Wenn es nur auf die offiziellen Verlautbarungen ankäme, könnten sich die Strategieabteilungen der deutschen Großbanken schon mal auf einen ausgedehnten Sommerurlaub vorbereiten. Die Sprachrohre der Konzerne erwecken tapfer den Eindruck, als säßen in der Branche alle still auf ihren Stühlen und warteten ab. Von Verhandlungen über neue Partnerschaften keine Spur.

Doch weit gefehlt: Hinter den Kulissen hat eine hektische "Reise nach Jerusalem“ begonnen. Und daran sind inzwischen so viele Spieler beteiligt, dass völlig offen ist, wer am Ende einen attraktiven Platz in der Kreditbranche ergattern wird – und wer als Verlierer übrig bleibt.

Noch vor wenigen Monaten sah es so aus, als sei die Postbank die einzig attraktive Braut auf dem Bankenparkett und könnte sich ihren Partner aus vielen Werbern aussuchen. Doch damit ist es vorbei. Inzwischen hat das Bonner Institut harte Konkurrenz bekommen: Die Citigroup bietet ihr deutsches Privatkundengeschäft feil. Und nach Informationen von Morgenpost Online ist auch die Partnersuche der Dresdner Bank weiter fortgeschritten als bislang bekannt. Die Allianz führe bereits seit Längerem Gespräche über einen Verkauf ihrer Tochter, sowohl im In- als auch im Ausland, sagten mehrere mit dem Verfahren vertraute Personen.


Im vergangenen Herbst soll es Kontakte auf höchster Ebene zur Deutschen Bank gegeben haben. Im März habe die Allianz bei der Commerzbank sogar grobe Preisvorstellungen abgeklopft. „Dabei ging es nicht nur um das Privatkundengeschäft der Dresdner, sondern um die gesamte Bank einschließlich der Investmentsparte“, sagte ein Beteiligter. In der Öffentlichkeit gibt sich Allianz-Chef Michael Diekmann zugeknöpft: „Derzeit finden Gespräche statt, die aber noch nicht das Stadium erreicht haben, dass ich darüber berichten könnte“, sagte er bei der Hauptversammlung Ende Mai lediglich.


Beobachtern zufolge hat sich der Versicherer nun für eine Doppelstrategie entschieden: Parallel zu einem reinen Verkauf der Dresdner verfolgt die Allianz eine Dreierlösung, bei der neben der Commerzbank auch die Postbank Partner wäre. Bequem ist die Situation für den Münchener Konzern trotz mehrerer Optionen nicht, denn alle Wege sind äußerst steinig. Ein Verkauf der Tochter könnte an deren kriselnder Investmentbanking-Sparte scheitern. Die Allianz muss jedoch auch eine Lösung für diesen Geschäftsbereich finden, wenn sie sich nach einem Partner für ihr Privatkundengeschäft umsehen will, weil die Investmentbank alleine als nicht überlebensfähig gilt.

Dreifusion gilt als nahezu ausgeschlossen

Andererseits gilt die Dreierfusion mit Post- und Commerzbank als äußerst kompliziert. „Ich halte es für nahezu ausgeschlossen, dass daraus was wird“, sagte ein beteiligter Banker Morgenpost Online. Ein Scheitern des Konstrukts träfe auch Commerzbank-Chef Martin Blessing. Alleine wird seinem Institut kaum zugetraut, einen zweistelligen Milliardenbetrag für die Postbank aufzubringen. Doch die Erwartungshaltung an den neuen Vorstandssprecher ist hoch. Umso unangenehmer wäre es für ihn, wenn sich die Negativserie seiner Vorgänger Martin Kohlhaussen und auch Klaus-Peter Müller fortsetzen würde: Ob bei der Berliner Bank, der Norisbank oder der Landesbank Berlin – bei allen großen Verkaufsprozessen der vergangenen Jahre ging man leer aus.

Diesmal besteht dieses Risiko auch für Spieler, die sich lange in einer komfortablen Situation wähnten. So wären alle drei angebotenen Institute attraktive Partner für die Deutsche Bank. Doch Deutschlands größtes Geldhaus steht vor dem Problem, dass es zugleich nach drei Stühlen greift, letztlich aber nur einen davon besetzen kann. Mehrere Personen im Umfeld des Instituts wollen erkannt haben, dass die Deutsche derzeit Dresdner oder Citibank reizvoller fände als die Postbank. Doch falls die Gespräche mit den ersten beiden scheitern sollten, könnte der Platz der Postbank bereits besetzt sein.

Postbank ist derzeit schwer verkäuflich

Andererseits ist auch längst nicht mehr sicher, dass die Deutsche Post tatsächlich einen Käufer für ihre Bankentochter findet. Das Interesse anderer Banken scheint lange nicht so rege zu sein wie erwartet. Etliche ausländische Kreditinstitute, die als heiße Kaufinteressenten gegolten hatten, hätten abgewinkt, berichten mehrere Beteiligte. Sie halten die Postbank, die an der Börse gut zehn Milliarden Euro wert ist, für überteuert – oder scheuen es, eine Bank zu übernehmen, deren Belegschaft zur Hälfte aus Beamten besteht und in der Gewerkschafter bestens organisiert sind.

Dazu kommt, dass von der Post nur gut 50 Prozent der Bank zu kaufen sind. Anschließend müsste sich der Käufer mit Minderheitsaktionären herumschlagen. Das alles macht die Postbank zu einem deutlich komplizierteren Übernahmeziel als die Dresdner oder die Citibank. Post-Chef Frank Appel muss um das Milliardengeschäft zittern.

Statt eines ruhigen Sommers steht den Bankern eines der vertracktesten Fusionsspiele der vergangenen Jahre bevor. Ein Vertreter eines großen Geldhauses seufzt schon: „Wie man es macht, kann es am Ende falsch sein.“