Bei den deutschen Firmenchefs wächst angesichts hartnäckig hoher Ölpreise der Pessimismus. Die Stimmung unter den 7000 vom Ifo-Institut befragten Managern war im Juni so schlecht wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Der Geschäftsklimaindex fiel überraschend deutlich von 103,5 auf 101,3 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2005, wie das Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Montag in München mitteilte. Sowohl die Lage als auch die Aussichten wurden schlechter als im Mai eingeschätzt. „Die stark gestiegenen Ölpreise belasten offensichtlich zunehmend die deutsche Wirtschaft“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch der Export verliere an Kraft. Der Industrieverband BDI fordert deshalb Steuersenkungen, um die Binnennachfrage zu stärken.
Die Sorgenfalten werden vor allem bei den Führungskräften der Industrie immer tiefer. Der Ölpreis hat sich binnen einen Jahres auf rund 140 Dollar je Fass verdoppelt und treibt die Produktionskosten in den energieintensiven Branchen in die Höhe. Das Verarbeitende Gewerbe kämpft gleichzeitig mit einer sinkenden Nachfrage aus dem Ausland. Besonders vom wichtigsten Absatzmarkt Europa kommen weniger Bestellungen an. „Wichtige Abnehmerländer wie Frankreich, Spanien und Großbritannien schwächeln“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters. Dank des hohen Auftragsbestandes hätten die Unternehmen aber weiter gut zu tun. Auch würden noch immer neue Stellen geschaffen, wenn auch weniger als im vergangenen Jahr.
Im Groß- und Einzelhandel trübte sich das Geschäftsklima ebenfalls ein. „Die Verbraucher ächzen unter den steigenden Preisen für Lebensmittel und Benzin“, sagte Abberger. Arbeitnehmer mussten deshalb trotz kräftiger Lohnerhöhungen im ersten Quartal reale Einkommensverluste hinnehmen, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Zwar stiegen die Löhne der Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe und in der Dienstleistungsbranche um 2,8 Prozent. Die Lebenshaltungskosten legten mit 2,9 Prozent aber kräftiger zu. Daran werde sich bis Jahresende nichts ändern, erwartet das gewerkschaftsnahe IMK-Institut. „Die Arbeitnehmer werden 2008 das fünfte Jahre in Folge einen Kaufkraftverlust erleiden“, sagte IMK-Direktor Gustav Horn zu Reuters.
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verlangt deshalb von der Bundesregierung, vor allem die Mittelschicht rasch mit Steuersenkungen zu entlasten und damit die Binnennachfrage zu stärken. Die Steuereinnehmen würden seit Jahren kräftig steigen und Entlastungen erlauben, sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann. Auch Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sprach sich für Steuerentlastungen aus, etwa durch einen höheren Grundfreibetrag. Auch könne der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von derzeit 3,3 Prozent gesenkt werden.
Trotz der widrigen Rahmenbedingungen erwartet das Ifo-Institut keine Rezession. „Dazu wird es nicht kommen“, sagte Abberger. Die Bundesbank sieht es ähnlich. Zwar werde die Wirtschaft im zu Ende gehenden zweiten Quartal erstmals seit fast vier Jahren wieder schrumpfen. Eine Rezession wie 2004 – also mindestens zwei Quartale in Folge mit einem Minus – werde es aber nicht geben. Für das zweite Halbjahr sagt die Bundesbank eine moderate Erholung voraus.
reuters/phj




