Gerade hatten viele Deutsche die USA als Urlaubsziel entdeckt. Der hohe Eurokurs ließ die Hotelpreise in New York endlich erschwinglich erscheinen, rückte Florida plötzlich in Konkurrenz zu Gran Canaria und lud zur Glückssuche in Las Vegas ein. Doch kaum hatte man sich daran gewöhnt, eine starke Währung zu besitzen, dreht der Devisentrend wieder.

In den vergangenen Tagen ist der Eurokurs drastisch gesunken. Noch vor Monatsfrist war er 1,60 Dollar wert, in der vergangenen Woche sank er unter 1,50 Dollar, zeitweise sogar bis auf 1,48 Dollar. Und Experten sagen einen weiteren Rückgang voraus. Doch während dies die Freude an US-Trips etwas vermiest, gibt es den Deutschen die Chance, die USA auf andere Weise näher kennenzulernen: als Anleger. Denn Anlagen in Dollar und US-Aktien werden attraktiver und auch europäische Firmen mit hohem Umsatzanteil jenseits des Atlantiks profitieren vom erstarkenden Dollar.


"Wir sehen beim Eurokurs eine echte Trendwende“, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt für Europa der Deutschen Bank. Die hohen Kurse der vergangenen Monate hätten darauf basiert, dass die europäische Wirtschaft überschätzt wurde. Doch in den vergangenen Wochen kamen ständig neue Horrormeldungen über die Konjunkturaussichten. „Dadurch setzte sich die Meinung durch, dass sich die USA besser schlagen werden, vor allem weil die Politik dort früher und schneller reagiert hat.“

Hans Redeker, Chef der Währungsstrategie bei BNP Paribas, sieht noch einen weiteren Grund. Die Notenbanken der Schwellenländer haben in den vergangenen Monaten massiv in Euro investiert. „In den vergangenen zwölf Monaten haben sie rund 360 Milliarden Euro gekauft“, sagt Redeker. Doch die Währungsreserven der Zentralbanken in den Schwellenländern wachsen inzwischen deutlich langsamer, seit das Wirtschaftswachstum in diesen Staaten nachlässt und auch die Ölpreise sinken und damit die Zuflüsse nachlassen.

Die Talfahrt des Euro geht weiter

Redeker sieht den Euro daher weiter sinken, bis zum Ende dieses Jahres werde er nur noch 1,40 Dollar wert sein. Und danach werde es stetig weiter bergab gehen. „In etwa fünf Jahren werden wir wieder eine Euro-Dollar-Parität sehen“, ist er überzeugt. Damit wagt sich Redeker deutlich weiter aus dem Fenster als die meisten seiner Kollegen. Dennoch sieht der Großteil von ihnen inzwischen einen langfristigen Trend zu einem stärkeren Dollar. Zu weit hatte sich die Währung in den vergangenen Monaten von einem Umtauschverhältnis entfernt, das den ökonomischen Fundamentaldaten entsprach – egal, wo genau die Ökonomen den jeweiligen fairen Umtauschkurs ansetzen.

Mit einer allmählichen Aufwertung des Dollar werden jedoch auch einerseits Anlagen in die US-Währung wieder attraktiv und andererseits Investments in US-Aktien oder Unternehmen, die einen großen Anteil ihres Umsatzes in Amerika erzielen. Die simpelste Methode, auf einen steigenden Dollarkurs zu setzen, wäre natürlich zur Bank zu gehen, und Euro in Dollar zu tauschen. Allerdings bleibt die Frage, wo das Geld verwahrt werden soll. Währungskonten, die in Dollar geführt werden, sind daher die bessere Alternative. Angeboten werden sie beispielsweise von der Comdirect oder American Express. Daneben bieten sich auch Geldmarkt- oder Rentenfonds an, die auf Anlagen in Dollar setzen und bei allen Banken erworben werden können.

