Nachgebende US-Börsen haben am Freitag den vorübergehend in die Gewinnzone gesprungenen Dax wieder ins Minus gezogen. Zunächst hatten mit Erleichterung aufgenommene US-Arbeitsmarktdaten dem Dax Auftrieb gegeben. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der US-Landwirtschaft ging im Dezember um 524.000 zurück. Analysten hatten im Schnitt ein Minus von 550.000 Stellen vorhersagt. „Viele Anleger hatten noch Schlimmeres befürchtet“, kommentierte ein Börsianer. "In Flüsterschätzungen wurde am Markt ein Minus von rund 700.000 Stellen herumgereicht.“

"Die Daten sind aber nur auf den ersten Blick besser als erwartet ausgefallen“, betonte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus: „Schließlich wurde die Zahl zum Stellenabbau im Vormonat kräftig nach oben revidiert. Der US-Konjunktur geht es einfach schlecht und das lässt sich am Arbeitsmarkt ablesen.“ So rutschte der deutsche Leitindex bis zum Handelsschluss um zwei Prozent auf 4783 Punkte ab. Der MDax verlor 0,8 Prozent auf 5544 Zähler, und für den TecDax ging es 1,9 Prozent abwärts auf 492 Punkte.

Am Rentenmarkt sank die durchschnittliche Umlaufrendite auf 2,96 (Vortag: 3,09) Prozent. Der Bund Future gewann 127 Ticks auf 124,84 Zähler. Der Eurokurs stieg. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3684 (1,3617) Dollar fest.

Bei den Unternehmen konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Anleger erneut auf die vor der Teilverstaatlichung stehende Commerzbank, deren Aktien um weitere 11,1 Prozent auf 4,67 Euro fielen. Das Institut bekommt vom staatlichen Rettungsfonds SoFFin nochmals zehn Mrd. Euro frisches Kapital. So will die Commerzbank die anstehende Übernahme der Allianz-Tochter Dresdner Bank retten. „Der hohe Kapitalbedarf ist eine negative Überraschung für uns und deutet auf einen hohen Abschreibungsbedarf auf die Risikopositionen von Commerzbank und insbesondere der Dresdner Bank hin“, betonte LBBW-Analyst Olaf Kayser. Die Kapitalspritze werde zudem die künftigen Ergebnisse der Commerzbank stark verwässern. Andere Bankaktien standen ebenfalls unter Druck. Postbank verloren sechs Prozent. Deutschlands größtes Filialinstitut rechnet für 2008 mit einem hohen Verlust. Deutsche Bank gaben 5,8 Prozent auf 24,305 Euro nach. Händlern zufolge droht dem Branchenprimus ein dickes Minus im Eigenhandel. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab. Im dritten Quartal hatte sie im Eigenhandel bereits Verluste von mehr als einer Mrd. Euro verbucht.

Die Erwartung, dass die Allianz bald einen Schlussstrich unter ihre Zeit mit der Dresdner Bank ziehen kann, hat den Aktien des Finanzkonzerns an die Spitze des Dax geholfen. Die Titel stiegen um 6,2 Prozent auf 70,80 Euro. Nach dem angekündigten Einstieg des Bundes bei der Commerzbank und der Kapitalspritze der Allianz dürfte der Verkauf der Dresdner Bank in den nächsten Tagen abgeschlossen werden. Die Allianz sei damit einen großen Belastungsfaktor los und könne sich wieder verstärkt um das Versicherungsgeschäft kümmern, kommentierten die Analysten der LBBW. Der Beitrag zu der Rekapitalisierung der Commerzbank sei für die Allianz zu recht positiven Konditionen geschehen, urteilten die Equinet-Experten. Zwar werde der Commerzbank-Anteil verwässert und es könnte Abschreibungen geben, doch ihre Kaufempfehlung für die Aktie sei nicht gefährdet.

Infineon sackten um 8,9 Prozent auf 0,97 Euro ab und waren damit wieder „Penny Stock“. Händler verwiesen neben einer negativen Studie auch auf Gewinnmitnahmen.

Im MDax gehörte HeidelbergCement zu den Favoriten. Die Aktien des Zement-Herstellers legten in der Spitze 5,8 Prozent zu und notiertenzum Schluss noch 3,2 Prozent im Plus. Börsianern zufolge kursierten am Markt Gerüchte um einen Einstieg des Schweizer Konkurrenten Holcim.

Das sagen die Experten:

Kurssprünge im zweiten Halbjahr

Gewinne trotz Rezession

Aktien sind noch nicht günstig

Voraussetzung für Erholung

rtr/ww