Zugtechnik

China gibt Transrapid überraschend neue Chance

Unverhoffte Wende im chinesischen Transrapid-Projekt: Die Regierung will die Shanghai-Strecke nun doch deutlich verlängern, um rund 200 Kilometer bis in die Touristenstadt Hangzhou. Dabei hatte das Transrapid-Konsortium nach der Absage aus München schon alle Hoffnungen begraben – und bereits Personal abgebaut.


Der Transrapid hat in China trotz Bürgerprotesten und horrenden Kosten offenbar eine gesicherte Zukunft. Die Provinzregierung von Zhejiang, zwischen deren Metropole Hangzhou und Chinas Superindustriestadt Shanghai die deutsch-chinesische Schwebebahn verkehren soll, gab am Wochenende den Projektbeschluss in ihrem Fünfjahresplan 2008 bis 2012 bekannt. „Nach mehr als einem Jahr der Verzögerungen gibt es endlich grünes Licht für den Bau der Transrapid zwischen Shanghai und Hangzhou“, berichtete die "Shanghai Daily". Er werde die Fahrzeit zwischen beiden Millionenmetropolen von derzeit 90 Minuten auf 30 Minuten verkürzen.

Nach den von der Provinzregierung Zhejiang verabschiedeten „Aktionsplänen“, die die Nachrichtenagentur Xinhua meldete, soll der Bau für die insgesamt 199, 4 Kilometer lange Trasse 2010 beginnen. Sie führt die bisher nur 31,5 Kilometer lange Flughafenverbindung in Shanghais Pudong fort, verbindet beide Shanghaier Flughäfen, bevor sie nach Hangzhou fährt. Die Baukosten der Strecke mit mindestens drei Bahnhöfen werden mit 22 Mrd.Yuan (rund 2,1 Mrd. Euro) beziffert, die des Gesamtprojekts auf 35 Mrd. Yuan (3,3 Mrd. Euro). Der Transrapid soll bis 2014 fertig gebaut werden.


Zhejiang will bis 2012 ein Drittel der Grundfinanzierung von 6,5 Mrd. Yuan sicherstellen. Alle Vorbereitungsarbeiten, darunter die Gründung des Projektbüros, die Entschädigungen für Landenteignungen und eine Umweltverträglichkeitsstudie sollen bis Ende 2008 fertig sein. Die Provinzregierung macht Druck, nachdem Bürgerinitiativen und Ängste vor zu hohen Baukosten das ursprünglich schon im März 2006 von der Zentralregierung genehmigte Projekt über zwei Jahre aufgehalten hatten. Shanghaier Anlieger hatten mit Einsprüchen und Protestaktionen aus Angst vor Magnetstrahlung, Geräuschbelästigung und Wertminderung ihrer Anliegerhäuser den Baubeschluss immer wieder vertagen können. Die Trasse führt offenbar nicht mehr wie einst geplant über die Weltausstellung Expo 2010. Sie verbindet aber den Pudong und Hongqiao-Flughafen und führt über 34,8 Kilometer durch Citybereiche. Sie soll in einem Korridor mit mindestens 45 Meter breiten Grün-und Schutzgürteln verlaufen. Innerhalb der Stadtgebiete darf die 430 Kilometer schnelle Schwebebahn nicht schneller als 200 Kilometer fahren.

Xinhua merkte allerdings kritisch an, dass sie keine Auskunft bekam „warum das Projekt gerade jetzt grünes Licht erhalten hat.“ Deutsche Industriekreise zeigten sich positiv überrascht, aber auch skeptisch, ob die Pläne wirklich schon „entscheidungs-. und spruchreif“ sind. „Diese Nachricht ist gut“, sagten Shanghaier Projektkenner. Sie verwiesen aber darauf, dass das Transrapid-Konsortium der Firmen Siemens und ThyssenKrupp ihre Präsenz in Shanghai stark zurückgefahren habe. Im August war zudem bekannt geworden, dass nach dem Scheitern des Münchner Projekts der Bund seine einst vorgesehenen Mittel zur Förderung des Transrapids in Höhe von 925 Mio. Euro größtenteils gestrichen hatte. Auch die Finanzierung der 30 Jahre alten Versuchstrecke in Emsland, wo das für München vorgesehene neue Fahrzeug TR 09 Probe gefahren wird, soll nur bis Ende des Jahres gesichert sein.

„Die Chinesen wissen, dass wir uns in Deutschland aus dem Projekt verabschieden. Vielleicht wollen sie uns nur bei der Stange halten, weil sie unsere Technologie brauchen.“ Kenner von Chinas komplizierten Projektgenehmigungsverfahren bewerteten die Nachricht als Fortschritt: Die Aufnahme in den Fünfjahresplan von Zhejiang und die detaillierten Finanzierungsplanungen bedeuten, dass der Transrapid „in China wieder auf der unmittelbaren Tagesordnung steht.“

Überrascht von der Nachricht zeigte sich die Transrapid-Konsortium in Berlin. Man habe von der Nachricht aus der Zeitung erfahren, die Chinesen hätten vorab nicht den Kontakt gesucht, hieß es. Eigentlich sollte das Konsortium in Berlin innerhalb der kommenden zwei Monate geschlossen werden und die Mitarbeiter wieder in die beteiligten Unternehmen zurückgeführt werden. Nun wird die Lage wohl neu bewertet werden müssen.