Vorsichtig ist August Oetker bei seinen öffentlichen Prognosen eigentlich immer. Doch für das laufende Jahr traut sich der Chef des Oetker-Konzerns vor allem wegen der steigenden Rohstoffpreise gar keinen Ausblick zu, jedenfalls nicht vor Ende April. „Wenn Sie dann bitte anrufen wollen“, empfahl der Firmenchef den Journalisten bei der Bilanz-Pressekonferenz. Sicher sei eigentlich nur eines: „Die Verbraucher, nicht nur in Deutschland, müssen sich auf weiter steigende Lebensmittelpreise einstellen“.
In den vergangenen zwei Jahren hätten sich für Hersteller wie Oetker die Getreidepreise verdoppelt, Speiseöle wurden um ein Drittel teurer. Zu Beginn dieses Jahres wie zuvor schon 2007 hatte Oetker deshalb die Preise für seine Tiefkühlpizzen bereits zwei Mal um je fünf Prozent erhöht, bei den Nährmitteln lag der Wert knapp unter fünf Prozent. „Wir werden in einigen Fällen auch über traditionelle Preisschwellen gehen müssen. Die Reaktion des Verbrauchers darauf ist für uns noch nicht absehbar“, sagte Oetker.
Selbst ein überraschend guter Start ins neue Jahr vermag dem Chef seine Skepsis nicht auszutreiben: „In den ersten drei Monaten stieg unser Umsatz zweistellig. Das kann man allerdings nicht aufs Gesamtjahr hochrechnen, es bringt uns aber immerhin ein Polster.“ Vor allem das frühe Ostergeschäft habe den Umsatz getrieben, zudem hat er Vorratskäufe beobachtet.
2007 war der Umsatz der Oetker-Nahrungsmittel um 8,1 Prozent auf 1,59 Mrd. Euro gestiegen. Sechs bis sieben Prozent Umsatzplus seien notwendig, „um unsere Ertragskraft zu stützen“, erläuterte der Pudding-König. Während das deutsche Geschäft nahezu stagnierte, wuchs das im Ausland um fast zehn Prozent. 59 Prozent des Umsatzes erzielt das Bielefelder Unternehmen in 38 Ländern außerhalb Deutschlands, die Quote dürfte in den kommenden Jahren noch steigen.
Wie hoch der Ertrag ist, verrät das Familienunternehmen traditionell nicht. Der Patriarch gab lediglich bekannt, das Ergebnis habe „im Plan“ gelegen.
Bei Frische-Produkten will Oetker den Marktführer Danone in immer mehr Ländern ablösen, etwa mit dem Kinder-Pudding „Paula“. Der erfolgreiche zweifarbige Nachtisch mit „Kuhflecken“ kommt jetzt in immer mehr Länder-Sortiment. Das Segment mit diesen Frische-Produkten wächst selbst in Deutschland noch. Oetker will hier weiter investieren und in drei Jahren schwarze Zahlen schreiben. Mitte April kommt etwa ein Gesundheitsdrink der Marke „Vitalis“ auf den Markt.
Die Pizza-Sparte, die ein Drittel des Umsatzes ausmacht, war auch 2007 mit einem Umsatzplus von elf Prozent der größte Wachstumstreiber. Die klassischen Nährmittel – Backmischungen, Dessertpulver, Fertiggerichte und Einmach-Zutaten – bilden mit 40 Prozent weiterhin den größten Sortimentsanteil. Mit Produkten, die jünger als zwei Jahre sind, erzielt Oetker inzwischen 15 Prozent seines Umsatzes.
Wie im Vorjahr will Oetker 2008 rund 100 Mio. Euro investieren, je zur Hälfte im In- und im Ausland. „China, Indien, USA und Südamerika sind die neuen Märkte, auf die wir unsere Kräfte konzentrieren“, sagte Oetker. Seit zwei Jahren erforscht das Unternehmen etwa den Markt in Indien. „Dabei haben wir festgestellt: Der Inder isst gerne süß, ähnlich wie die türkischen Konsumenten“, sagte der zuständige Geschäftsführer Volkmar Preuß. Deshalb rechnet sich der Manager große Erfolgschancen bei Desserts aus, „wegen der vielen Vegetarier im Land vielleicht auch bei Müslis“. Der US-Markt „wartet nicht gerade auf uns, dort gibt es eigentlich schon alles, was der Verbraucher braucht. Wir müssen einen Markteintritt sehr sorgfältig abwägen“, sagte der Firmenchef. Dennoch lockt vor allem der Pizza-Markt, in dem Oetker gut platziert ist. In Europa und den USA werden zusammen 92 Prozent aller Tiefkühlpizzen der Welt verkauft.


