Ein privater Berufsunfähigkeitsschutz gehört für die meisten zum Pflichtprogramm. Denn wer sich nicht absichert, muss mit erheblichen Einschränkungen des Lebensstandards rechnen. Die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung reichen zur Absicherung des Lebensstandards bei weitem nicht aus. Auf die steigende Nachfrage reagieren die Versicherungen: Die Zahl der Angebote steigt. Und auch wenn viele Menschen wegen einer gesundheitlichen Vorbelastung gar keine Police abschließen können, werden die Versicherungen immer besser. „Der Schutz vor Berufsunfähigkeit gehört sicher zu den wichtigsten Versicherungen“, sagt Martina Brehme, Beraterin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Während es vor einigen Jahren nur wenig empfehlenswerte Angebote gegeben habe, hätten die Anbieter inzwischen nachgelegt. „Die Auswahl ist für die Verbraucher inzwischen sehr gut.“
Das zeigt auch die jüngste Untersuchung von „Finanztest“ in Berlin. Die Versicherungsexperten haben für 26 häufige Berufe die Anträge, die angebotenen Laufzeiten und die Versicherungsbedingungen bewertet. Unter dem Strich wurden 16 Angebote mit „sehr gut“ und 24 mit „gut“ beurteilt. Die Note „befriedigend“ erhielten sieben Angebote, acht Angebote bekamen die Bewertung „ausreichend“.
Der finanzielle Aufwand für die Vorsorge ist allerdings erheblich: Wer im Büro arbeitet und als Nichtraucher einen Vertrag über 35 Jahre abschließt, muss für eine Monatsrente von 2000 Euro als Mann 1100 Euro im Jahr zahlen – Frauen sogar 200 Euro mehr. „Und für Menschen, die im Gegensatz zu Diplomkaufleuten körperlich arbeiten, wird die Versicherung in jedem Fall teurer“, sagt Brehme. Auch Raucher zahlen mehr.
Da ist es umso bedeutender, dass alle Kriterien bei der Auswahl stimmen – und auf den Einzelnen passen. Für besonders wichtig halten beispielsweise die Experten vom Bund der Versicherten, dass die Versicherungen im Vertrag darauf verzichten, ihre Kunden im Versicherungsfall auf einen anderen Beruf zu verweisen. Zudem sollten Antragsteller darauf achten, dass die Unternehmen die Berufsunfähigkeit schon dann anerkennen, wenn ein Arzt sie für „voraussichtlich sechs Monate“ diagnostiziert.
Ebenso sollte ein Schutz bestehen, wenn der Versicherte seine Krankheit verspätet meldet. Versicherungsexperte Florian Overbeck empfiehlt zudem, Vorkehrungen für spätere Erhöhungen der Berufsunfähigkeitsrente zu treffen. So könnten beispielsweise Auszubildende zunächst mit einer geringeren Rente beginnen – eine umfassende Absicherung ist bei dem geringen Verdienst meist nicht möglich. Mit höherem Einkommen können höhere Beiträge gezahlt und der Versicherungsschutz so aufgestockt werden. „Grundsätzlich raten wir aber dazu, die Versicherung so früh wie möglich abzuschließen.“
Bei einer Erhöhung gibt es jedoch einen entscheidenden Haken: Wenn nichts Gegenteiliges vereinbart ist, müssen Versicherungskunden vor einer Erhöhung der Rente eine erneute Gesundheitsprüfung ablegen, erläutert Overbeck. Um das zu verhindern, sollte eine Nachversicherungsgarantie vertraglich festgehalten werden. Damit darf zu wichtigen Anlässen – wie einer Heirat, der Geburt eines Kindes oder einer deutlichen Einkommenserhöhung – die Rente ohne Gesundheitsprüfung erhöht werden.
Für unverzichtbar hält Versicherungsexperte Overbeck ein zweites Mittel, um die Rente auf ausreichendem Niveau zu halten: Verbraucher sollten Wert darauf legen, dass die Rente regelmäßig steigt – durch die Vereinbarung einer sogenannten Dynamik. „Wegen der Preissteigerung ist das sehr wichtig. Der gleiche Betrag ist ja in ein paar Jahren weniger wert, und dann reicht die Rente möglicherweise nicht mehr aus.“




