Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet zu einer möglichen Zinserhöhung im Juli haben zu Verlusten an den Aktienmärkten geführt und den Euro kräftig angetrieben. Der Dax drehte zeitweise 0,4 Prozent ins Minus, nachdem Trichet sagte, dass er für Juli keine Zinserhöhung ausschließe. „Trichet hat für Juli eine Zinserhöhung in Aussicht gestellt. So eindeutig hat er das noch nie getan“, sagte HSBC-Trinkaus-Analystin Antje Hansen.

Der Euro legte auf bis zu 1,5478 Dollar zu nach zuvor 1,5384 Dollar. Der Bund-Future verlor 70 Ticks auf 111,33. Die Sorge um die Konjunktur hält nach Expertenmeinung die Währungshüter der EZB jedoch zunächst von der Zinserhöhung ab: Die Europäische Zentralbank lässt den Leitzins im Juni bei 4,0 Prozent. Erst zum Jahresende rechnen Ökonomen mit einem ersten Zinsschritt nach oben. Seit Juni 2007 ist der Leitzins konstant.

Wegen des Rekordölpreises war die Teuerungsrate in den 15 Euro-Ländern im Mai auf 3,6 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Wert seit der Euro-Einführung 1999. Das ist weit über der Marke von zwei Prozent, bei der die EZB Preisstabilität definiert. Die Notenbank hat als Hüterin der Währung seit inzwischen zehn Jahren die Aufgabe, stabile Preise zu wahren.


Wegen der hohen Öl- und Lebensmittelpreise erwartet die EZB einen rasanten Anstieg der Inflation. Die jährliche Teuerungsrate in den 15 Euro-Ländern werde laut EZB-Stab in diesem Jahr im Mittel bei 3,4 statt der bisher erwarteten 2,9 Prozent liegen, sagte Trichet. Damit würde die Inflation erstmals seit der Euro-Einführung vor fast zehn Jahren die Drei-Prozent-Marke überschreiten.


Die Notenbank definiert Preisstabilität bei knapp unter zwei Prozent. Auch 2009 werde die Teuerung mit 2,4 statt 2,1 Prozent über dieser Marke liegen. Eine hohe Inflation spricht für die Zinserhöhungen. Beim Wirtschaftswachstum ist die EZB wegen des guten Jahresauftakts etwas optimistischer für 2008.

Der EZB-Stab erwartet trotz der Folgen der Finanzkrise, der wirtschaftlichen Abkühlung in den USA und des starken Euro in diesem Jahr 1,8 statt 1,7 Prozent Wachstum. 2009 werde sich der Zuwachs abschwächen auf 1,5 statt 1,8 Prozent. Eine schwächere Konjunktur spricht für eine Zinssenkung, weil sie Kredite für Unternehmen und Verbraucher verbilligt und den Konsum anschiebt.

dpa/oht