Gerade erst vor wenigen Wochen hat der US-Technologiekonzern Apple das neue iPhone 5 auf den Markt gebracht, schon steht das nächste Medienereignis bevor: Für Dienstag hat das Unternehmen zu einer Veranstaltung ins kalifornische San José eingeladen – und stellt dort aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mini-iPad vor. Apple selbst hüllt sich wie gewohnt in Schweigen: „Wir haben Euch noch was Kleines zu zeigen“, hieß es lediglich in der gewohnt geheimniskrämerischen Einladung zu dem Termin.
Neben einem iPad mini könnten laut US-Medien auch andere Neuheiten präsentiert werden. Spekuliert wird unter anderem über ein Laptop der Reihe Macbook Pro mit 13-Zoll-Bildschirm und eine Erneuerung der iMac-Desktops.
Im Gegensatz zu jüngsten iPhone-Vorstellungen sickerten diesmal nur wenige Informationen über das neue Gerät durch. Es gab auch kaum glaubwürdige Bilder im Internet. Immerhin war zu lesen, dass ein iPad mini einen Bildschirm mit 7,85 Zoll (19,94 cm) Diagonale bekommen werde – etwas mehr als beim Kleinformat der Konkurrenz. Zudem soll es sehr dünn werden, mit schmalen Rändern um den Bildschirm.
Laut „Wall Street Journal“ hat Apple die Produktion von zehn Millionen der kleineren Computerscheiben längst anlaufen lassen. Pünktlich zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts könnte das iPad-Mini am 2. November in die Läden kommen, wie Medien berichteten.
Apple muss nachlegen
Apple überließ das Marktsegment kleinerer Tablet-Computer bisher komplett der Konkurrenz – alle drei iPad-Generationen haben einen 9,7 Zoll großen Bildschirm (24,6 cm). Damit fuhr Apple auch ganz gut: Der Marktanteil wird auf 60 bis 70 Prozent geschätzt, die iPads trugen erheblich zum Geldberg von zuletzt mehr als 117 Milliarden Dollar bei.
Allerdings sorgte der Online-Händler Amazon mit seinem Kindle Fire für Aufsehen auch in der 7-Zoll-Klasse und jetzt ist eine neue Welle von Konkurrenzgeräten aller Größen im Anmarsch. Unter anderem kommen demnächst mit dem Start des Betriebssystems Windows 8 die Surface-Tablets von Microsoft auf den Markt. Von Google wird ein großes Nexus-Tablet erwartet, auch andere Tablets mit Android-Software stehen in den Startlöchern.
Eine zentrale Frage für den Erfolg des iPad mini könnte der Preis werden. Die günstigsten Tablets mit 7-Zoll-Bildschirm (17,8 cm) sind derzeit für weniger als 200 Euro bzw. Dollar zu bekommen. So kostet die erste Generation des Kindle Fire nur noch 159 Euro, Vodafone bringt für 189 Euro ein neues Android-Tablet auf den Markt, das sogar UMTS-Funk hat – eine Seltenheit in dieser Preisklasse.
Zugleich steht Apple-Chef Tim Cook vor einem Balanceakt: Ein iPad mini muss so günstig sein, dass es den Rivalen Käufer abjagen kann – aber zugleich nicht so billig, dass die Apple-Fans dafür massenweise auf den Kauf eines größeren iPad-Modells verzichten. Apple-Kunden sind zwar gewohnt, mehr für Geräte mit dem angebissenem Apfel im Logo zu bezahlen. Allerdings würde ein Preis von 329 Dollar für das günstigste Modell, über den zuletzt spekuliert wurde, der Konkurrenz noch viel Platz lassen.
Apple peilt den Schulbuch-Markt an
Das iPad im Mini-Format sei für die Konkurrenz aber dennoch „der schlimmste Albtraum“, meint der Analyst Shaw Wu von Sterne Agee. Sein Erfolg hänge allerdings vom Preis ab. Wu rechnet damit, dass das kleinere iPad für 299 oder 349 Dollar auf den Markt kommt. Apple könnte sich aber auch für einen „Angriff zum Töten“ bereit machen und das Gerät zu Lasten seiner Gewinnmarge für 199 Dollar anbieten – dem Noch-Preis für das Nexus 7 von Google.
Analysten rechnen aber in jedem Fall damit, dass auch das kleine iPad zum Verkaufsstart ein Hit wird. Es werde vermutlich auch dem größeren iPad einige Käufer abjagen, glaubt Ben Reitzes von Barclays. Aber das kleinere Modell könnte Apple dabei helfen, seine Vorstellungen vom digitalisierten Schulbuchmarkt durchzusetzen – und schwere Bücher im Schulranzen überflüssig zu machen. Das kleinere Format dürfte auch für Nutzer interessanter sein, die das Gerät zum Spielen nutzten, ergänzt Reitze.
Jobs hielt 7-Zoll-Bildschirm für „Totgeburt“
Über ein kleineres iPad wurde in den vergangenen Jahren zwar immer wieder spekuliert, aber es blieb bisher ein Phantom. Außerdem hatte Apple-Gründer Steve Jobs im Oktober 2010 gleich die ganze Geräteklasse der Tablets mit 7-Zoll-Bildschirm als „Totgeburten“ bezeichnet. Sie seien zu groß, um sie wie ein Smartphone immer dabeizuhaben – aber zu klein, um dem Nutzer ein ordentliches Tablet-Erlebnis zu bieten. Die Hersteller müssten den Nutzern am besten gleich Schleifpapier mitliefern, damit diese ihre Finger anpassen könnten, spottete Jobs unter anderem.
Zugleich gab es aber schon damals auch in der Apple-Chefetage Befürworter des Formats wie den einflussreichen Chef de iTunes-Plattform, Eddy Cue. Laut einer internen E-Mail, die im Patentprozess gegen Samsung auftauchte, soll Cue Ende 2010 auch bei Jobs für die Entwicklung eines kleineren Tablets geworben haben – und der visionäre Firmengründer habe sich für die Idee empfänglich gezeigt.
dpa/AFP/mim

