Allianz, Axa und Co.

Finanzkrise trifft Versicherer mit voller Wucht

Erst traf die Finanzkrise die Banken, jetzt sind die Versicherer dran. Die Allianz verabschiedete sich klammheimlich von ihren mittelfristigen Unternehmenszielen – und auch andere Assekuranzen schlagen plötzlich vorsichtigere Töne an. Müssen die Kunden um ihre Einlagen fürchten?

Foto: picture-alliance / dpa / dpa

Die Finanzkrise schlägt nun auch mit voller Wucht auf die Versicherer durch. Nachdem Banken bereits zu Jahresbeginn größtenteils ihre Gewinnprognosen kassieren mussten, stimmt inzwischen auch die Assekuranz vorsichtigere Töne an. Vor allem die seit Monaten sinkenden Kurse an den weltweiten Börsen belasten die Gewinne bei den Finanzinstituten. Der größte europäische Versicherer Allianz verabschiedete sich am Donnerstag von seinen mittelfristigen Ergebniszielen. Auch Top-Konkurrenten wie AIG und Axa kämpfen mit dem Abwärtsstrudel an den Aktienmärkten.

Experten gehen aber nicht davon aus, dass die Branche so empfindlich ins Mark getroffen wird, wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem darauf folgenden Kurssturz an den Börsen. Auch Versicherungsnehmer brauchen – zumindest zunächst – wohl mit keinen Einbußen rechnen.


„Die Finanzmarktkrise hinterlässt Spuren in unserem Geschäft“, zog Allianz-Chef Michael Diekmann Bilanz der vergangenen Monate. Der Überschuss fiel von April bis Juni um 28 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Wegen anhaltend schwieriger Marktbedingungen könne das Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von zehn Prozent bis 2009 nicht aufrecht erhalten werden. Vor allem im Bankgeschäft, das fast vollständig von der Dresdner Bank getragen wird, sei eine verlässliche Prognose nicht möglich. Die Bank, die in Deutschland mit am härtesten von der seit einem Jahr anhaltenden Finanzkrise getroffen ist, schrieb von April bis Juni den vierten Quartalsverlust in Folge.

Auch der zweitgrößte deutsche Erstversicherer AMB Generali rückte von seinem Ziel ab, 2008 einen Gewinn von 450 Millionen Euro zu erreichen. Im Gegensatz zur Allianz schlug sich die Krise bei der Tochter des italienischen Versicherers Generali aber nicht im Umsatz nieder. Während bei AMB Generali die Beitragseinnahmen stiegen, kämpfte die Allianz wegen des Abwärtstrends an den Börsen vor allem mit einem Rückgang bei den fondsgebundenen Produkten. Die Schaden- und Unfallsparte lag etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals.

Allianz kommt noch relativ gut weg

Ein großes Problem für Versicherer neben der Zurückhaltung von Kunden sind die Kapitalmärkte: Zusätzlich zu Investitionen in US-Krisenpapiere, deren Umfang bei Versicherern geringer ist als bei Banken, schlagen Kursverluste an den Börsen direkt auf das Anlageergebnis der Konzerne durch. Die Institute legen die Prämieneinahmen ihrer Kunden an den Kapitalmärkten an. Im Schnitt stecken etwa zehn Prozent in Aktien, der Rest in festverzinslichen Papieren. Anders als bei früheren Finanzkrisen sind diesmal jedoch auch die als weniger risikoreich geltenden Anleihen von Preisabschlägen betroffen.

Im Gegensatz zu internationalen Konkurrenten kamen die deutschen Institute recht gut weg: Der weltgrößte Versicherer AIG schrieb im zweiten Quartal einen Verlust von 5,4 Milliarden Dollar. Wertkorrekturen auf Aktien und festverzinsliche Papiere drückten den Gewinn der französischen Axa um ein Drittel auf 2,2 Milliarden Euro.

Trotz aller negativen Nachrichten sehen Experten keine generelle Bedrohung der Branche. „Die Frage nach existenziellen Risiken stellt sich für die Versicherer im Gegensatz zu den Banken nicht“, sagte Finanzexperte Wolfgang Gerke. Es sei nicht abzusehen, dass es bei den Versicherern zu Einbußen wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001 komme. „Die Branche steht operativ besser da als damals.“

Auch Verbraucher müssen vorerst keine geringere Verzinsung ihrer Einlagen fürchten. „Die Gewinnsituation der Unternehmen hat nicht unmittelbar etwas mit der Überschussbeteiligung zu tun“, sagte der Geschäftsführer für Lebensversicherungen beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Peter Schwark. „Sie reagiert nur auf längerfristige Trends.“ 2008 könnten Kunden mit einer Gesamtverzinsung von „ungefähr fünf Prozent“ rechnen, so viel wie 2007. 2009 sei mit keiner größeren Veränderung zu rechnen. Allianz-Finanzchef Helmut Perlet betonte ebenso: „Es gibt aus heutiger Sicht keinen Anlass, dass sich an der Überschussbeteiligung etwas ändern müsste.“