Unter dem Druck der Kreditkrise verschafft sich der US-Mischkonzern General Electric (GE) mit Hilfe des Investors Warren Buffett eine massive Kapitalspritze. Insgesamt will sich der Siemens-Konkurrent GE 15 Milliarden Dollar (10,8 Mrd. Euro) frisches Kapital holen. Allein 3 Milliarden Dollar kommen von Buffetts Holding Berkshire Hathaway. Der Multimilliardär, der gerade erst in großem Stil bei der US-Bank Goldman Sachs einstieg, wird so zu einem der größten Geldgeber inmitten der schweren Krise.
„GE ist ein Symbol der amerikanischen Wirtschaft in der Welt“, sagte Buffett zur Begründung. Er sei ein „Freund und Bewunderer von GE“, fügte der Geschäftsmann hinzu, der mit einem Vermögen von rund 50 Milliarden Dollar der zweitreichste Mensch der Welt ist. Buffett zeigte sich überzeugt, dass der Elektrokonzern „in den kommenden Jahren erfolgreich sein wird“.
Buffetts Engagement gilt als massives Hoffnungszeichen für die mögliche Rückkehr auch anderer Investoren. Allerdings sicherte sich der 78-Jährige erneut lukrative Konditionen. Er kauft Vorzugsaktien für drei Milliarden Dollar mit einer Garantie-Dividende von zehn Prozent. Zudem hat Buffett in den kommenden fünf Jahren eine Option auf Aktien für weiter drei Milliarden Dollar, teilte das zweitgrößte US-Unternehmen GE in Fairfield mit. Zusätzlich mindestens zwölf Milliarden Dollar will GE an der Börse durch die Ausgabe neuer Stammaktien einsammeln.
GE hatte erst vergangenen Donnerstag überraschend vor sinkenden Gewinnen durch die Kreditkrise gewarnt. Die große Finanzsparte GE Capital leidet schwer unter den Folgen der Finanzmarktturbulenzen und belastet den Konzern massiv. General Electric will seine Abhängigkeit von dem Bereich stark verringern. An der Börse verlor GE im laufenden Jahr mehr als 30 Prozent an Wert, zählt aber noch zu den teuersten Unternehmen der Welt.
Die GE-Aktie verringerte am Mittwoch nach der Ankündigung der Kapitalerhöhung ihre zuvor starken Verluste deutlich und lag sogar kurz im Plus. Später gab sie aber wieder nach. Im Tagesverlauf hatten Spekulationen über möglicherweise noch größere Probleme bei GE das Papier belastet. Der unter Druck geratene Konzernchef Jeff Immelt sagte, die konjunkturellen Rahmenbedingungen blieben „wechselhaft“.
Bei Goldman Sachs war Buffett vergangenen Mittwoch mit fünf Milliarden Dollar ebenfalls in Form von vergünstigten Vorzugsaktien und Garantiedividende eingestiegen. Der überaus erfolgreiche Investor zählt weltweit zu den reichsten Menschen und lässt den Großteil seines Vermögens schrittweise der humanitären Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Frau Melissa zukommen.
Die von Buffett noch immer geführte Berkshire Hathaway mit Sitz in Omaha (Nebraska) besitzt heute über 70 Tochterfirmen und immense Aktienpakete zahlreicher Großkonzernen. Die Berkshire-Aktie ist das teuerste Papier an der Wall Street und kostete zuletzt rund 137.000 Dollar. Die Berkshire-Aktionäre nennen Buffett wegen seines guten Gespürs für Investments respektvoll „Orakel von Omaha“. Wie GE beschafften sich weltweit schon zahlreiche unter der Kreditkrise leidende Unternehmen frisches Kapital in Milliardenhöhe - vor allem Banken und Versicherer. Der Mischkonzern legt Ende nächster Woche seine Zahlen für das eben beendete dritte Quartal vor.
dpa/AFP/dma




