Nach Ansicht von Korruptionswächtern hat der frühere Siemens-Vorstandschef Heinrich von Pierer unabhängig von einer möglichen Strafverfolgung ethisch falsch gehandelt. Der Konzernvorstand habe einen strengen Verhaltenskodex gegen Korruption aufgestellt, bei der Umsetzung aber die „Augen verschlossen“ und die Mitarbeiter alleingelassen, sagte Caspar von Hauenschild, Vorstandsmitglied von Transparency International Deutschland. Damit habe Pierer „grob fahrlässig“ gehandelt und seine Aufsichtspflichten verletzt.
Ob dies gegen das Gesetz verstoße, sei fraglich, sagte Hauenschild. „Unethisch“ sei es aber auf jeden Fall. Die Staatsanwaltschaft München hatte angekündigt, am Freitag bekanntzugeben, ob sie wegen der Korruptionsaffäre strafrechtlich gegen Pierer ermitteln wird. Wichtiger als diese Frage sei aber, dass der Ex-Manager endlich seine grundsätzlichen Führungsfehler einräume.
In vielen Ländern der Welt sei Korruption noch immer sehr verbreitet, sagte Hauenschild. In einigen Staaten sei es sogar schlicht nicht möglich, Bestechung komplett zu umgehen. „Es ist ein bisschen naiv anzunehmen, dass die Mitarbeiter in diesen Märkten trotz des Verhaltenskodex' ihre Zahlen erreichen“, sagte der Korruptionswächter. Darüber hätte sich Pierer Gedanken machen müssen.
Es sei möglich, dass der damalige Siemens-Chef nichts von den schwarzen Kassen im Konzern gewusst habe, sagte Hauenschild. „Er hätte sich aber fragen müssen, ob wirklich alle Geschäfte ohne Bestechung laufen.“
Siemens sei mittlerweile auf einem „guten Weg“ heraus aus der Korruptionsaffäre. Unter anderem sei auch der Verhaltenskodex überarbeitet worden. Inzwischen gebe es nicht nur die bloßen Vorschriften, sondern auch eine konkrete Beratung für Mitarbeiter zum Umgang mit Bestechung. Sollte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufnehmen, sei dies dennoch ein Schaden für das Unternehmen.
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