Die IG Metall hat zur Rettung des Rüsselsheimer Autobauers Opel einen Lohnverzicht nicht ausgeschlossen. Die Belegschaft müsse zu einem zukunftssicheren Konzept beitragen, sagte der IG-Metall-Bezirksleiter Frankfurt, Armin Schild, im Deutschlandradio Kultur. „Möglicherweise bedeutet das weitere Lohnverluste (...) einer Belegschaft, die wie keine andere in den vergangenen Jahren schon verzichtet hat“, sagte Schild.

Die Sicherung der Opel-Standorte habe oberste Priorität, sagte Schild. Danach folge die Sicherung der Arbeitsplätze und die Sicherung gegen betriebsbedingte Kündigungen. Aber auch die Politik und damit der Steuerzahler müssten dem Konzern aus der Krise helfen. Opel selbst sei überlebensfähig, das Unternehmen gut aufgestellt. Man müsse weiter darüber nachdenken, sich von der Konzernmutter General Motors zu trennen.

Nach Unternehmensangaben ist eine Herauslösung von Opel aus dem GM-Konzern derzeit aber nicht geplant. „Opel und GM sind ein Konzern. Alles andere ist Spekulation“, sagte ein Opel-Sprecher. Opel sieht wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit des Mutterkonzerns seine Zukunft gefährdet und hat um eine Staatsbürgschaft gebeten. Über einen Ausweg aus der Krise wollte am Montagnachmittag Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin mit Finanzminister Peer Steinbrück, Wirtschaftsminister Michael Glos und der Opel-Spitze beraten.

Der Betriebsratschef von Opel-Eisenach, Harald Lieske, verteidigte das Management das Unternehmens in Deutschland und Europa. Forderungen der Grünen, wonach Opel sich vor der Gewährung einer Staatsbürgschaft für Management-Fehler entschuldigen solle, seien „schlicht und einfach dummes Zeug“, sagt Lieske. Seit Jahren habe Opel eine Vorreiterrolle. Opel sei das erste deutsche Unternehmen gewesen, dass seinerzeit den Katalysator flächendeckend eingeführt habe.

Der Konzern müsse sich auf eine Pleite der Muttergesellschaft einstellen. General Motors habe von Opel zirka zwei Milliarden Euro geliehen. Wenn die Muttergesellschaft Gläubigerschutz beantragen würde, dann müssten die Forderungen von Opel nicht mehr bedient werden. Die Politik habe erkannt, dass dies aufgrund der Situation in den USA sehr schnell Realität werden könne, wodurch in Deutschland viele Arbeitsplätze gefährdet wären. Durch die Bürgschaft des Staates würde ein Schutzschirm über Opel eingerichtet, sagte Lieske.

Nach der Bitte des Autobauers Opel um staatliche Bürgschaften in Milliardenhöhe beginnen heute die Krisen-Treffen in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht am Nachmittag mit der Opel-Spitze. Zudem lud der Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier Betriebsräte von Autobauern ein. Opel mit seinen knapp 25.700 Beschäftigten droht, von der angeschlagenen US-Konzernmutter General Motors (GM) mit in den Abgrund gerissen zu werden.

Nach Aussagen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sind Bund und Länder grundsätzlich dazu bereit, Opel unter die Arme zu greifen. Damit sollen nicht nur Schwierigkeiten bei Opel verhindert werden, sondern auch ein „Schneeball-Effekt“ bei den Zulieferbetrieben. Allerdings sei sicherzustellen, dass keine Bürgschaften „später in Amerika landen“. Ein Sprecher der Bundesregierung betonte hingegen, es sei noch keine endgültige Entscheidung getroffen.

Experte warnt vor dramatischen Arbeitsplatzverlusten

Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer warnte vor einem drastischen Verlust von Arbeitsplätzen, wenn der Staat Opel nicht hilft. Dem Radiosender Bayern2 sagte Dudenhöffer, es liege eine „außerordentliche Situation“ vor. „Und selbstverständlich kann man in so einer Situation, die in Deutschland mindestens 100 000 Arbeitsplätze betrifft, die Zulieferer mit nach unten reißen würde, nicht einfach sagen“, dass der Staat damit nichts zu tun habe.

Es stehe sehr viel auf dem Spiel, betonte Dudenhöffer. Mittelständische Unternehmen, die stark mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) zusammenarbeiteten, würden „gegen die Wand fahren“.

Dudenhöffer deutete an, man solle in Deutschland nur helfen, wenn die US-Regierung GM ebenfalls helfe. „General Motors fährt an die Wand, wenn nicht der amerikanische Staat diese Woche ein Rettungsprogramm auflegt“, sagte der Autoexperte. Das Programm würde einige Milliarden Dollar umfassen und es werde vermutlich kommen. „Das Bargeld, um die Rechnungen, die Mitarbeiter und Zulieferer zu bezahlen, reicht vielleicht noch zwei, maximal drei Monate“, fügte Dudenhöffer hinzu. Keine Bank der Welt gebe GM jetzt ohne Bürgschaften einen Kredit.

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Reuters/AP/dpa/ddp/omi/lw