Zum ersten Mal überhaupt hat Facebook das Nervenzentrum seines Netzwerks komplett überarbeitet: den Newsfeed. Hier laufen die Statusmeldungen der Freunde ein, und es sind neue Beiträge aller Art oder auch die Seiten, denen der Teilnehmer folgt, zu sehen. Neue Funktionen hat Facebook immer mal wieder integriert, zum Beispiel die Timeline, bei der sich alle Postings und andere Ereignisse an einer Zeitleiste entlang einordnen lassen, und die interne Suchfunktion Graph Search. Beim Newsfeed dagegen ist seit vielen Jahren nicht mehr viel passiert.

Die Folge: Optisch sah Facebook dadurch recht altbacken aus im Vergleich zu anderen Plattformen, und viele Nutzer klagten darüber, die Übersicht auf ihren Facebook-Seiten verloren zu haben. In den kommenden Wochen werden die Neuerungen bei allen Teilnehmern des sozialen Netzwerks angekommen sein. Sie umfassen sowohl die Optik als auch die Sortierung der Inhalte.

Facebook wird noch bunter und bildreicher

Nachdem es seit Einführung der Zeitleiste möglich geworden ist, seinem Facebook-Auftritt durch ein großformatiges Foto eine persönliche Note zu geben, wird es jetzt noch ein wenig bunter und bildreicher. Vor allem größer werden die Bilder sein, Fotos erscheinen über die ganze Spalte hinweg. Auch andere, sonst eher winzig dargestellte Optiken werden bald deutlich zu erkennen sein, neben Videos auch Ortsangaben und Vorschaubilder von Freunden oder Anbietern.

Damit auch alles auf den sichtbaren Ausschnitt der Website passt, hat Facebook sich optisch ein wenig zurückgenommen: Der Schriftzug Facebook ist nicht mehr zu sehen, stattdessen nur noch ein stilisiertes „F“.

Ähnliche Posts werden gebündelt

Das Ergebnis der Neugestaltung ist ein durchaus modernes Design, das sich an die Optik von Apps und anderen Darstellungen auf mobilen Geräten anlehnt. Das war auch dringend notwendig: Facebook wird zunehmend per Tablet oder Smartphone genutzt. Das gilt vor allem für Jugendliche – die sich angeblich zunehmend vom mit seinen mehr als einer Milliarde Teilnehmern weltweit größten sozialen Netzwerk absetzen.

Umfragen in den USA zumindest haben ergeben, dass 42 Prozent der zwischen 18 und 29 Jahre alten Befragten Facebook künftig seltener nutzen wollen als bisher. Mit den Neuerungen steuert Facebook dagegen. Das neue Design passt sich nicht nur besser an die Auflösungen der unterschiedlich großen Bildschirme von Computern und mobilen Geräten an, es ist auch über alle Plattformen hinweg zumindest ähnlich.

Die Nutzer werden dadurch nicht mehr durch eine unterschiedliche Optik überrascht und verwirrt. Da mit den künftig groß dargestellten Bildern auf den kleinen Displays von Tablets und Smartphone der Überblick weiter verloren gehen könnte, hat Facebook auch bei der Präsentation der Inhalte nachgebessert.

Viele gehen in der Flut an Beiträgen unter

Bislang war es vor allem aktiven Facebook-Nutzern kaum noch möglich, Lesenswertes von bloßem Geplapper zu trennen. Die chronologische Sortierung und Darstellung kann bei überschaubar vielen Postings sinnvoll sein. Wer jedoch bei Facebook besonders aktive Teilnehmer zu seinen Freunden zählt, geht in der Flut an Beiträgen schnell unter. Die meisten E-Mail-Programme können eingegangene Post zu sogenannten Threads bündeln, um die hin- und hergeschickten E-Mails zu einem Thema zusammenzufassen.

