Der russisch-ukrainische Gasstreit hat inzwischen auch erste Auswirkungen auf Deutschland. Im Folgenden Fragen und Antworten zu den möglichen Konsequenzen des Konflikts auf die Verbraucher in Deutschland.
Ist Deutschland von dem russisch-ukrainischen Gaskonflikt betroffen?
Ja. Deutschlands größter deutschen Gasimporteurs E.on Ruhrgas erwartete nach ersten massiven Liefereinschränkungen im Laufe des 6. Januar einen Totalausfall der über die Ukraine transportierten russischen Gaslieferungen. Auch der zweitgrößte Gasimporteur Wingas berichtete von Mengenkürzungen.
Wie viele Bundesbürger wären eigentlich bei möglichen Versorgungsengpässen betroffen?
Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird nach Angaben des BDEW inzwischen mit Gas beheizt - insgesamt mehr als 18 Millionen Haushalte. Und der Anteil wächst ständig. Rund zwei Drittel aller Neubauwohnungen werden derzeit mit Erdgas beheizt.
Müssen diese Verbraucher damit rechnen, schon bald in kalten Wohnungen zu sitzen?
Nein. Zumindest in den nächsten Wochen ist die Versorgung gesichert. Nach Angaben des Außenhandelsverbandes für Mineralöl und Energie reichen die Speicherkapazitäten in Deutschland für rund 40 Wintertage.
Was macht die Energieversorger so zuversichtlich?
Die Industrie verweist darauf, dass fast zwei Drittel des in Deutschland verbrauchen Erdgases aus Westeuropa stammen und damit nicht von dem russisch-ukrainischen Konflikt betroffen sind. Zwar liefert Russland alleine rund 37 Prozent des deutschen Bedarfs. Doch der Rest stammt aus Norwegen (26 Prozent), den Niederlanden (18 Prozent), aus deutschen Gasquellen (15 Prozent) sowie aus Dänemark und Großbritannien (zusammen 4 Prozent). Außerdem fließt ein Teil der russischen Ergaslieferungen nicht durch die Ukraine, sondern über Weißrussland nach Deutschland.
Wie kann im Krisenfall die verbleibende Lieferlücke geschlossen werden?
Die Gaswirtschaft in Deutschland kann auf große Reserven zurückgreifen, die in 46 Untertage-Gasspeichern aufbewahrt werden. Der in ihnen gelagerte Vorrat decke 25 Prozent des deutschen Jahresbedarfs. Außerdem können nach Angaben des BDEW die Niederlande bei zusätzlicher Nachfrage sehr schnell zusätzliches Erdgas liefern.
Also gibt es keinen Grund zur Sorge?
Ja und Nein. Zwar sehen sich die deutschen Gasversorger gut gerüstet. Aber: Auch die beste Vorsorge kann nicht alle Eventualitäten berücksichtigen. „Auch unsere Möglichkeiten stoßen an ihre Grenzen, wenn diese drastischen Lieferkürzungen anhalten und die Temperaturen weiterhin auf sehr niedrigem Niveau bleiben“, sagt E.on-Ruhrgas-Chef Bernhart Reutersberg.
Was könnte getan werden um ähnliche Probleme in Zukunft zu vermeiden?
„Wir sollten auf jeden Fall vermeiden, noch abhängiger von Gasimporten zu werden“, rät die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert. Die jetzt geplanten Programme zur Konjunkturstimulierung seien eine besonders gute Möglichkeit, eine Energiewende weg von der fossilen Energie in Deutschland zu schaffen. Dazu müssten die Gebäudesanierung und neue Nullenergiehäuser noch kräftiger gefördert werden. Außerdem plädiert sie zu einem Ausbau der Fernwärme.
Kann man auch etwas beim Gasbezug tun?
Ja. Nach Einschätzung der DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert muss sich Deutschland stärker darum bemühen, aus möglichst vielen Ländern Gas zu erhalten. Dazu sei der Bau eines Flüssiggasterminals nötig, mit dem etwa Gas aus Afrika nach Deutschland importiert werden könnte. Planungen für eine derartige Anlage in Wilhelmshaven gibt es bereits.
Was bringt die neue Ostsee-Gaspipeline?
Auch die geplante neue Ostseepipeline Nord Stream würde durch die direkte Anbindung Deutschlands an Russland zumindest die Unabwägbarkeiten im russisch-ukrainischen Verhältnis umschiffen. Sie soll 2010 den Betrieb aufnehmen und 2016 die volle Kapazität erreichen. Allerdings ändert sich durch diese neue Pipeline nichts an der Abhängigkeit Deutschlands von russischen Importen.
Droht durch den Konflikt ein weiterer Anstieg der Gaspreise?
Nein. Selbst wenn es zu Lieferengpässen käme, hätte dies nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) keinen Einfluss auf den Verbraucherpreis. „Die Ölpreisbindung schützt den Verbraucher hier vor Preissteigerungen“, sagte ein Verbandsprecher. Der BDEW rechnet ungeachtet des Konflikts für 2009 sogar mit sinkenden Preisen.
AP


