Altersvorsorge

So holen Sie bei Riester am meisten raus

Die Riester-Rente ist weiter auf dem Vormarsch. Allein in den vergangenen drei Monaten haben rund eine halbe Million Menschen einen Vertrag zur staatlich geförderten Altersvorsorge abgeschlossen. Morgenpost Online zeigt, was Sie tun müssen, damit sich Riestern richtig lohnt.

Die Riester-Rente ist zum Star der Altersvorsorge aufgestiegen. Dank üppiger staatlicher Zuschüsse und millionenschweren Marketingkampagnen der Finanzbranche wissen inzwischen 11,6 Millionen Bundesbürger um die Vorteile dieser Sparmethode. Doch kaum sparen alle eifrig mit, offenbart sich für viele Verbraucher die bittere Erkenntnis: Sie riestern falsch.

"80 Prozent aller Verträge sind nicht zielführend", sagt Niels Nauhauser, von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Oft belasten hohe Gebühren die Rendite und schmälern so die spätere Rente."


Der Experte für Finanzdienstleistungen hat die Kostenstrukturen von Riester-Versicherungen – dem mit neun Millionen Verträgen Lieblingsprodukt der deutschen Riester-Sparer - untersucht und ist zu ernüchternden Ergebnissen gekommen. So zehren die einmaligen Abschluss- und Vertriebskosten sowie die jährlich anfallenden Verwaltungsgebühren die staatlichen Zulagen teilweise auf. Bei einzelnen Anbietern bleiben in den ersten fünf Jahren nicht nur die staatlichen Zuschüsse, sondern sogar große Teile der Sparzulage hängen und wandern nicht auf das Altersvorsorge-Konto des Einzahlers. Da sich wegen des Zinseszinseffektes Abzüge gerade in den ersten Jahren besonders stark niederschlagen, bleibt für die Rente dann ein deutlich geringerer Betrag übrig. "Die Kostenunterschiede zwischen den Anbietern sind gewaltig", sagt Verbraucherschützer Nauhauser. "Riester-Sparer sollten vor dem Abschluss einer solchen Rente auf die jeweiligen Gebühren achten, die die Unternehmen detailliert aufschlüsseln müssen."


Ein Rechenbeispiel offenbart die Diskrepanz. Unterstellt wird eine 28-jährige Frau, die 36 Jahre lang den derzeitigen Höchstbetrag von 2100 Euro in eine fondsgebundene Rentenversicherung einzahlt. Bei einer angenommenen Rendite von fünf Prozent bekommt sie am Ende bei der Cosmos 191.000 Euro, bei der Axa sind es lediglich 165.000 Euro, also rund 26.000 Euro weniger. Die Differenz ist darauf zurückzuführen, dass bei der Axa die Abschlusskosten vier Prozent der Altervorsorgesumme betragen. Diese Gebühren werden in den ersten fünf Jahren von den Einzahlungen direkt abgezogen. So landen im Fallbeispiel schon einmal 2800 Euro statt im Riester-Spartopf beim Versicherer. Aufs Jahr gerechnet machen diese Abzüge 560 Euro aus – knapp vier Mal mehr als die staatliche Grundzulage von 154 Euro. Die laufenden Verwaltungskosten betragen noch einmal 164 Euro pro Jahr. Also wird die staatliche Zulage komplett aufgezehrt. Wer angesichts solcher Kostenunterschiede sein Recht auf einen Anbieterwechsel in Anspruch nimmt, kann nach Berechnungen von Nauhauser im schlimmsten Fall sogar fast das gesamte eingezahlte Kapital verlieren.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betont angesichts der Berechnungen, es könne nicht sein, dass die Dienstleistung der Versicherer umsonst zu haben ist: "Beratung muss etwas kosten", sagt Sprecher Peter Schwark. In Verträgen mit geringer staatlicher Zulagenquote - etwa wenn der Maximalbetrag bezahlt wird und keine Zulagen für Kinder und einen Partner anfallen - könne die Kostenquote anfangs die Zulagenquote erreichen, sagt Schwark. Zusätzliche Steuervorteile seien davon aber unberührt.

"Die Kosten sind bei Riester die entscheidende Komponente", sagt auch Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest. Er rät, ebenso wie Verbraucherschützer Nauhauser, Sparern mit teurem Vertrag, möglichst früh durch einen Anbieterwechsel die Weichen besser zu stellen. Auch wenn dies kurzfristig von Nachteil sei, rentiere sich ein Wechsel langfristig.


Unter dem Strich raten sämtliche Experten trotz der ernüchternden Ergebnisse zum Riestern, zumal Sparer, die gefördert vorsorgen wollen, nicht zwingend in die teuren Versicherungen einzahlen müssen. Alternativ können die Verbraucher auch über Fonds- und Banksparpläne riestern. Eine Gewissheit haben sie bei allen Riesteroptionen. "Verluste können nicht anfallen, am Ende des Vertrags bekommt jeder Sparer mindestens Einzahlungen plus Einlagen wieder heraus", sagt Tenhagen.