HSBC-Chef Stephen Green sprach von den "schwierigsten Bedingungen an den Finanzmärkten seit Jahrzehnten". Der neue Fortis-Chef Herman Verwilst warnte vor weiteren Belastungen: "Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten und im Finanzsektor sind sicher noch nicht vorbei", sagte er. Die Krise werde wohl bis ins Jahr 2009 dauern. Auch die HypoVereinsbank äußerte sich trotz eines guten zweiten Quartals vorsichtig.
Nachdem HSBC lange als Gewinner der Finanzkrise galt, schlugen im ersten Halbjahr dieses Jahres Wertberichtigungen von 14 Mrd. Dollar (rund 9 Mrd. Euro) zu Buche. Verantwortlich dafür waren vor allem Abschreibungen auf US-Hypothekendarlehen. Im Nordamerika-Geschäft schrieb die größte Bank Europas deshalb einen Verlust von 2,9 Mrd. Dollar. Dagegen lief das Geschäft in Europa und Asien weiterhin gut. In den ersten sechs Monaten verdiente der Konzern insgesamt 7,72 Mrd. Dollar, knapp ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum.
Green stellte keine rasche Entspannung an den Finanzmärkten in Aussicht. "Bevor sich die Wirtschaft von dieser Krise erholt, dürfte es eher noch schlechter werden", betonte er. Zugleich warnte er vor einer Konjunkturabkühlung. Auch in den Schwellenländern werde sich das Wachstum verlangsamen.
Noch stärker erwischte die Finanzkrise den Fortis-Konzern. Der Gewinn brach im zweiten Quartal auch infolge erneuter Abschreibungen von 362 Mio. Euro um die Hälfte auf 830 Mio. Euro ein. Nun will sich der Konzern von weiteren Unternehmensteilen trennen. Im Laufe des zweiten Halbjahrs will Verwilst Details dazu bekannt geben.
Bereits im dritten Quartal will Fortis den Verkauf des niederländischen Geschäfts von ABN Amro an die Deutsche Bank abschließen. Das Ergebnis von Fortis könnte dem Vorstand zufolge dadurch mit 900 Mio. Euro belastet werden. Fortis hatte ABN Amro auf spektakuläre Weise gemeinsam mit der britischen Royal Bank of Scotland und der spanischen Banco Santander übernommen, leidet aber seither unter dem hohen Preis für die Übernahme.
Im Gegensatz zu HSBC und Fortis hat die UniCredit-Tochter HypoVereinsbank im zweiten Quartal kaum Blessuren erlitten. Nachdem die Finanzkrise die HVB im ersten Vierteljahr 550 Mio. Euro kostete, blieb es jetzt bei Belastungen von 40 Mio. Euro. Dadurch verbuchte die Bank einen Gewinn von 476 Mio. Euro nach Steuern, nach einem Verlust von 282 Mio. im Vorquartal.
Vorstandschef Wolfgang Sprißler dämpfte dennoch die Erwartungen: "Von einer nachhaltigen Stabilisierung der Finanzmärkte kann man noch nicht sprechen", sagte er. Außerdem bleibe abzuwarten, wie sich die Turbulenzen auf die Realwirtschaft auswirken werden. Bereits der Juli sei für die HVB "nicht überschäumend" gelaufen, auch wenn keine größeren Abschreibungen aufgetreten seien. Eine Prognose für das Gesamtjahr sei nach wie vor nicht möglich. Auch zum geplanten Abbau von 2000 bis 2500 Stellen will Sprißler erst im Herbst Details nennen.
jos/Reuters/dpa





