Vor allem wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Halbjahr hat in Berlin die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich zugenommen. Nach Angaben der Auskunftei Creditreform gab es 2008 (Stand Anfang Dezember) 1480 Firmenpleiten, das sind 3,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Die Ursachen für den Anstieg sind eindeutig in der durch die Finanzkrise ausgelösten konjunkturellen Talfahrt zu sehen“, sagte Hans-Ulrich Fitz von Creditreform Morgenpost Online.

Zwischen 2004 und 2006 war die Zahl der Firmenpleiten in Berlin kontinuierlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr gab es erstmals wieder einen geringen Anstieg. 2007 hatten insgesamt 1430 Betriebe Insolvenz angemeldet. Nach Angaben von Fitz geraten in der Hauptstadt derzeit vor allem Baufirmen und Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche rasch in Schieflage.

Insgesamt ist in Berlin der Anstieg von Firmeninsolvenzen größer als im übrigen Bundesgebiet. Im ganzen Land lag das Plus bei den Pleiten bei nur 2,2 Prozent. „In Berlin gibt es viele kleine und mittelständische Betriebe, die unmittelbar unter Druck geraten, wenn Aufträge ausbleiben“, sagte Fitz. Zudem sei die Eigenkapitalquote der Hauptstadtfirmen im bundesweiten Vergleich immer noch gering. „Eine Firma, die eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent hat, und das ist in Berlin häufig anzutreten, gerät in schwierigen Zeiten schnell ins Trudeln.“

Die Creditreform-Experten sind für das kommende Jahr pessimistisch: „Aufgrund der wirtschaftlichen Prognosen erwarten wir für 2009 eine noch höhere Zahl von Unternehmenspleiten“, sagte Fitz. Die Folge sei, dass die Zahl der Arbeitslosen steige und damit auch die der Privatinsolvenzen. „Damit hätte die in diesem Bereich bislang positive Entwicklung ein Ende gefunden“, sagt Fitz.

Nachdem die Zahl der Privatinsolvenzen in den Jahren 2004 bis 2007 drastisch gestiegen war, zum Teil um beinahe 40 Prozent, gab es in diesem Jahr eine deutliche Entspannung. 6279 Berliner hatten Insolvenz angemeldet, 20,1 Prozent weniger als im Vorjahr (7850 Privatpleiten). Deutschlandweit verringert sich die Zahl der Insolvenzen von natürlichen Personen auf 126.900 Fälle nach 135.600 im Vorjahr.

BMO