Siemens baut massiv Stellen ab. Allein bei seiner kriselnden Verkehrssparte Mobility streicht der Konzern nach Informationen von Morgenpost Online jeden zwölften Arbeitsplatz. Das Sanierungsprogramm „Mobility in Motion“ sieht den Abbau von 2000 Stellen vor. Auch die Schließung einzelner Standorte sei nicht ausgeschlossen, hieß es in Konzernkreisen. Die Verkehrssparte hat Werke in Berlin, Braunschweig, Krefeld und München. Die Hälfte der 2000 auf der Streichliste stehende Jobs bei Mobility soll in der Verwaltung wegfallen.
Weltweit werden bei Siemens offenbar sogar 17.200 Arbeitsplätze gestrichen, berichteten mehrere Zeitungen. In Deutschland seien insgesamt rund 6400 Stellen von den Sparplänen des Konzerns betroffen. Das ist einer der radikalsten Einschnitte in der 160-jährigen Konzerngeschichte. Betroffen seien Tausende Führungskräfte des oberen und mittleren Managements, wie Konzern-Chef Peter Löscher bereits in einem Zeitungsinterview angekündigt hatte.
Am Standort München fallen den Berichten zufolge 800 Stellen, in Berlin sind es 300 Stellen. Über das Sparprogramm verhandelt Siemens ab dem 7. Juli mit dem Betriebsrat. Betriebsbedingte Kündigungen sollen demnach vermieden werden.
In den Mobility-Werken sollen 1000 Arbeitsplätze wegfallen. Diese sind nicht Teil des Sparprogramms in der Verwaltung. Die Kürzungen betreffen vor allem die Fabriken in europäischen Hochlohnländern. Hier macht Deutschland den größten Anteil aus. Nach Aussage von Betriebsräten ist das Sanierungsprogramm „die letzte Chance“ des Bereichs. Sollte er danach nicht seine Margenziele von fünf bis sieben Prozent Umsatzrendite erreichen, droht auch ein Verkauf.
Siemens hatte im Geschäft mit Zügen und Verkehrssystemen immer wieder mit Mängeln und unrentablen Projekten zu kämpfen. Im vergangenen Quartal war die Mobility-Sparte sogar in die roten Zahlen gerutscht.
Nach Informationen von Morgenpost Online hat der Konzern die Arbeitnehmer-Vertreter informiert, dass er die Tochter Siemens Industry Montage Services (Sims) verkaufen möchte, die wie der Mobility-Bereich zum Industriesektor gehört. Die rechtlich eigenständige Firma hat 1300 Mitarbeiter und bietet unter anderem Montagen im Bereich IT. Größere Standorte von Sims sind unter anderem in Essen, Nürnberg und Stuttgart. Siemens plant, das Unternehmen an einen Mittelständler abzugeben.
Konzern-Chef Löscher verteidigte den geplanten Stellenabbau. Auch Siemens werde die gestiegenen Risiken der Weltwirtschaft durch hohe Rohstoff- und Energiepreise sowie die Finanzkrise in den kommenden Monaten stärker zu spüren bekommen, schrieb Löscher in einem Brief an die Mitarbeiter. Daher müsse Siemens wettbewerbsfähiger gemacht werden. Man wolle „schnell Klarheit schaffen“ und einen fairen Interessensausgleich für die Mitarbeiter aushandeln.
Durch den Stellenabbau will Siemens bis 2010 rund 1,2 Milliarden Euro an Vertriebs- und Verwaltungskosten einsparen. Weltweit beschäftigt Siemens 435.000 Menschen. Knapp ein Viertel – 100.000 Jobs – sind in Bayern angesiedelt. Auf den Freistaat entfallen besonders viele der Management-Stellen. Weitere 30.000 Mitarbeiter sind in anderen Bundesländern tätig.
Die Landesregierung in Bayern will um den Erhalt von Stellen bei Siemens kämpfen. „Ich werde mich dafür einsetzen, möglichst viele Arbeitsplätze in Bayern zu erhalten und die Folgen eines eventuellen Stellenabbaus für die betroffenen Mitarbeiter so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, sagte Wirtschaftsministerin Emilia Müller. Die CSU-Politikerin teilte mit, sie stehe im direkten Kontakt zur Unternehmensführung und sehe die möglichen Stellenstreichungen mit großer Sorge. Sie wisse, dass der Verlust des Arbeitsplatzes ein schwerer Schlag für die betroffenen Mitarbeiter und ihre Familien sei.
Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, mahnte die Verantwortung von Siemens gegenüber seinen Beschäftigten an. „Es gibt eine klare Verantwortung der Siemens AG für die Beschäftigten“, sagte er.
Der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der "Süddeutschen Zeitung“, jeder Stellenabbau bedeute für die Betroffenen und ihre Familien einen schmerzlichen Einschnitt: „Die jüngsten Ankündigungen von Siemens und UniCredit, Stellen in größerem Umfang abzubauen, sind schmerzlich. Da rede ich gar nicht drum herum.“ Ziel der Regierung sei es, „den Stellenabbau auf das unternehmerisch unabdingbare Maß zu begrenzen.“ Außer Siemens will auch der Mutterkonzern der HypoVereinsbank, UniCredit, Stellen abbauen: Die Rede ist von 9000 Jobs. Offen ist bisher noch, wie viele Arbeitsplätze davon bei der HypoVereinsbank betroffen sind. mit dpa



