Übernahmespekulation

Daimler rüstet sich zur Abwehrschlacht

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Marco Dalan

Die Gefahr scheint akut: Weil Daimler seit Januar gut 21 Milliarden Euro an Börsenwert verloren hat, gilt der Autokonzern als Übernahmekandidat. Nun arbeitet Daimler an Abwehrmaßnahmen. So könnte ein ausländischer Staat zum schützenden Großaktionär werden.

Während Dieter Zetsche Ende Juli in seinen Jahresurlaub geflogen ist, spekulieren die Finanzmärkte weiter über den Einstieg eines feindlichen Großinvestors bei dem Stuttgarter Autohersteller. „Dass ein Finanzinvestor sich an Daimler beteiligt, ist sehr gut vorstellbar“, sagt Frank Biller, Autoanalyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zuletzt gab es Gerüchte über einen Einstieg des schwedischen Finanzinvestors Cevian Capital bei Daimler. Das wurde bislang jedoch von keiner Seite bestätigt.

Die Angst vor einer Übernahme der deutschen Autoikone oder zumindest der Einstieg eines größeren unerwünschten Investors ist durch den Kurseinbruch von Daimler nach der Gewinnwarnung vor zwei Wochen geschürt worden. Die Stuttgarter kommen derzeit auf eine Marktkapitalisierung von knapp 39 Mrd. Euro – im Januar waren es noch mehr als 60 Mrd. Euro gewesen. Hinzu kommt, dass die Stuttgarter im Gegensatz zu BMW oder Volkswagen keine schützenden Großaktionäre haben. Bei BMW bildet die Familie Quandt mit einem Anteil von 46,6 Prozent ein schier unüberwindbares Bollwerk und bei VW hält Porsche rund 31 Prozent der VW-Anteile.


Daimler selbst gibt sich gelassen. Eine Übernahme sei zwar möglich, aber wenig wahrscheinlich, sagte Konzernchef Zetsche bei der Vorlage der Quartalszahlen Ende Juli. Auch die Aussagen von Finanzvorstand Bodo Uebber hätten weiter Bestand. „Wir haben keine Angst vor einer Übernahme“, sagte Uebber der Morgenpost Online bereits im Mai.

Dennoch war das Thema feindliche Übernahme zuletzt Inhalt von Gesprächen im Aufsichtsrat. „Auch auf der nächsten Sitzung im September dürfte das Thema wieder angesprochen werden“, sagt ein Mitglied des Kontrollgremiums dieser Zeitung. Auf der Sitzung könnte Daimler dann auch weitergehende Abwehrpläne präsentieren, die offenbar mit der Deutschen Bank ausgearbeitet werden, wie die „FTD“ berichtet. Dazu zählt auch die Suche nach einem sogenannten „Ankerinvestor“. Diese Rolle könnte das Emirat Kuwait einnehmen. Kuwait hält bereits heute 7,6 Prozent an Daimler. Der Rest der Anteile ist im Streubesitz.

Daimler plant angesichts der schleppenden Autokonjunktur, die Produktion in den deutschen Werken insgesamt um 45.000 Fahrzeuge bis zum Jahresende zu drosseln. Der Absatz der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars (Mercedes-Benz, Smart, Maybach) stieg unterdessen in den ersten sieben Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent auf 773.200 Fahrzeuge. Von der Marke Mercedes-Benz verkauften sich 691.900 Autos. Das entspricht einem Plus von 3,4 Prozent. Im Juli verringerte sich der Mercedes-Absatz allerdings um ein Prozent.