstoffen einzustellen und die Beimischquoten herunterzuschrauben.
Der Präsident des Zentralverbands des Bäckerhandwerks, Peter Becker, sprach von "staatlich verordneter Preistreiberei“. Backwaren seien allein letztes Jahr um sechs bis zehn Prozent teurer geworden. Die Kosten für Weizen seien seit 2007 um 80 Prozent, für Energie um 60 Prozent gestiegen. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, ist sicherlich mit weiteren Preiserhöhungen zu rechnen“, warnte er.
Gleiches erwartet der Präsident des Deutschen Brauerbundes, Wolfgang Burgard. Schon im ersten Halbjahr sei der Bierpreis um fünf bis sieben Prozent beziehungsweise 50 Cent bis 1,00 Euro pro Kasten gestiegen. Der allein der jetzt schon absehbare Kostenanstieg für nächstes Jahr werde sich mit 25 bis 30 Cent pro Kasten niederschlagen.
Weitere Preiserhöhungen sagte auch der Präsident des Verbands der Deutschen Margarineindustrie, Hubertus Rau, voraus. Bei Markenmargarine, die vor zwei Jahren noch unter 1,00 Euro pro 500-Gramm-Becher kostete und heute 1,20 Euro, rechnete er mit zehn bis 30 Cent mehr.
„Am Ende des Tages zahlt immer der Verbraucher die Zeche“, sagte Burgard. Die Politik müsse sich überlegen, „ob sie den Verbraucher weiter beuteln will“. Rau kritisierte, mit der Förderung von Biosprit und Biodiesel würden Verbraucher, Wirtschaft und Umwelt zum Vorteil einer kleinen Gruppe Agrokraftstoffherstellern und der Mineralölindustrie „in Geiselhaft genommen“.
Billigsupermärkte wie Aldi, Lidl und Co. sind nach einer neuen Studie dagegen offenbar die Gewinner der rasant steigenden Lebenshaltungskosten. „Verbraucher gehen nun eher zum Dicounter als ins Restaurant“, sagte Manfred Hachmeyer von der Unternehmensberatung Deloitte & Touche. „Dies eröffnet Einzelhändlern die Möglichkeit, Umsatz und Gewinne zu steigern.“ Wegen der Marktlage könnten sie Preiserhöhungen gut begründen und auch bei anderen Produkten (Nicht-Lebensmitteln) die Preise anheben.
Zuletzt war der Einzelhandel im Streit um höhere Milchpreise wegen seiner großen Marktmacht in die Kritik geraten. Im Ringen zwischen Handel und Herstellern werden laut Studie einige Lebensmittelproduzenten auf der Strecke bleiben, die unwirtschaftlich arbeiten oder unattraktive Produkte im Angebot haben. Von den 200 Milch verarbeitenden Betrieben in Deutschland „müssen ein Drittel ihre Strategie neu ausrichten, um zu überleben“, prognostizierte Hachmeyer. Die Discounter könnten zwar auf neue Kunden bauen, müssten aber neue, innovative Produkte anbieten. „Dazu gehören kleinere Packungen für Singles genauso wie türkische oder russische Spezialitäten“, sagte der Experte.
dpa/AP/ras




