Wegen der Konjunkturkrise droht nach Einschätzung der Gewerkschaft ver.di bis zu 120.000 Leiharbeitern der Verlust ihres Jobs. Ver.di-Experte Gerd Denzel sagte der in Erfurt erscheinenden „Thüringer Allgemeinen“, im schlimmsten Fall wären es knapp 120.000 Menschen, die ihre Arbeit verlieren würden. Im Juni 2008 gab es nach Angaben des Bundesagentur für Arbeit rund 794.000 Leiharbeiter in Deutschland.
Der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern teilte am Freitag mit, sich in den vergangenen Monaten wegen der Automobilkrise bereits von mehr als 500 Leiharbeitern und befristet Beschäftigten getrennt zu haben. Darüber hinaus plant das Unternehmen in seiner Automotive-Sparte unter anderem verlängerte Werksferien, an fast allen deutschen Standorten ist demnach für das erste Halbjahr 2009 Kurzarbeit vorgesehen.
Vor allem gering Qualifizierte betroffen
Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, Vorsitzender eines Forschungsinstituts der Zeitarbeitsfirma Adecco, sagte der „Thüringer Allgemeinen“, die Zeitarbeit werde „gewiss eine signifikante Anzahl von Mitarbeitern verlieren“. Von einer Systemkrise könne aber keinesfalls gesprochen werden. Der Jobabbau treffe vor allem gering Qualifizierte in der Automobilindustrie und bei deren Zulieferern. „Dieser Abschwung trifft nicht die Zeitarbeit im Ganzen“, wurde Clement zitiert.
Petra Timm, Sprecherin des Zeitarbeitsunternehmens Randstad, nannte den Angaben zufolge Berichte aus Gewerkschaftskreisen unzutreffend, wonach allein ihr Unternehmen bis Jahresende mehrere tausend Leiharbeiter in den neuen Bundesländern in die Arbeitslosigkeit entlassen werde. Sie bestätigte aber Entlassungen und das Auslaufen von Verträgen. Man dürfe die Lage nicht schönreden.
Massenhafte Abmeldungen von Leiharbeitern vor allem in der Autoindustrie stellten das Geschäftsmodell Zeitarbeit vor Probleme, wurde der Geschäftsführer des Branchenverbandes IGZ, Werner Stolz zitiert. Betroffen seien vor allem Firmen, die sich auf einen Sektor konzentriert hätten.
AFP/PHJ




