Angesichts der sich zuspitzenden internationalen Finanzkrise geht der Kurssturz an der japanischen Börse weiter. Der Leitindex Nikkei gab am Dienstag um 1,55 Prozent oder 162,02 Punkte nach auf 10.311 Zähler. Zeitweilig fiel das Börsenbarometer in Tokio unter die wichtige 10.000er-Marke und brach auf 9.916,21 Punkte ein, den niedrigsten Stand seit fast fünf Jahren. Zu den größten Verlierern zählten die Autohersteller: Mitsubishi verlor neun Prozent, Nissan 3,4 Prozent und Toyota 3,3 Prozent. (Stand 6:30 Uhr) Auch die Aktienindexe in Südkorea, Australien und Neuseeland waren im roten Bereich. In Hongkong wurde wegen eines Feiertags nicht gehandelt.
Sorgen über einen Abschwung der Weltwirtschaft hatten am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt gehen lassen. An der Wall Street herrschte bisweilen panikartige Stimmung. Zeitweise brach der Leitindex Dow um 800 Punkte ein und schloss mit minus 3,58 Prozent auf 9955,50 Zähler auf dem tiefsten Stand seit vier Jahren. Damit erholte er sich in der letzten Handelsstunde ein wenig von seiner spektakulären Talfahrt. In Asien und Europa waren die Börsen bereits am Montag in den Keller gegangen. Auch in Lateinamerika machte sich an den Aktienmärkten Panikstimmung breit.
Als Reaktion auf die Krise hat die australische Notenbank RBA ihren Leitzins überraschend kräftig gesenkt. Die Notenbank nahm den Zinssatz um einen Prozentpunkt auf 6,0 Prozent zurück und damit doppelt so stark wie am Markt erwartet. Dabei handelt es sich um die größte Leitzinssenkung in Australien seit 16 Jahren. Experten hatten lediglich mit einer Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt gerechnet. Die RBA begründete die deutliche Leitzinssenkung mit der vermuteten Abkühlung der Weltwirtschaft sowie den gestiegenen Refinanzierungskosten der Banken.
EU-Finanzminister wollen Krise verhindern
In der zugespitzten Finanzkrise will Europa große Bankenpleiten unbedingt verhindern. „Wir sind einig, dass wir vermeiden, dass systemrelevante Finanzinstitute den Konkurs anmelden müssen“, sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jean-Claude Juncker, am späten Montagabend in Luxemburg nach mehrstündigen Beratungen. „Die Mitgliedstaaten verbürgen sich dafür.“
Die deutsche Ankündigung einer gigantischen Garantie für Spareinlagen und ähnliche Maßnahmen in anderen Mitgliedstaaten führten zu einer Debatte über die Einlagensicherung. EU- Währungskommissar Joaquín Almunia kündigte an, das EU-Gesetz aus den 90er Jahren über Haftungsgrenzen solle rasch überarbeitet werden. Der EU-Mindeststandard, wonach nationale Einlagen bis 20.000 Euro geschützt sind, solle angehoben werden.
Steinbrück und Merkel kritisieren das HRE-Management
Die Zukunft der Hypo Real Estate bleibt auch nach der Aufstockung des Hilfspakets auf 50 Milliarden Euro ungewiss. Die Aktie des Dax- Konzerns stürzte erneut ab und verlor zeitweise mehr als zwei Fünftel an Wert. „Es bleibt offen, ob das Volumen des Rettungspakets diesmal ausreicht“, kommentierte ein Börsianer. HRE-Vorstandschef Georg Funke sah sich massiven Rücktrittsforderungen ausgesetzt.
Steinbrück ging hart mit dem HRE-Management ins Gericht und hielt eine weitere Zusammenarbeit für undenkbar. Ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesbankpräsident Axel Weber habe er erst am Samstagabend von der neuen Entwicklung erfahren. Regierung und Finanzwirtschaft hatten ein neues Rettungspaket schnüren müssen, nachdem der erste Hilfsplan Ende vergangener Woche gescheitert war. Die Finanzindustrie will die Notfallkredite für den Münchner Konzern auf nunmehr 30 Milliarden Euro verdoppeln. Einschließlich der in der ersten Runde vereinbarten Kredite beläuft sich das Gesamtpaket jetzt auf insgesamt 50 Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall müssten die Steuerzahler für Verluste von bis zu 26,5 Milliarden Euro geradestehen.
Merkel kritisierte, die von „unverantwortlichen Bankern“ verursachte Krise setze die soziale Marktwirtschaft unter hohen Druck. Deshalb müssten die Finanzmärkte stärker reguliert werden. Verbraucherschützer warnten: „Die meisten Menschen haben Angst, dass ihr Geld nicht mehr sicher ist.“
Merkel will im Bundestag eine Regierungserklärung zur Finanzkrise abgeben. FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, dies habe die Kanzlerin bei einem Treffen mit den fünf Fraktionschefs angekündigt. „Das ist auch dringend nötig“, sagte der FDP-Politiker. Es gebe noch viele offene Fragen zur Rettung der Hypo Real Estate und der Absicherung der Sparer. Zentraler Punkt aus Sicht Westerwelles ist nach den jüngsten Erfahrungen eine Überprüfung und Verbesserung der staatlichen Bankenaufsicht in Deutschland.
AP/dpa/dma




