Kaum ist die letzte Preisrunde verdaut, droht schon die nächste. Im September und Oktober steigen die Kosten bei 33 Strom- und bei 199 Gasanbietern erneut. Für Gas müssen die Deutschen im Schnitt 232 Euro (16,4 Prozent) und für Strom 53 (6,23 Prozent) mehr pro Jahr bezahlen. Das hat das Vergleichsportal Tarifvergleich.de exklusiv für Morgenpost Online berechnet. "Bei einigen Anbietern ist dies bereits die zweite oder dritte Tariferhöhung in diesem Jahr. Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahresende vor allem im Gasbereich noch weitere Erhöhungen im zweistelligen Bereich hinzukommen werden", sagt Sprecherin Isabel Wendorff.

Besonders hart trifft es diesmal die Strom-Kunden der Stadtwerke Elmshorn in Schleswig-Holstein. Sie müssen mit 106 Euro über 13 Prozent mehr berappen. Auch die Stadtwerke Gaggenau in Baden-Württemberg verlangen mit zwölf Prozent einen vergleichsweise hohen Aufschlag. Die kräftigste Gaspreiserhöhung trifft Kunden der bayerischen Erdgas Allgäu Ost mit über 400 Euro – ein Plus von knapp 30 Prozent. Die hessische Maingau Energie verlangt ab Herbst ebenfalls über ein Viertel mehr von ihren Gaskunden. Verbraucherschützer raten die erneuten Preisrunden nicht einfach so hinzunehmen. Eine Möglichkeit ist der Wechsel zu einem günstigeren Anbieter. "Kunden müssen sich nur einen neuen Stromanbieter suchen und mit diesem einen Vertrag abschließen. Alles Weitere erledigt der neue Versorger. Wechselkosten gibt es ebenso wenig wie ein Risiko, nach dem Wechsel ohne Strom dazustehen", sagt Jürgen Schröder, Jurist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Wer sich für einen alternativen Anbieter entscheidet, kann häufig mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Morgenpost Online hat für zehn große deutsche Städte jeweils die günstigsten Alternativen zum Grundversorger zusammengestellt. Das höchste Einsparpotenzial im Strombereich gibt es für Kunden der Stadtwerke Leipzig. Ein Vier-Personen-Musterhaushalt zahlt dort für 4000 Kilowattstunden 959 Euro im pro Jahr, der Wechsel zum günstigsten Anbieter entlastet die Haushaltskasse um 177 Euro.


Auch der Gasmarkt kommt langsam in Schwung. Dort, wo es schon mehrere Wettbewerber gibt, wartet ein sattes Sparpotenzial auf Wechselwillige. Der größte Preisunterschied zwischen Grundversorger und günstigstem Konkurrenten findet sich wieder in Leipzig. Wer von den Stadtwerken wechselt, spart bei einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden über 600 Euro im Jahr.


Dennoch warnen Verbraucherschützer vor übereilten Entscheidungen. Rabatte sollten genau geprüft werden. Häufig entpuppten sie sich als Mogelpackungen. Etwa die derzeit besonders beworbenen Sozialrabatte für finanzschwache Familien. "Das sind werbewirksame Marketinggags, die genau hinterfragt gehören", sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher. Trotz der Nachlässe seien diese Angebote häufig immer noch teurer als günstige Tarife anderer Anbieter.


Auch Tarife mit Preisgarantie sollten Kunden hinterfragen. "Es spricht zwar generell nichts dagegen, einen Vertrag mit Preisgarantie zu nehmen", sagt Schröder. "Diese sollte aber nicht länger als ein Jahr sein". Längere Bindungen würden sich die Anbieter häufig teuer durch einen monatlichen Aufschlag bezahlen lassen. Zudem würden die Preise oft auf hohem Niveau eingefroren und voraussichtliche Preiserhöhungen bereits großzügig einkalkuliert.


Besonders kritisch sehen Energiemarktexperten Tarife mit Vorauskasse. "Bei Vorauskasse muss man sehr vorsichtig sein. Geht der Anbieter Pleite, ist das Geld weg", warnt Schröder. Auch Paket-Tarife, bei denen Energiekunden für einen bestimmten - vorher festgelegten - Verbrauch zahlen, seien eher nicht zu empfehlen. Der Kunde zahlt in diesem Modell nämlich auch dann den vollen Preis, wenn er tatsächlich viel weniger verbraucht. Bei Bonuszahlungen, die viele Anbieter als eine Art Begrüßungsgeld für neue Kunden bieten, kommen Verbraucher nicht um einen Blick ins Kleingedruckte herum. Meist werden diese nicht bei Vertragsabschluss, sondern erst bei der Jahresendabrechnung oder nach Ablauf eines Jahres ausgezahlt.

Zudem tummeln sich im Markt mittlerweile auch einige schwarze Schafe. Wer skeptisch ist, sollte sich vor Vertragsabschluss bei den Verbraucherzentralen vor Ort erkundigen (www.vzbv.de). Sie bekommen mit, wenn sich gegen bestimmte Anbieter die Beschwerden häufen. Gegen den Billiganbieter TelDaFax laufen derzeit zwei Klageverfahren der Verbraucherzentrale NRW - wegen unzulässiger Telefonwerbung und Preisklauseln. Auch das Verhalten von Eprimo beobachtet die Verbraucherzentrale NRW skeptisch. Über die Internetseite www.stromwechsel.de wirbt der Energieservice Deutschland für Beratung zum Anbieterwechsel. Es bestehe jedoch der Verdacht, dass tatsächlich nur Tarife von Eprimo angepriesen würden.