Ähnliches bietet künftig auch Facebook, indem es Inhalte, die etwas miteinander zu tun haben, auf einen Blick serviert. Haben zum Beispiel Freunde des Nutzers einen Artikel auf einer Nachrichtenseite kommentiert oder mit einem „Gefällt mir“ versehen, sind unter diesem Eintrag auch die Beiträge anderer Facebook-Teilnehmer dazu zu sehen – unabhängig davon, wann sie im Netzwerk gepostet wurden.

Neben den Postings sind größer als bisher unter anderem die Profilfotos der entsprechenden Freunde zu sehen. Fährt der Nutzer mit der Maus über das Vorschaubild, blendet Facebook künftig zum Beispiel ein dort hochgeladenes Foto oder einen Kommentar des Freundes ein. Auch die Logos der Anbieter von Nachrichten, die gerade diskutiert werden, sind großformatig zu sehen.

Das gilt ebenso für die vom Nutzer eingestellten Fotos und Karten. Nutzer müssen jedoch nicht alles den Automatismen Facebooks überlassen, sie können auch selbst die Darstellung der Inhalte verändern. Zum Beispiel, indem sie die Postings mithilfe des Filters selektieren. Damit wird es möglich, sich auf einen Blick nur Fotos anzusehen. Oder der Nutzer lässt sich alles rund um Musik auflisten – alle Empfehlungen von Freunden, Hinweise auf Konzerte oder direkte Links zu Videoclips.

Mehr Platz für Werbekunden

Zudem lassen sich über Filter nur die Beiträge der engsten Freunde einblenden oder aber über die voreingestellte Funktion „Following“ die ganze Kommunikation mit Freunden bei Bedarf ausblenden. Zu sehen ist dann nur noch alles rund um Nachrichten von Seiten, denen man folgt oder die anderen Facebook-Freunden gefällt. Die Technik-Website „Cnet“ zumindest wertet die neue Option als Attacke auf Twitter. Wer mit den Filtern geschickt umgeht, kann künftig recht einfach zwischen unterschiedlichen Themen hin- und herspringen.

Doch Facebook bietet noch mehr; und eine entscheidende Rolle spielt dabei der Like-Button, das Klicken auf das „Gefällt mir“-Symbol. Anhand der Likes eines Nutzers sammelt Facebook Themen und Nachrichtenartikel, die für den Teilnehmer besonders interessant sein dürften Zusätzlich liefert das Netzwerk einen News-Stream für Fotos sowie Beiträge rund um Personen des öffentlichen Lebens. Letztlich laufen dort alle für den Nutzer interessanten Nachrichten ein. Das Ergebnis wäre ein individuell zusammengestelltes Nachrichtenpaket oder die „beste personalisierte Zeitung der Welt“, wie es Facebook-Chef Mark Zuckerberg während der Präsentation der Neuerungen gänzlich unbescheiden nannte.

Nutzer sollen länger auf Facebook verweilen

Vorrangig dienen die Veränderungen einem Ziel: den Nutzer länger auf den Facebook-Seiten, insbesondere im Newsfeed, zu halten. Die moderne Optik und die übersichtlichere Darstellung könnten hier durchaus helfen. Und wer sich länger und intensiver mit dem Newsfeed beschäftigt, hat auch mehr Zeit und Muße, die dort geschaltete Werbung zu studieren. Kein Wunder also, dass Zuckerberg bei der Präsentation von einer der wichtigsten Neuerungen des Unternehmens sprach. Schon zuvor hatte er vor Analysten angekündigt, dass der Newsfeed Werbekunden mehr bieten werde als bisher.

Anhand der Postings und der „Gefällt mir“-Klicks lassen sich schon jetzt gezielt Werbebotschaften dort unterbringen. Das wird, angereichert durch die Schlagworte, die Nutzer bei der Facebook-internen Suche eingeben, künftig noch zielgenauer und subtiler möglich sein. Auch die aufgepumpte Optik kommt Werbern zugute, schließlich werden nicht nur private Bilder, sondern auch Werbeanzeigen größer zu sehen sein. Bei der Präsentation war von Werbung nicht die Rede. Es bleibt also abzuwarten, was von der aufgeräumten Optik noch übrig ist, wenn großformatige Werbeflächen hinzukommen.