Versicherungen

Die Finanzkrise verhagelt der Allianz die Zahlen

Der Münchner Allianz macht die internationale Finanzkrise von Quartal zu Quartal stärker zu schaffen. Jetzt muss der Finanzkonzern seine mittelfristigen Gewinnziele zurücknehmen. Besonders problematisch laufen die Geschäfte beim Tochterunternehmen Dresdner Bank.

Die erfolgsverwöhnte Allianz muss sich wegen der Finanzkrise von ihren mittelfristigen Gewinnzielen verabschieden. Die Krise treffe den Münchner Finanzkonzern immer stärker, räumte Vorstandschef Michael Diekmann ein. „Wir erwarten auch für 2009 ein Anhalten dieser schwierigen Marktbedingungen, deshalb können wir das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von zehn Prozent bis 2009 nicht aufrecht erhalten.“

Insbesondere im Bankgeschäft, das fast vollständig von der Dresdner Bank getragen wird, sei eine verlässliche Prognose nicht möglich. Der Dax-Konzern will – ohne Berücksichtigung des Bankergebnisses – aber in diesem und nächsten Jahr zumindest auf ein operatives Ergebnis von mindestens neun Milliarden Euro kommen. Die Finanzkrise hatte zuletzt an den Börsen zu starken Kursrückgängen geführt und die Konjunkturperspektiven in weiten Teilen der Welt eingetrübt.


Das spürte die Allianz auch im zweiten Quartal: Der Überschuss fiel im Zeitraum April bis Juni um 28 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, wie die Münchner mitteilten. Von Reuters befragte Analysten hatten mit 1,31 Milliarden Euro gerechnet. Die Dresdner Bank bleibt das Sorgenkind des Konzerns. Sie häufte im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 545 Millionen Euro an. Die Abschreibungen im Zuge der Finanzkrise bezifferte die Allianz auf 286 Millionen Euro. Bislang summierten sich die Belastungen der Dresdner Bank auf 2,5 Milliarden Euro. Die operativen Erträge des Geldhauses brachen um etwa zwei Drittel auf 635 Millionen Euro ein. Im Investmentbanking, das seit langem in einer Krise steckt, fielen Handelsverluste von 627 Millionen Euro an.


Der Versicherungsriese hat seine Tochter mehrfach umgebaut – bis jetzt ohne durchschlagenden Erfolg. Ein Verkauf wäre nach Einschätzung von Analysten ein Befreiungsschlag und könnte den Aktienkurs beflügeln. Derzeit wird die Dresdner Bank in zwei eigenständige Einheiten aufgespalten – eine für das Privat- und Firmenkundengeschäft sowie die Investmentbank. Das erleichtert eine spätere Zerschlagung.

Allerdings ist ein schneller Verkauf nicht in Sicht. Als Favorit galt bislang die Commerzbank, als weiterer Interessent die spanische Großbank Santander. Die Gespräche stocken Finanzkreisen zufolge aber im Moment wegen ungeklärter Bewertungsfragen. Die Allianz hatte die Dresdner Bank 2001 für 24 Milliarden Euro übernommen. Analysten schätzen ihren Wert jetzt noch auf acht bis zehn Milliarden Euro.