Auch die Landesbank Berlin (LBB) ist von der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers direkt betroffen. Ernste finanzielle Schwierigkeiten erwartet sie aber nicht. Das Institut halte unter anderem Schuldverschreibungen von Lehman, sagte ein LBB-Sprecher. Zum Umfang dieses Engagements machte er keine Angaben. „Die Auswirkungen der Lehman- Krise werden bei uns derzeit genau analysiert“, berichtete der Sprecher. Belastungen ergäben sich aus der Ausweitung der Risikozuschläge im Bankengeschäft in den vergangenen Tagen. Die Gesamtbelastung für die LBB liege aber „nicht im problematischen Rahmen“.

Die US-Regierung versucht indes mit milliardenschweren Rettungsaktionen, wenigstens die größten Unternehmen zu retten. Aktionäre rund um den Erdball sind verunsichert und verkaufen teils panikartig ihre Papiere. Erneut haben die führenden Notenbanken der Welt interveniert und mehrere zehn Milliarden Dollar in die Märkte gepumpt.

In Großbritannien soll die größte Hypothekenbank, die Halifax Bank of Scotland (HBOS), von Konkurrent Lloyds für 12,2 Milliarden Pfund (15,4 Milliarden Euro) übernommen werden. Zur Beschleunigung der Übernahme will die britische Regierung eine Ausnahme von kartellrechtlichen Vorschriften beantragen. Die neue Bank würde mehr als ein Viertel des britischen Hypothekenmarkts beherrschen.

In den USA bahnt sich unterdessen offenbar die nächste Mega-Fusion an: Medienberichten zufolge sprechen die Investmentbank Morgan Stanley und die Bank Wachovia Corp. über einen Zusammenschluss. Nach dem Konkurs von Lehman Brothers sowie dem Verkauf von Merrill Lynch und Bear Stearns sind Morgan Stanley und Goldman Sachs als letzte der einst fünf großen unabhängigen Investmentbanken in den USA übriggeblieben.

EZB stellt erneut 40 Milliarden zur Verfügung

Angesichts der verschärften Finanzkrise haben die führenden Notenbanken erneut frisches Geld in die Märkte gepumpt. Die Europäische Zentralbank (EZB) gab bekannt, dass sie gemeinsam mit der amerikanischen, britischen, kanadischen und Schweizer Notenbank dem Finanzsystem mehr Dollar zur Verfügung gestellt hat. Die Euroland-Währungshüter wollten weitere 40 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen.

Die Angst vor immer neuen Problemen in der Finanzwelt sorgt für ein dramatisches Auf und Ab an den Weltbörsen. Von Amerika über Asien bis Europa sackten die Kurse zeitweise drastisch ab, erholten sich aber teilweise wieder. Der russische Markt wurde bis Freitag geschlossen. Die Wall Street schloss mit einem Minus von 4 Prozent, der Hang Seng in Hongkong verlor zeitweise 7 Prozent, erholte sich dann aber wieder. Der Deutsche Aktienindex (DAX) schaffte bis gegen 14.00 Uhr ein Plus von mehr als einem Prozent.

Wert einstiger Finanzgiganten zusammengeschmolzen

Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben den Wert einstmals als fast unangreifbar geltender Giganten und Traditionsnamen der Finanzbranche massiv vermindert. So kostete die Aktie von Morgan Stanley am Mittwoch nur noch 21,75 Dollar. Der Höchststand innerhalb der vergangenen zwölf Monate lag bei fast 70 Dollar. Citigroup, einst größte Bank der Welt, sackte von 49 Dollar Höchstkurs auf 14 Dollar. Washington Mutual kostete binnen eines Jahres einmal 39 Dollar, am Mittwoch waren es nur noch 2 Dollar.

US-Präsident George W. Bush hat wegen der Finanzmarktkrise seine geplante Reise nach Alabama und Florida abgesagt. Der Präsident werde weiter mit seinen Wirtschaftsberatern die ernsten Herausforderungen an den US-Finanzmärkten erörtern, sagte sein Sprecher Tony Fratto. Bush konzentriere sich auf Maßnahmen, um die Märkte zu stabilisieren und das Vertrauen der Investoren wiederherzustellen.

AP/Reuters/ras/dpa/sh