Hohe Gewinnmöglichkeiten mit Zertifikaten

Wer die Gewinnmöglichkeiten vergrößern, aber auch ein höheres Risiko eingehen möchte, kann mit Zertifikaten auf die Devisenkursschwankungen setzen. Den größten „Hebel“, also die größten Chancen und Risiken, bieten dabei sogenannte Knock-out-Zertifikate. Sie haben eine Schwelle, die der Kurs nicht überschreiten darf, sonst verfällt das Papier wertlos. Dafür vervielfacht es Gewinne des Dollar umso stärker, je näher der aktuelle Kurs an der Knock-out-Schwelle liegt. Das Gleiche gilt allerdings eben auch für Verluste.

So hat ein Papier von HSBC Trinkaus (WKN: TB1GUZ) beispielsweise einen Hebel von 13, es vervielfacht Dollargewinne also um den Faktor 13. Steigt der Eurokurs jedoch über die Schwelle von 1,6029 Dollar, ist das Zertifikat wertlos. Wer weniger Risiko eingehen möchte, kann beispielsweise auf ein Papier von ABN Amro setzen (AA0QZF). Hier liegt die Schwelle bei 1,8926 Dollar je Euro. Dafür liegt der Hebel nur bei 3,7.

Wer es dagegen lieber klassisch mag, kann auf Aktien setzen. Dafür bieten sich einerseits amerikanische Papiere an. Selbst wenn deren Kurse stagnieren sollten, würden Euro-Anleger allein dadurch gewinnen, dass der Dollar erstarkt. Wer sich nicht wirklich gut mit amerikanischen Aktien auskennt, sollte jedoch eher auf einen Fonds zurückgreifen und dem Manager die Auswahl der Einzeltitel überlassen. Wichtig dabei: Viele Fondsgesellschaften bieten ihre Amerika-Fonds in einer währungsgesicherten und einer nicht währungsgesicherten Variante an. Natürlich haben erstere in den vergangenen Jahren – in Euro gerechnet – wesentlich besser abgeschnitten und weisen deutlich bessere Zuwachsraten auf. Geht es nun jedoch mit dem Euro wirklich bergab, so wird sich dieses Bild in den kommenden Jahren umkehren und dann wird die nicht währungsgesicherte Variante die Nase vorn haben.

Schließlich können Anleger auch auf europäische Unternehmen setzen, die einen großen Teil ihres Umsatzes in den USA machen, aber gleichzeitig einen hohen Anteil ihrer Kosten in Euro abrechnen. Dazu gehört beispielsweise der Flugzeughersteller EADS, der drei Viertel seines Umsatzes in Dollar erzielt, dessen Kosten aber nur zu 28 Prozent im Dollarraum anfallen. Daher wundert es nicht, dass der Aktienkurs in den vergangenen beiden Wochen bereits um über 30 Prozent gestiegen ist. Die Autobauer Porsche (35 Prozent Umsatz / 0 Prozent Kosten) und BMW (30/20), Siemens (40/35) oder SAP (35/30) weisen ebenfalls ein positives Verhältnis von US-Umsatz und Dollarkosten auf.

Über all diesen Anlagemöglichkeiten schwebt jedoch stets die Gefahr, dass die Devisenmärkte doch wieder anders reagieren, als viele Experten es prognostizieren. Das wäre nicht das erste Mal. Aber immerhin würde dann ein Urlaub in den USA noch attraktiver.

Hintergrund: Wie stark ist der Euro im Verhältnis zum US-Dollar noch überbewertet?

Fairer Wert

Devisenkurse bewegen sich in sehr langfristigen Trends. Regelmäßig kommt es dabei zu Übertreibungen – in die eine oder andere Richtung. Um ermessen zu können, wie stark die Über- oder Unterbewertung ist, berechnen Ökonomen einen fairen Wert, einen Kurs der den ökonomischen Fakten entspräche.

Überbewertet

Über die vergangenen Jahre errechneten Experten regelmäßig einen fairen Wert von 1,15 bis 1,20 Dollar je Euro. Vor diesem Hintergrund wäre die europäische Währung seit Jahren massiv überbewertet.

Fragliche Basis

Zuletzt stellten einige Ökonomen die Berechnung jedoch in Frage. Sie basiere rein auf Zahlen aus der Vergangenheit und berücksichtige nicht die gewachsene internationale Bedeutung des Euro. Sie gehen daher davon aus, dass der faire Wert höher liegt, bei 1,30 bis 1,40 Dollar.