Voller Bescheidenheit werden die Chefs der großen amerikanischen Autokonzerne von diesem Donnerstag an während der Anhörungen im Washingtoner Kongress auftreten, um an 25 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) Staatshilfen zu kommen. Ford-Chef Alan Mulally wird den Weg von der Konzernzentrale in Dearborn nahe Detroit in einem Hybridauto antreten, General Motors-Chef Rick Wagoner wird das gleiche tun. Und auch Chrysler-Chef Robert Nardelli könnte mit dem Auto den 850 Kilometer langen Weg zurücklegen.

Während den ersten Anhörungen vor zwei Wochen hatten die Abgeordneten die Unternehmenslenker scharf dafür kritisiert, mit dem Firmenjet nach Washington gereist zu sein. Dies sei fast so, als würde jemand „in Smoking und Zylinder in der Suppenküche auftauchen“, hatte der demokratische Abgeordnete Gary Ackerman gesagt. Ford kündigte am Dienstag als Reaktion darauf an, seine fünf Firmenjets zu verkaufen. Zudem hatte nur Nardelli ursprünglich den Abgeordneten zugesichert, für einen Dollar Jahresgehalt arbeiten zu wollen, sollten die Konzerne die gewünschten Notkredite erhalten. Wagoner und Mulally haben jetzt ihren Widerstand dagegen aufgegeben. So hatte sich offensichtlich Ford-Verwaltungsratschef Bill Ford geärgert, als Mulally sich in Washington gegen Gehaltseinschnitte gewehrt hatte.

Die Autokonzerne hatten am Dienstag auf Drängen der Abgeordnete Pläne vorlegen müssen, wie sie das Staatsgeld nutzen würden, um ihre Konzerne langfristig in die schwarzen Zahlen zu führen. Alle drei Unternehmen haben in den vergangenen Quartalen Milliardenverluste verzeichnet. Vor allem Chrysler und GM stehen kurz davor, zahlungsunfähig zu werden.

In den USA tobt eine heftige politische Diskussion, ob die Unternehmen staatliche Hilfe erhalten sollten. Viele Abgeordnete sind der Meinung, dass die Konzerne durch eine lange Zeit verfehlte Modellpolitik sich in die gegenwärtige Lage gebracht hätten. Chrysler, Ford und GM sehen sich indes als Opfer der Finanzkrise, weil viele Kunden deswegen keine Kredite mehr erhalten würden, um Fahrzeuge zu kaufen.

Ford will sich politische Unterstützung verschaffen, indem es sich als „globale, grüne, High-Tech-Firma“ präsentiert, so Bill Ford. Dies sei genau der Weg, den die kommende Regierung für die Autokonzerne vorgebe. Die Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen werde das Unternehmen in den nächsten sieben Jahren mit Investitionen von etwa 14 Milliarden Dollar vorantreiben. Anders als Chrysler und GM verfügt der Konzern über ausreichend Liquidität. Ford will weiterhin rasch schrumpfen, sollte die Nachfrage weiter fallen. Im Jahr 2011 werde das Unternehmen dann auf dem Heimatmarkt wieder Gewinn machen – so der Plan.

GM plant nach Medienberichten, vier seiner acht in den USA vertriebenen Marken zu verkaufen: Hummer, Pontiac, Saturn und Saab sollen folgen. Damit blieben Chevrolet, Cadillac, GMC und Buick im Konzern. Allerdings ist eine solche Marken-Auslese teuer. Sie kostet Hunderte Millionen Dollar, weil Autohändler abgefunden werden müssen. GM hatte diese Erfahrung 2004 gemacht, als es Oldsmobile auflöste.

Der Autobauer Chrysler, den der Finanzinvestor Cerberus im August vergangenen Jahres gekauft hatte, könnte eine Partnerschaft mit einem anderen Hersteller anstreben. Auch Modelleinstellungen gelten als mögliche Sparmaßnahmen.