Der Schweizer Pharmakonzern Roche will seine amerikanische Tochtergesellschaft Genentech für 43,7 Milliarden Dollar (rund 28 Milliarden Euro) vollständig übernehmen. Den Aktionären sei ein entsprechendes Angebot unterbreitet worden, teilte Roche in Basel mit. Der Konzern hält seit 1990 eine Mehrheitsbeteiligung an dem US-Biotechnologieunternehmen und besitzt derzeit 55,9 Prozent.
Roche macht den Minderheitsaktionären ein Angebot von 89 Dollar pro Aktie. Der Preis entspricht einer Prämie von 8,8 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 18. Juli und einem Aufschlag von 19 Prozent im Vergleich zum Kurs vor einem Monat.
Roche erwartet von der vollständigen Übernahme Synergien von 750 bis 850 Millionen Dollar vor Steuern pro Jahr. Der Forschungsstandort von Genentech bei San Francisco soll erhalten bleiben. Mit der geplanten Zusammenführung entstehe das siebtgrößte Pharmaunternehmen in den USA.
Mit der Übernahmeankündigung hat Roche überraschend auch einen Rückgang von Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2008 bekannt gegeben. Der Reingewinn schrumpfte um 2,2 Prozent auf 5,732 Milliarden Franken (rund 3,6 Milliarden Euro). Die Erlöse gingen um 4,0 Prozent auf 22,0 Milliarden Franken zurück. Dabei verringerten sich die Verkäufe der größten Sparte Pharma um 6,0 Prozent auf 17,2 Milliarden Franken.
Der kleinere Geschäftsbereich Diagnostika setzte 4,7 Milliarden Franken um. Das war ein Plus von 4,0 Prozent. Bei den Pharmaerlösen machten sich die geringeren Verkäufe des Grippemittels Tamiflu negativ bemerkbar. Ohne das beim Menschen gegen Vogelgrippe wirksame Medikament nahmen die Pharmaverkäufe jedoch doppelt so schnell zu wie der Weltmarkt, wie Roche mitteilte.
Der Tamiflu-Umsatz sackte 71 Prozent ab, weil die Verkäufe an Regierungen ausblieben, die sich im Vorjahr für den Fall eines massenhaften Ausbruchs der Vogelgrippe vorsorglich mit dem Mittel eingedeckt hatten. Auch der schwache Dollar machte Roche nach eigenen Angaben zu schaffen.
AP/dpa/Reuters/oht



