Wer in den Ferienmonaten im Ausland zum Handy greift, dem bleibt künftig womöglich der bekannte Schock danach erspart – nämlich dann, wenn die Rechnung kommt. Nach monatelangem Gezerre einigten sich die deutsche Ratspräsidentschaft, Vertreter der EU-Staaten und das EU-Parlament auf einen niedrigen „Euro-Tarif“.

Demnach müssen die Mobilfunkbetreiber in allen 27 EU-Staaten die beim mobilen Telefonieren im Ausland anfallenden Gebühren („Roaming-Kosten“) in den kommenden drei Monaten senken und verbindliche Preisgrenzen je Minute einhalten. Stimmen die Regierungen der Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament dem Kompromiss wie erwartet zu, sinken die „Roaming“-Gebühren in einem ersten Schritt auf höchstens 49 Cent je Minute für den, der anruft und auf 24 Cent für angenommene Telefonate. Bis 2009 sollen die Grenzen noch weiter sinken – im kommenden Jahr auf 46 Cent und im dritten Jahr auf 43 Cent. Die Gebühren für angenommene Anrufe sollen auf 22 und dann auf 19 Cent sinken – plus Mehrwertsteuer.

Die neue EU-Verordnung soll bis Mitte Juli in Kraft treten. Spätestens drei Monate danach soll der neue Euro-Tarif allen Mobilfunkkunden angeboten werden, sofern sie nicht ohnehin schon günstigere Tarife haben. Je nach EU-Staat können sich die Kunden damit in ihren Ferien auf niedrigere Kosten freuen.

Die Vertreter der Regierungen und des Parlaments einigten sich außerdem in der immerhin vierten Verhandlungsrunde auf Regelungen zu den Preisgrenzen zwischen den europäischen Mobilfunkanbietern sowie zur Kostentransparenz für den telefonierenden Kunden. Die EU-Regelung gilt zunächst drei Jahre.

„Ich begrüße diese Entwicklung. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren beim Roaming kaum entwickelt. Nun muss die Politik für günstigere Preise sorgen“, sagte die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler, die als Vorsitzende des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments an den Verhandlungen beteiligt ist.

Ähnlich wie beim Mobilfunk ging die EU bereits gegen Banken vor. Sie mussten ihre Gebühren für Euro-Überweisungen in der Euro-Zone auf Inlandsniveau senken.

Zu den wirtschaftlichen Konsequenzen wollten sich die deutschen Mobilfunkanbieter zunächst nicht äußern. Bei Vodafone hieß es, man müsse erst den kompletten Bericht abwarten und analysieren. „Regulierung ist in einem so wettbewerbsintensiven Markt nie gut. Daher bedauern wir die Entscheidung“, sagte T-Mobile-Sprecher Stefan Zuber. Man sei aber mit den bestehenden Tarifen bereits „nicht weit von den neuen Preisen entfernt“.

Das Ergebnis der Brüsseler Unterhändler sollen die Botschafter der Mitgliedstaaten an diesem Mittwochabend billigen. Änderungen sind nicht möglich, sondern nur eine komplette Ablehnung, was nicht erwartet wird. Das EU-Parlament wird dem Tarifpaket wohl am 24. Mai zustimmen. Geben wie geplant die Regierungen am 7./8. Juni formell ihr Plazet, gelten die neuen Roaming-Tarife spätestens ab Herbst für alle.