Millionen Arbeitnehmer in aller Welt müssen sich nach Einschätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) angesichts der Rezession 2009 auf Einkommensverluste einstellen. „Den weltweit rund 1,5 Milliarden Lohnabhängigen stehen schwierige Zeiten bevor“, sagte ILO-Generalsekretär Juan Somavia. In den Industrieländern dürften die Reallöhne im Schnitt um 0,5 Prozent sinken.
In diesem Jahr sollen die realen Einkommen – unter Berücksichtigung der Geldwertentwicklung –aber noch um 0,8 Prozent steigen, hieß es in einer Studie der UN-Sonderorganisation. Weltweit sei auch 2009 mit einem Anstieg der Reallöhne um 1,1 Prozent zu rechnen, nach 1,7 Prozent in diesem Jahr.
Besonders betroffen von realen Einkommenseinbußen seien die ärmeren Haushalte, sagte Somavia. Bereits in den vergangenen Jahren hinkten die Löhne nach Angaben der Organisation dem Wachstum hinterher: Je Prozent Wirtschaftswachstum legten die Löhne zwischen 1995 und 2007 lediglich um 0,75 Prozent zu.
Überdurchschnittlich stark betroffen waren die Arbeitnehmer in Abschwungphasen: Für jedes Prozent Minus der Wirtschaftsleistung gingen die Löhne um 1,55 Prozent zurück. „Wenn dieses Muster auch auf den gegenwärtigen Abschwung zutrifft, dann würde dies auf eine Vertiefung der Rezession und eine verspätete Erholung hinauslaufen“, sagte Somavia.
Zudem vergrößerte sich die Kluft zwischen Arm und Reich in mehr als zwei Drittel aller untersuchten Länder, in den Industriestaaten besonders schnell in Deutschland, Polen und den USA. Spanien und Frankreich gelang es laut ILO dagegen, die Kluft zu schmälern.
In Deutschland stiegen die Reallöhne demnach in den vergangenen Jahren relativ langsam - ebenso wie laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung die Arbeitskosten: Diese stigen 2007 um 1,2 Prozent und damit erneut weitaus langsamer als im Durchschnitt der EU-Länder, berichteten die Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Stiftung.
Mit im Schnitt 28 Euro pro geleisteter Arbeitstunde in der Privatwirtschaft liege Deutschland im EU-Vergleich auf Rang acht. Das Wachstum in Deutschland beflügelte der geringe Anstieg der Arbeitskosten nach Einschätzung von IMK-Chef Gustav Horn nur eingeschränkt.
„Das geringe Wachstum der Arbeitskosten hat zwar zur enorm starken Entwicklung der deutschen Exporte beigetragen. Unserer Volkswirtschaft insgesamt hilft das aber nur bedingt: Denn als Kehrseite der Medaille schwächeln im Inland die Einkommensentwicklung und die Nachfrage“, erläuterte Horn. In Zeiten von Finanzkrise und Rezession fehle es so an binnenwirtschaftlicher Stabilität.
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostiziert für das kommende Jahr in den Industrieländern eine Rezession. Die Wirtschaft in Deutschland dürfte um 0,9 Prozent schrumpfen. Bis Ende 2010 dürfte die Zahl der Arbeitslosen hier um 700.000 steigen. Die ILO erwartet wegen der Rezession im kommenden Jahr weltweit 20 Millionen mehr Arbeitslose.
AFP/Reuters/oht





