Dem Vernehmen nach besteht zwischen der Dresdner Bank-Mutter Allianz und der Commerzbank Konsens, wie die Grundzüge der Transaktion aussehen soll. Danach wird es keine Fusion unter Gleichen geben, sondern die Commerzbank wird die Dresdner Bank übernehmen. Die unternehmerische Führung läge damit beim Commerzbank-Management. Die konkrete Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat sind allerdings noch offen.

Die Allianz wiederum soll knapp unter 30 Prozent an dem neuen Geldhaus halten und wäre künftig der enge Kooperationspartner der Commerzbank. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort, auch da sind sich beide Seiten einig, würde radikal zusammengestutzt. Analysten schätzen das Einsparpotenzial dieses Zusammenschlusses auf mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.


Seit Ende Juni verhandelt der Münchener Finanzkonzern intensiv mit der Frankfurter Großbank. Zwischenzeitlich standen die Verhandlungen immer wieder kurz vor dem Abbruch. Zuletzt gab es am vergangenen Donnerstag ein Spitzentreffen auf Vorstandsebene in München. Die Gespräche sollen in den nächsten Tagen fortgesetzt werden. Eine Einigung noch in dieser Woche ist möglich.


Immer noch in der Diskussion sind Verkaufspreis und Risikoabschirmung. Offenbar wird ein Gesamtpreis von etwas mehr als neun Milliarden Euro für die Dresdner Bank anvisiert. Allerdings müsste die Allianz der Commerzbank einen Risikoschirm in Höhe von rund einer Milliarde Euro garantieren, falls weitere Wertberichtigungen auf Dresdner-Bank-Aktiva anfielen. Diese Garantie müsste rechnerisch vom Kaufpreis abgezogen werden. Um die Transaktion finanzieren zu können, muss sich die Commerzbank möglicherweise von ihrem Vermögensverwalter Cominvest und ihrer Linde-Beteiligung trennen.

Der Kunde soll zurück in den Mittelpunkt

Außerdem könnten technische Details die Transaktion noch scheitern lassen, ohne dass diese Punkte näher benannt wurden. Der komplette Deal könne noch am Kleingedruckten scheitern, heißt es in informierten Kreisen.

Beide Seiten sehen die Dringlichkeit, schnell zu einer Einigung zu kommen: „Es liegen die immer gleichen Punkte auf dem Tisch, keiner will sie mehr sehen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person: „Es muss jetzt zu Ende gehen – so oder so.“ Dabei sorgt gar nicht mal die geplante Aufspaltung der Dresdner Bank ins Privatkunden- und Kapitalmarktgeschäft, die bis zum 31. August abgeschlossen sein soll, für Druck. Die ließe sich entgegen früherer Aussagen verschieben. Viel schwerer wiegt die Anspannung, die Manager und Mitarbeiter belastet: „Wir müssen uns endlich wieder auf Kunden konzentrieren und nicht über Fusionen diskutieren“, sagt ein Banker.

Informationen der Welt am Sonntag zufolge hat die Allianz in den vergangenen Wochen intensiv noch eine andere Option für den Dresdner-Bank-Verkauf an einen Finanzkonzern im Ausland verfolgt, dem Vernehmen nach in China. Seit Wochen gibt es Spekulationen, dass die China Development Bank an der Dresdner Bank interessiert sei. Diese Verhandlungen sind offenbar nicht so weit fortgeschritten wie mit der Commerzbank.